Schlagfertigkeit 11 Tipps für schlagfertige Antworten

Fallen Ihnen schlagfertige Antworten immer erst auf dem Nachhauseweg ein? Blöd – denn Schlagfertigkeit erleichtert den Alltag enorm. Das Gute: Sie lässt sich lernen. Elf Tipps für coole Konter.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schlagfertigkeit ist eine Fähigkeit, die sich lernen lässt – keine angeborene Gabe.
  • Verschiedene Tricks helfen, in jeder Situation schlagfertige Antworten und lässige Sprüche parat zu haben.
  • Schlagfertigkeitstraining lohnt sich: Schlagfertige Menschen setzen sich besser und schneller durch, erhalten mehr Aufmerksamkeit und Zustimmung.

Was bringt Schlagfertigkeit?

Schlagfertigkeit hilft uns in Situationen, in denen wir kurz die Kontrolle verlieren – privat wie beruflich. Zum Beispiel wenn sich jemand vordrängelt und dann auch noch einen blöden Spruch bringt. Wenn der Nachbar einen Witz auf unsere Kosten macht. Oder im Job, wenn etwa ein Kunde zum Kontrahent wird, der mit einem provokanten Spruch versucht, uns aus der Fassung zu bringen. Oder wenn bei der Präsentation des Geschäftsberichts alle Blätter zu Boden fallen.

„Was all diese Situationen eint: Wer hier schlagfertig reagiert, hält nach wenigen Worten die Fäden wieder in seiner Hand“, sagt Kommunikationstrainer Matthias Nöllke.

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Wie verhilft Schlagfertigkeit zu mehr Erfolg?

Schlagfertigkeit macht das Leben leichter, meint Nöllke:

  • Sie leben gesünder, wenn Sie den Ärger über Verbalattacken nicht in sich hineinfressen, sondern ihnen mit Schlagfertigkeit begegnen und abends wissen, im Gespräch gut gekontert zu haben.
  • Eine schlagfertige Antwort zur passenden Zeit stärkt das Selbstbewusstsein.
  • Sie profitieren, wenn Sie Ihren Mitmenschen mit schlagfertigen Aussagen deutlich machen, wann diese zu weit gegangen sind.

Im Umkehrschluss: Wer sich im Alltag – zum Beispiel aus Harmoniesucht – nie schlagfertig zur Wehr setzt, riskiert, in Zukunft nicht ernst genommen und respektlos behandelt zu werden.

„Außerdem ist erwiesen, dass schlagfertige Menschen sich im Allgemeinen besser und vor allem schneller durchsetzen“, so der Experte. Und noch einen Vorteil haben Menschen, die schlagfertig wirken: Sie erhalten mehr Aufmerksamkeit und eine höhere Zustimmung als jene, die zwar gute Argumente haben, sie aber nicht so zungenfertig rüberbringen können.

Lässt sich Schlagfertigkeit lernen?

Auch in Sachen Schlagfertigkeit gibt es Naturtalente mit angeboren schnellem Mundwerk und viel Humor, die immer eine treffende Erwiderung parat haben – ähnlich wie begabte Redner nie um ein Wort verlegen sind. Andererseits: Schlagfertigkeit lässt sich durch schlichte Übung auch wunderbar trainieren, ohne dafür ein Seminar zur Rhetorik belegen zu müssen. „Gerade jene, die wir wegen ihrer beeindruckenden Schlagfertigkeit bewundern, haben diese Fähigkeit meist lange geübt und weiterentwickelt“, sagt Nöllke. „Denn überspitzt könnte man sagen: Wer nachdenken muss, hat schon verloren.“

Wie funktioniert Schlagfertigkeitstraining?

Es gibt viele Techniken, um schlagfertiger zu werden und lässige Sprüche zu trainieren. „Schlagfertigkeitstraining wirkt wie ein Stützkorsett, das es Ihnen ermöglicht, überhaupt erst einmal zu kontern“, so der Schlagfertigkeits-Experte. Die folgenden Tipps und Schlagfertigkeitstechniken sind die erfolgversprechendsten:

Schlagfertigkeits-Tipp 1: Ansprüche herunterschrauben

Der Versuch, die perfekte Reaktion zu finden, raubt Ihnen Zeit – und ist damit hinderlich für jede Form von Schlagfertigkeit. „Denken Sie direkt, damit sind Sie schneller am Ziel“, rät Nöllke. „Und was nicht weniger wichtig ist: Simplen Bemerkungen können andere Menschen schnell folgen“, sagt Nöllke. Sich anspruchsvolle Metaphern zu überlegen, die niemand auf die Schnelle versteht, ist in Sachen Schlagfertigkeit dagegen kontraproduktiv.

