Niederlagen wegstecken Gerade einen herben Rückschlag erlitten? Freuen Sie sich!
Nicht nur beim Sport können Sie am Ende des Tages mit zwei gebrochenen Füßen nach Hause gehen. Auch im Arbeitsleben läuft nicht immer alles rund. Dann heißt es aufstehen und weitermachen, denn irgendwann heilen alle Wunden.

Nicht nur beim Sport können Sie am Ende des Tages mit zwei gebrochenen Füßen nach Hause gehen. Auch im Arbeitsleben läuft nicht immer alles rund. Dann heißt es aufstehen und weitermachen, denn irgendwann heilen alle Wunden.© dnaveh / Fotolia.com

„Scheitern ist nicht das Gegenteil von Erfolg. Es ist ein Teil davon“, sagt Motivations-Coach Markus Czerner. Wie man Niederlagen nutzt, um danach großartige Leistungen zu erbringen, zeige zum Beispiel der FC Bayern.

Niederlagen werden in unserer Gesellschaft oft als ein Zeichen der Schwäche deklariert. Kein Wunder also, dass viele Angst davor haben, zu scheitern: Wie stehe ich denn bloß vor der Konkurrenz da, wenn ich einen Flop produziere? Was sagen die Kumpels im Tennisclub, wenn ich plötzlich Mitarbeiter entlassen muss? Was denken meine Mitarbeiter von mir, wenn der Chef mit seiner Idee daneben liegt?

Dementsprechend lesen sich die „Über uns“-Seiten auf den meisten Unternehmens-Homepages: Da wird von Erfolg zu Erfolg geeilt, Niederlagen haben in dieser perfekten Welt nichts zu suchen. Jeder Spitzensportler zeigt uns aber das Gegenteil: Niederlagen sind ein wichtiger Teil der Karriere. Oftmals sogar der Wichtigste. Scheitern ist nichts das Gegenteil von Erfolg. Es ist ein wichtiger Teil davon!

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Eine Niederlage ist wichtiger als zehn Siege

Eine Niederlage ist wichtiger als zehn Siege – Eine Aussage, die man immer mal wieder im Sport hört – und sie ist richtig. Siege sind toll – keine Frage! Wir lernen aus ihnen aber nichts. Unser Entwicklungsbarometer wird sich durch Siege nicht weiter nach oben entwickeln. Zu verlieren hingegen bedeutet, dass wir selbst nicht gut genug waren. Eine wichtige Erkenntnis, die jeder Spitzensportler für sich nutzt.

Kein Spitzensportler sucht die Schuld für Niederlagen bei anderen Menschen oder äußerlichen Faktoren. Keiner! Die meisten Menschen schon. Für Niederlagen und Rückschläge sind meistens die Anderen Schuld. Die Mitarbeiter, die nicht engagiert genug sind. Der Kunde, der einfach falsche Vorstellungen hat. Oder der Partner, der einen mehr hätte unterstützen müssen. Man selbst kann eigentlich überhaupt gar nichts dafür.

Das alles sind jedoch nur Ausreden, um den eigentlichen Grund für das Scheitern soweit wie möglich aus dem Weg zu gehen: wir selbst! Es ist einfach, andere Menschen für unser Versagen verantwortlich zu machen. Schwer ist es jedoch, die Schuld zuerst immer bei sich selbst zu suchen.

Spitzensportler machen genau das. Sie setzen sich nach jeder Niederlage hin und analysieren, warum sie gescheitert sind und was sie in Zukunft besser machen können, um nicht mehr zu scheitern. Nur so findet eine persönliche Entwicklung statt.

