Stress abbauen Überfordert? 4 Erste-Hilfe-Schritte für mehr Klarheit
Pflaster drauf und weiter arbeiten? So leicht ist Stress abbauen dann doch nicht.

Pflaster drauf und weiter arbeiten? So leicht ist Stress abbauen dann doch nicht.© clu/ iStock/ Getty Images Plus

Die To-do-Liste wächst und Sie fürchten, den Berg an Arbeit nicht bewältigen zu können? Bestseller-Autor und Coach Michael Hyatt kennt das Problem – und die Lösung: Stress abbauen in vier Schritten.

Manchmal wächst einem alles über den Kopf: Die Woche ist vollgestopft mit Terminen, dazu drängelnde Kunden und Mitarbeiter – und die Aufgaben stapeln sich. Wer das Gefühl kennt, ist damit nicht allein: Auch der US-amerikanische Bestseller-Autor, Coach und Unternehmer Michael Hyatt fühlt sich manchmal überfordert. Doch er hat eine Lösung parat, um dem Stress möglichst schnell ein Ende zu setzen: In seinem Podcast „Lead to Win“ stellt er seinen Vier-Schritte-Plan vor, um der Überforderung Herr zu werden.

Schritt 1: Sich auf wirklich wichtige Aufgaben konzentrieren

Wer überfordert ist, neigt laut Hyatt dazu, möglichst viele Aufgaben gleichzeitig anzupacken. Entsprechend werden die Arbeitstage länger und die Nächte kürzer – und die Stressgefühle immer größer. Hyatts Rat: „Wer sich nicht mehr überfordert fühlen möchte, muss weniger tun, nicht mehr. Wir alle haben begrenzte Kapazitäten, begrenzt viel Zeit und vor allem eine begrenzte emotionale Energie.“

Anzeige

Statt jeden Tag 20 To-dos abzuhaken, sollten Chefs sich auf wenige Aufgaben konzentrieren, die ihre Firma wirklich voranbringen. Das sind idealerweise Aufgaben, die Spaß machen und für die man morgens gerne aufsteht.

Unternehmer sollten also ihre To-do-Liste entschlacken. Hyatt empfiehlt dafür das sogenannte „Braindumping“. Diese Methode hat er selbst häufig genutzt, als seine Firma rasch wuchs und er sich angesichts seines randvollen Kalenders oft gestresst fühlte.

Beim Braindumping setzt man sich mit einem vertrauten Kollegen zusammen und schreibt auf ein Blatt Papier, was einem Sorgen bereitet – sowohl Berufliches als auch Privates. Im nächsten Schritt sortieren beide gemeinsam aus: Welche Aufgaben haben die größte Hebelwirkung? Welche kann der Unternehmer delegieren? Und welche sind vielleicht gar nicht so dringend?

Ein weiterer Vorteil: Seine Sorgen aufzuschreiben, hilft laut Hyatt, den Kopf freizumachen. Oft merke man dann, dass die Aufgaben, die einen besonders stressen, gar nicht so aufwändig sind wie ursprünglich befürchtet.

Schritt 2: Produktivitätskiller identifizieren

Aufgaben, die einem nicht liegen und die keinen Spaß machen, schiebt man gerne vor sich her – das geht auch Michael Hyatt so. Solches Verhalten macht alles aber nur noch schlimmer: Wenn Hyatt prokrastiniere, fühle er sich schnell schuldig und deshalb noch überforderter, erzählt er. Dadurch ersticke er jegliche Produktivität.

Umso wichtiger sei es, solch ungeliebte Aufgaben zu erkennen. Für Hyatt sind das To-dos wie Dienstreisen zu buchen oder sein E-Mail-Postfach zu leeren. Die vielen Optionen bei Reisen und die Masse an E-Mails überforderten ihn. Trotzdem hatte er lange das Gefühl, beides selbst erledigen zu müssen.

Um die größten persönlichen Produktivitätskiller zu identifizieren, hilft laut Hyatt wieder das Braindumping: „Sich mit einem vertrauten Kollegen zusammenzusetzen, der einem sagt ‚Warum machst du überhaupt diese Aufgaben?‘ kann augenöffnend sein und helfen, Dinge in die richtige Perspektive zu rücken“, sagt Hyatt.

