Management „Sich rigoros Trennen“

Wie viele Aufsichtsratsmandate verträgt ein Mensch? Hans-Günter Trockels über harte Lösungen gegen das Ämterhorten.

impulse: Herr Trockels, brauchen wir eine Beschränkung der Mandatszahlen per Gesetz, wie sie regelmäßig gefordert wird?

Trockels: Ich denke, das können mittelständische Firmen sehr gut selbst regeln.

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Wie denn?

Zum Beispiel, indem sie sich rigoros von Personen trennen, die ihre Pflichten nicht erfüllen oder nicht genügend persönlichen Einsatz zeigen.

Was ist so schlimm, wenn sich Unternehmer und Manager in vielen Firmen engagieren?

Ab einer gewissen Zahl von Mandaten verliert man einfach den Überblick. Wo die Grenze liegt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich bin der Meinung: Erfahrene Führungspersönlichkeiten, die keine eigene Unternehmensverantwortung mehr tragen, können sieben oder acht Positionen bewältigen.

Und wer noch aktiv ist?

Bei vier Mandaten sollte Schluss sein. Für Vorstände von Großbanken, die gleich eine Reihe von Posten besetzen, habe ich kein Verständnis. Diesen Arbeitsaufwand kann unmöglich eine Person allein bewältigen.

Wie lässt sich die Häufung erklären: Gibt es zu wenig Koryphäen in Deutschland?

Natürlich möchte jeder einen ausgewiesenen Fachmann für seinen Aufsichtsrat gewinnen. Und prominent sollte er auch noch sein, das ist gut fürs Image. Aber einen Mangel haben wir nicht; in Deutschland leben genügend Experten. Es muss ja nicht immer der Vorstand eines Konzerns sein.

Sondern?

Oft genügt es, wenn Unternehmer bei der Auswahl der Kandidaten einen Blick in die zweite Reihe der Marktführer werfen. Hier arbeiten sehr viele Führungspersonen mit großer Erfahrung und erstklassigem Praxiswissen.


Sie sind geschäftsführender Gesellschafter der Kuchenmeister GmbH, Vizepräsident der IHK Arnsberg und in mehreren mittelständischen Unternehmen als Beirat aktiv …

… derzeit in drei Firmen.


Hand aufs Herz: Finden Sie genug Zeit für Ihre Aufgaben?

Aber ja, es bleibt sogar noch genügend Freiraum für meine Familie und die Hobbys.


Wie geht das?

Sehen Sie, im Vergleich zu Aufsichtsräten mit Kontrollfunktion nehmen diese Beiratsmandate weniger Zeit in Anspruch: Da werden drei oder vier Sitzungen pro Jahr einberufen. Hier und da ein Telefonat oder ein persönliches Gespräch. Und viele Informationen, die mir als Beirat und den Firmen nützlich sein könnten, ergeben sich so nebenbei: im Alltagsgeschehen in der eigenen Firma, in Meetings mit Geschäftspartnern, beim Zeitunglesen.


Sie haben als Handelskammer-Vize eine Initiative gestartet, damit sich mehr Familienunternehmen einen Beirat zulegen. Warum hat Ihre eigene Firma keinen?

Wir sind zu viert in der Geschäftsleitung. Alle mit einem anderen Fachgebiet, da gibt es genug Beratung und Erfah­rungsaustausch. Spätestens beim nächsten Generationswechsel werden wir wohl ein solches Gremium einführen.

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