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Schlagfertigkeits-Tipp 2: Lässige Kontersprüche einüben

Überlegen Sie sich zwanzig Instant-Sätze: Floskeln, die Sie sich leicht merken können und die nicht zu speziell sind – sie sollen ja zu vielen Situationen passen, etwa, wenn bei einem Vortrag, in einem Meeting oder Diskussionen patzige Zwischenrufe von Zuhörern aus dem Publikum oder von Kollegen kommen. Klassiker der schlagfertigen Retourkutschen und Gegenfragen, die jeder im Hinterkopf haben sollte, sind etwa:

  • „Ich passe mich nur meiner Umgebung an.“
  • „Da fragen Sie besser meinen Steuerberater.“
  • „Können Sie das auch rückwärts?“
  • „Das ist für meinen eckigen Kopf zu rund.“
  • „Warum?“ / „Wie kommen Sie darauf?“ (Bei blöden Unterstellungen)
  • „Könnten Sie diesen Satz mal sinnvoll zu Ende führen?“ (Bei einem Blackout, zum Beispiel während einer Präsentation)
  • „Wäre Dir blau lieber?“ (Wenn man rot wird)
  • „Welchen Teil von ‚Nein‘ hast Du nicht verstanden?“
  • „Und nächstes Mal mache ich einen Salto dazu.“ (Zum Beispiel wenn man stolpert oder fällt)

Wer seine Schlagfertigkeit trainiert, indem er in einer ruhigen Minute einige dieser schlagfertigen Antworten und Gegenfragen einübt, wird sie in schwierigen Situationen problemlos abrufen können, um damit Angreifer zu kontern. Und braucht nie wieder Angst zu haben, dass ihm im entscheidenden Moment nichts einfällt. „Der wichtige Punkt ist dann nur die Auswahl: Der Instant-Satz muss passen. Einmal zu Ihrer Persönlichkeit, dann aber auch zur Situation“, so der Schlagfertigkeits-Experte.

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Schlagfertigkeits-Tipp 3: Sich bei coolen Sprüchen anderer bedienen

Prägen Sie sich Bonmots mit treffenden Pointen ein. Beispiel: Wenn jemand Ihnen ungerechtfertigt unterstellt, Sie würden zu viel verlangen, könnten Sie mit der Aussage kontern: „Ich verstehe. Um mit Karl Kraus zu sprechen: Das Niveau hat sich gehoben – nur ist keiner mehr drauf.“

Die Zitate, so Schlagfertigkeits-Experte Nöllke, dürften ruhig Banalitäten enthalten, auch ungereimte Aussagen böten sich als Fundus für schlagfertige Einwände an. Zum Beispiel diese:

  • „Schaun wer mal, dann sehn ma schon.“ (Franz Beckenbauer).
  • „Wenn ich Ihre Meinung hören will, dann werde ich sie Ihnen mitteilen.“ (Filmproduzent Samuel Goldwyn).
  • „Ich habe in der Vergangenheit richtig entschieden und ich habe in der Zukunft richtig entschieden.“ (Der ehemalige US-Präsident George W. Bush)
  • „Grau ist alle Theorie, maßgebend is auff’m Platz.“ (Fußballtrainer Adi Preißler).

Schlagfertigkeits-Tipp 4: Den anderen überraschen – durch Zustimmung

Gerade wenn Sie sich für nicht schlagfertig halten, ist dies eine wunderbar einfache Technik. Jemand konfrontiert Sie mit einem Vorwurf – und Sie rechtfertigen sich nicht, sondern stimmen ganz gelassen zu.

  • „Sie sind aber langsam“ – „Stimmt, ich will ein perfektes Ergebnis.“
  • „Sie fahren aber schlecht Auto“ – „Stimmt, ich habe den Führerschein nur durch Bestechung bekommen.“
  • „Sie sind aber ein teurer Anbieter“ – „Stimmt, Qualität hat ihren Preis.“

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Noch wirkungsvoller wird Ihre Antwort, wenn Sie beim Beipflichten maßlos übertreiben.

  • „Sie sind aber schlecht organisiert.“ – „Stimmt, ich muss jeden Morgen erst meine Hände suchen, weil ich nicht mehr weiß, wo ich sie hingelegt habe.“
  • „Du hast aber zugenommen.“ – „Stimmt, ich habe jedes Mal Angst, in der Aufzugtür stecken zu bleiben.“

Diese Technik gibt Ihnen doppelt Selbstsicherheit: Erstens, weil sie einen Angriff an sich abprallen lassen. Zweitens, weil Sie zu dem stehen, was Sie tun oder sind.