Sind die Aufgaben einmal identifiziert, sollten Chefs überlegen, welche sie delegieren und welche sie streichen können. Hyatt: „Wenn man diese Aufgaben loswird, fühlt es sich plötzlich an, als könne man wieder frei atmen.“

Schritt 3: Generell mehr Aufgaben delegieren

„Manchmal wollen wir sparsam sein, indem wir viel selber machen – doch am Ende kostet genau das Nicht-Delegieren Geld“, sagt Hyatt. Das sei beispielsweise der Fall, wenn ein Unternehmer jede noch so kleine Aufgabe selbst erledigt – weil er auf einen Assistenten verzichtet, um Geld zu sparen. (Mehr dazu hier: Assistenten einstellen: 9 Anzeichen dafür, dass Sie sich einen Assistenten suchen sollten.)

Die Folge: Die Zeit für wirklich wichtige Aufgaben fehlt. „Wenn Sie jemanden für bestimmte Aufgaben  anstellen können, dem Sie 20 Dollar die Stunde dafür zahlen, für sich selbst aber 100 Dollar die Stunde abrechnen würden, ist es nicht sinnvoll, diese Aufgaben selbst zu erledigen“, sagt Hyatt.

Aufgaben abzugeben, kann unheimlich schwerfallen – es lohnt sich aber, denn so verschaffen Chefs sich Zeit für Wichtigeres. Und: Selbst wenn es zu teuer wird, To-dos komplett abzugeben – zumindest ein Teil lässt sich meistens delegieren. Wer sich beispielsweise keine volle Assistentenstelle leisten kann, könnte es Hyatt zufolge auch mit einem virtuellen Assistenten probieren.

Schritt 4: Wichtige Aufgaben terminieren

Wenn der ganze Tag mit Meetings verplant ist, bleibt nur frühmorgens Zeit für andere Aufgaben, nachmittags, wenn Mitarbeiter in den Feierabend verschwinden, oder am Wochenende – und entsprechend steigt das Stresslevel.

Um zu verhindern, dass der Alltag jegliche Zeit für wichtige Aufgaben frisst, empfiehlt Hyatt, sich Termine für Stillarbeit im Kalender zu blockieren. Ein Unternehmer, der sich endlich ein Konzept für eine neue Homepage überlegen will, kann sich beispielsweise vormittags zwei Stunden für eine erste Recherche im Kalender eintragen – mit diesem Termin sollte er so umgehen, als handle es sich dabei um ein Meeting mit anderen. So verhindert der Chef, dass Mitarbeiter ihn zu dieser Zeit mit einer Besprechung verplanen.

Der Newsletter für Unternehmer

Sie wollen mit Ihrem Business durchstarten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter mit genialen Tipps, Denkanstößen und erprobten Strategien, die Unternehmer und Selbstständige nach vorn bringen.

Unsere Themen:
Mitarbeiterführung ✩ Produktivität ✩ Recht + Steuern
Kundengewinnung ✩ Selbstmanagement ✩ Motivation

Jeden Morgen in Ihrem Postfach - jetzt kostenlos anmelden! Unternehmer-Newsletter
1 Kommentar
  • Ingo Ullrich 9. Oktober 2019 07:13

    Interessant zu lesen,
    jetzt komme ich auch dahinter, warum man als Kunde wieder den Eindruck gewinnt lästig zu sein, wenn man nicht fraglos bestellt, nichts zu Lieferterminen sagt, und dann noch in Vorkasse geht…
    alle sind nur damit beschäfftigt (egal in welcher Position) das eigene Wohl und Wehe zu verwalten
    einen schönen Tag…

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Die Redaktion schaltet Kommentare montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr frei. Die Angabe von Name und E-Mail-Adresse ist freiwillig. IP-Adressen werden nicht gespeichert. Mit der Abgabe eines Kommentars stimmen Sie unseren Datenschutzbestimmungen zu.)