Große Erfolge entstehen durch bittere Niederlagen

Kein Spitzensportler hat ganz oben angefangen. Kein Spitzensportler war von Anfang an erfolgreich. Erfolg setzt Niederlagen, Enttäuschungen und den Schmerz, den beides mit sich bringt, voraus. Der FC Bayern München hätte das legendäre Triple im Jahr 2013, bestehend aus Deutscher Meisterschaft, DFB-Pokal und dem Gewinn der Champions-League niemals erreicht, wenn die Mannschaft nicht ein Jahr zuvor die bitterste Niederlage in der Vereinsgeschichte erlebt hätte. Im „Finale Dahoam“, als die Münchner gegen den FC Chelsea auf sehr dramatische Art und Weise das Champions-League-Finale im eigenen Stadion verloren haben. Diese Niederlage war der Schlüssel für die erfolgreichste Saison, die einer deutschen Fußballmannschaft jemals gelungen ist. Der FC Bayern hat die so schmerzliche Niederlage genutzt, um sich nochmals zu verbessern, noch einmal einen Leistungssprung zu machen.

Die aktuelle Nummer drei der Tenniswelt, Stanislas Wawrinka, hat nach seinem Sieg bei den US-Open 2016 zu seinem Gegner Novak Djokovic gesagt, dass er sich bei ihm bedanken müsse, denn ohne ihn hätte er den Titel nicht gewinnen können. Wawrinka hatte vor seinem ersten Grand-Slam-Sieg bei den Australian Open 2014 bittere Niederlagen gegen Djokovic hinnehmen müssen. Niederlagen, von denen sich manch ein Spieler nicht mehr erholt hätte. Wawrinka jedoch hat jede dieser Niederlagen genutzt, um besser zu werden.

Nach den dramatischen Niederlagen gegen Djokovic hat er sich ein Tattoo auf den linken Unterarm stechen lasse: „Immer wieder versucht. Immer wieder gescheitert. Egal. Versuch´s wieder. Scheitere wieder. Scheitere besser.“ Er ist auf die Bedeutung des Zitats von Samual Beckett für ihn angesprochen worden und hat gesagt, dass es seine Ansicht über das Leben und seinen Job ist. Man müsse bittere Niederlagen hinnehmen, aber man müsse das Positive aus der Niederlage ziehen und wieder zurück ins Training. Denn verlieren bedeute nichts anderes, als das man nicht genug sei. Zwei seiner drei Grand-Slam-Erfolge hat Wawrinka im Finale gegen Novak Djokovic gewonnen – er hat jede Niederlage genutzt, um besser zu werden. Und das machen alle Spitzensportler. Sie verlieren nicht – sie lernen hinzu!

Spitzensportler scheitern solange, bis sie erfolgreich sind

Die meisten Menschen hingegen wollen sich gar nicht mit ihren Niederlagen beschäftigen. Wie schon gesagt: Schuld sind ja sowieso die Anderen, und Niederlagen sind ausschließlich negativ. Doch wer diese Einstellung hat, für den wird Erfolg nur ein Traum bleiben. Zu viele Menschen geben einfach zu früh auf. Sie versuchen etwas einmal, und wenn es nicht klappt, lassen sie es sein. Die Wenigsten versuchen es ein zweites Mal und noch viel weniger ein drittes oder viertes Mal. Ein erfolgreicher Spitzensportler hingegen weiß, dass er an einer Niederlage wachsen wird und sie ihm helfen wird, erfolgreich zu sein.

Jeder von uns kann es Spitzensportlern gleich tun. Wir müssen nur bereit sein, Niederlagen anzunehmen und nicht davor wegzulaufen. Jede Niederlage bringt etwas Positives mit sich – wir müssen es nur sehen wollen.

1 Kommentar
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    Christian Walz 24. Februar 2017 16:09

    Hallo,
    der Ansatz des Artikels ist richtig, wird aber in Deutschland leider nicht gelebt. Als Unternehmer, der in Deutschland einmal gescheitert ist (Insolvenz oder ähnliches), ist man als Versager gebrandmarkt. Das Vertrauen und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit sinken bei den bisherigen Geschäftspartnern rapide.
    Die Erkenntnis, dass man in einer Niederlage Erfahrungen sammelt, die einen dann weiterbringen, ist in Deutschland leider nicht angekommen. Eine Sache, bei der wir von Ländern wie den USA lernen können und sollten.

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