Schlagfertigkeits-Tipp 5: Den Vorwurf des anderen aufgreifen

Verkünden Sie zum Beispiel, dass Sie „lieber so“ sind als „anders“ – und setzen für das „anders“ ein Attribut ein, das Sie im Gegenzug Ihrem Gegenüber zuweisen.

  • „Du hast aber zugenommen!“ – „Lieber dick als doof.“
  • „Ihr Angebot ist aber teuer!“ – „Lieber teuer als unseriös.“
  • „Du bist zu spät“ – „Lieber zu spät als schlecht frisiert.“

„Wenn Sie nach dem Muster: ‚Lieber (a) als (b)!‘ vorgehen, können Sie auch etwas völlig Absurdes einfügen – das schafft einen lustigen Kontrast. Bringen Sie dann noch ein Wortspiel zustande, ist das schon ziemlich schlagfertig“, so Nöllke.

Ein Meister der Taktik, auf Angriffe zu reagieren, indem man Formulierungen des anderen aufgreift und daraus nach Möglichkeit etwas noch Originelleres gestaltet, war Winston Churchill. Als er mit den Worten angegriffen wurde: „Wenn ich Ihre Frau wäre, würde ich Ihnen Gift geben“ Churchill erwiderte: „Wenn ich Ihr Mann wäre, würde ich es nehmen.“

Schlagfertigkeits-Tipp 6: Eiskalt das Gegenteil behaupten

Schlagfertig zu sein heißt nicht, humorvoll oder ironisch statt sprachlos sein zu müssen. Sie können auch einfach die Anschuldigung richtigstellen.

„Sie haben keine Linie! Heute sagen Sie dies, morgen das!“ – „Da kann ich Ihre Wahrnehmung nicht teilen. Ich habe eine klare Strategie, die ich seit Monaten/Jahren verfolge.“ – Bäm. Sie haben den Ball zurückgeschossen, jetzt muss Ihr Gegenüber erst einmal nachliefern.

Schlagfertigkeits-Tipp 7: Übliche Redensarten und Sprüche verballhornen

Auf dem Weg in die Königsklasse der Schlagfertigkeit sind Sie mit Ihrer eigenen Sprichwort-Variante, die einen Unterhaltungswert garantiert. Mit dieser Technik kann eine schlagfertige Antwort zum Beispiel so gelingen:

  • „Wer andern eine Grube gräbt, ist ein Bauarbeiter.“
  • „Abwarten und hinterherhinken.“
  • „Der hat doch nicht mehr alle Latten an der Waffel.“

„Die einzige Anforderung hierbei: Der Spruch darf genau NICHT passen“, sagt der Schlagfertigkeits-Experte. „Fragt ihr Gegenüber dann erstaunt nach, was Sie damit meinen, blicken Sie ihm in die Augen und sagen geheimnisvoll: ‚Denken Sie doch mal scharf nach.‘ Oder Sie sagen einfach, wie es ist: ‚Nichts.'“

Schlagfertigkeits-Tipp 8: Ausweichen

Wer bei einem verbalen Angriff mit dem schlichten Einwand „So redet man nicht mit mir“ kontert, spricht dem Gegenüber die Wirkmacht seiner Worte ab. Das Gute an dieser Taktik laut Nöllke: „Sie stoßen Ihr Gegenüber nicht vor den Kopf, bestimmen aber dennoch über die weitere Gesprächsführung.“

Schlagfertigkeits-Tipp 9: Absurde Gegenargumente finden

Königsklasse, die zweite: Wirft Ihnen etwa jemand vor, Sie seien beim Vortrag zu sehr an der Oberfläche geblieben, könnten Sie humorvoll erwidern: „Na ja, da konnte ich zumindest nicht untergehen.“ Wird jemand persönlich verletzend, etwa mit: „Ihre Haare sind ja gefärbt!“, nehmen Sie ihm den Wind aus den Segeln mit: „Dafür ist die Länge echt.“

Schlagfertigkeits-Tipp 10: Sinnlose Angriffe weiterspinnen

Wirft Ihnen etwa jemand vor, immer zu spät zu kommen, wenn Sie sich erstmals um zwei Minuten verspäten, können Sie sich eine absurde Geschichte ausdenken, wieso Sie mit Absicht zu spät kommen wollten – und welche Mittel Sie gewählt haben, um das zu erreichen. Wie: „Gestern Abend habe ich den Wecker extra zwei Minuten vorgestellt – und jetzt dieser Triumph, dich zwei Minuten schmoren zu lassen!“

Bei dieser Technik sei jedoch Achtung geboten, so Nöllke: „Sie eignet sich nur dann, wenn Ihnen Vorwürfe gemacht werden, die einfach lächerlich sind – also etwa eine Lappalie betreffen. Dann sind Sie mit diesem ‚absurden Anschluss‘ unangreifbar.“

Ansonsten aber sei es eine harte Technik, die nur in seltenen Fällen zum Einsatz kommen sollte, denn: „Indem Sie sich runtermachen, verweigern Sie dem Gegenüber die Kommunikation, weil er keine Angriffsfläche mehr hat – und es gibt wenig, was ähnlich kränkend ist“, so der Schlagfertigkeits-Experte weiter.

Schlagfertigkeits-Tipp 11: Schlagfertigkeit als Spiel betrachten

Proben Sie Ihre Konterfähigkeiten in unverfänglichen Situationen, etwa privat, wenn Ihnen vorgeworfen wird, „nie im Haushalt zu helfen“, oder ein Freund moniert: „Nie hast du mal Zeit!“ Wenn Sie jede Gelegenheit, die sich Ihnen bietet, nutzen, um Ihre Schlagfertigkeit zu trainieren, wird es Ihnen bald Spaß machen, lässige Retourkutschen zu finden. Und nach einiger Zeit kommen coole Sprüche auch dann wie von selbst, wenn Sie die Schlagfertigkeit wirklich brauchen – etwa, wenn Vorgesetzte oder Chefs Sie mit einem dummen Spruch herausfordern.

So lösen Sie Schlagfertigkeits-Blockaden auf

Eine Schlagfertigkeits-Methode, die immer geht, ist die der sogenannten „Nullsätze“ – also Repliken, die keinen oder nur einen sehr geringen Bezug zum Angriff haben. Etwa: „Dazu kann ich leider nichts sagen, ich bin in meinem Schlagfertigkeitsbuch erst bei Lektion drei.“ Der Schlagfertigkeits-Experte dazu: „Es ist immer wieder erstaunlich, aber: Allein dadurch, dass Sie überhaupt etwas äußern, tun Sie bereits den ersten Schritt, um sich zu behaupten.“

Ähnlich hilfreich ist es, den Inhalt des Angriffs infrage zu stellen, etwa mit dem Spruch: „Ich habe nicht verstanden, was Sie gerade gesagt haben.“ Damit verfehlt der Angreifer sein Ziel. „Sogar, wenn er seine Bemerkung anschließend wiederholen sollte, wirkt sie bei Weitem nicht so verletzend“, meint Nöllke.

Hinzu kommt: Sie gewinnen Zeit, um tief durchzuatmen, sich zu beruhigen – und sich doch noch eine gute, schlagfertige Antwort zu überlegen.

Mehr dazu: Verbale Angriffe abwehren: 5 Tipps, wie Sie Verbal-Attacken wie ein Profi kontern

Allzu schlagfertig? So vermeiden Sie Ärger

„Schlagfertigkeit bedeutet, ein kleines Risiko einzugehen“, sagt Nöllke – denn schlagfertige Bemerkungen sind selten nett. „Häufig enthalten sie sogar ein gewisses Quäntchen Bosheit, das gibt ihnen Würze und verstärkt ihre Wirkung“, so der Schlagfertigkeits-Experte weiter. Die folgenden zwei Tipps helfen, Ärger zu vermeiden.

1. Die Würde des anderen wahren

„Wer andere in die Pfanne haut und sie bloßstellt, ist nicht schlagfertig, sondern unverschämt“, sagt Nöllke. „Damit wird eine Replik schnell destruktiv – und vergiftet die Atmosphäre.“ So seien manche Standardantworten, die Ratgeber zum Auswendiglernen empfehlen, schlicht frech und beleidigend. Eine gute schlagfertige Antwort hingegen ziele immer auf eine konkrekte Situation oder ein Verhalten – nie auf die Person des Angreifers selbst.

2. Die Schärfe der Replik dem Angriff anpassen

„Wer nach einem harmlosen Scherz fürchterlich zurückschlägt, etwa mit einer Frechheit, reagiert ebenso unangemessen wie derjenige, der hart angegangen wird und leichthin darüber hinweggeht“, sagt Nöllke.

Weitere Tipps für mehr Schlagfertigkeit gibt Schlagfertigkeitstrainer Matthias Pöhm in einem Vortrag.

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