Management Sicher im Internet

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Für die meisten Firmen gehört das Internet heute zum alltäglichen Geschäft. Ob sie online Waren verkaufen oder auf einer Homepage die Kundschaft über das Unternehmen und die Produkte informieren. Doch viele Firmenchefs kennen auch die Schattenseite der Online-Welt: sie berichten von Angriffen und Ideenklau. impulse verrät, wie Sie sich gegen Rufmord-Kampagnen und Fehlinformationen in öffentlich zugänglichen Datenbanken wehren können.

Wie können Unternehmer überhaupt herausfinden, was im Internet über sie und die Firma veröffentlicht wurde? Worauf müssen sich Unternehmer in der Online-Welt gefasst machen – und wie reagieren Sie im Notfall richtig.

Das folgende Sicherheitspaket zeigt, wo und wie Sie Informationen über sich und Ihr Unternehmen im Internet finden. Dazu gibt es die wichtigsten Regeln zu Blogs, Verbraucherportalen und Foren, Suchmaschinen, Wissensdatenbanken und Videoportalen.

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Informationen

Ihr guter Ruf: So finden Sie alle Informationen über sich und Ihr Unternehmen im Netz

Experten empfehlen, regelmäßig Einträge über sich im Web zu überprüfen. Das geht am Schnellsten über die bekannten Suchmaschinen (allgemein: Google, Yahoo, Microsoft Live Search; Blogs: www.technorati.com, blogsearch.google.de; Foren: groups.google.de; Personen: www.yasni.de, www.wink.com oder www.spock.com).

Was man gegen falsche Angaben oder Verleumdungen im Web unternehmen kann und wer dabei hilft:

Reputationsmanagement: www.myonid.de: Über den kostenlosen Webservice können Unternehmen für positive PR sorgen. Dazu laden sie ihre Kontakte auf die Plattform ein, um ihren Online-Ruf zu bewerten. Zahlreiche kommentierte Links und Empfehlungen sorgen dafür, dass diese Inhalte in Suchmaschinen weiter oben gelistet und somit besser gefunden werden.

Domainreporting-Service: www.domainreporting.de: Der kostenpflichtige Service von Nambos (Preis auf Anfrage) zeigt, welche Websites eine Marke oder einen Firmennamen unerlaubt nutzen, um von seinem Image zu profitieren oder die Marke zu schädigen. Die Software berücksichtigt auch Buchstabendreher.

Beschwerdecenter für Internetopfer: www.internetvictims.de: Bietet „Opfern des Internets“ nützliche Tipps und eine Plattform, sich in Foren zu äußern, zu ihrem Fall Stellung zu nehmen und Kontakt zu anderen Betroffenen aufzunehmen. Durch eine Gegendarstellung auf der Seite können Betroffene die Angelegenheit relativieren und neutralisieren.

Blog- und Forenüberwachung: www.netemic.com/ifeed.

Verteidiger des guten Rufs: www.reputationdefender.com: Für knapp zehn US-Dollar im Monat liefert die Firma Berichte über das Netzimage. Sie durchsucht Blogs und Foren auf Einträge, korrigiert sie oder entfernt sie (ab rund 30 Dollar) unter Beachtung der „Meinungs- und Pressefreiheit“ oder sorgt dafür, dass sie bei Treffern der Suchmaschinen ganz hinten landen. Das Entfernen der Einträge ist nicht immer möglich, denn Suchmaschinen speichern Kopien von Webseiten in einem Langzeitspeicher (Cache) und die „Waybackmachine“ (www.archive.org) zeigt alte Websites auf.

Blogs: Tagebücher im Netz

Wie funktionieren Blogs?
Blog ist die Abkürzung für „Weblog“ (Wortkreuzung aus Web und Logbuch), ein Onlinetagebuch, das sich per Softwareinstallation starten lässt. Autoren können darin – auch ohne größere technische Kenntnisse – Informationen veröffentlichen, die von den Lesern kommentiert werden. Die Kommentare sind chronologisch aufgelistet, die jüngsten zu oberst. Blogs gibt es zu allen Themen und jedem Lebensbereich. Weltweit geht die Blog-Suchmaschine Technorati von mehr als 112 Millionen Blogs aus, in Deutschland soll es rund 130.000 aktive Blogs geben. In Unternehmen führen Mitarbeiter „Corporate Blogs“, mit denen sie sowohl die interne als auch externe Kommunikation verbessern.

Was kann passieren?
Eine Studie der Technologie-PR-Agentur Hotwire und dem Marktforschungsinstitut Ipsos belegt, dass Blogs die Kaufentscheidungen von Kunden stark beeinflussen: Ein Viertel der Befragten 2.214 Personen in Europa sehen Blogs als vertrauenswürdige Informationsquelle an, 30 Prozent haben wegen der privaten Internet-Kommentare bereits auf einen Kauf verzichtet. Negative Eintragungen – ob zu Recht oder Unrecht – schaden dem Unternehmen, zumal sich Blog-Einträge durch Verlinkungen schnell verbreiten.

Wie kann man sich wehren?
Blog-Einträge zum eigenen Unternehmen und seinen Produkten findet man am Schnellsten über die beiden größten Blog-Suchmaschinen www.technorati.com und blogsearch.google.de. Die Grenze zwischen Meinungsfreiheit der Blogger und Rufschädigung ist leicht überschritten. Persönliche Meinungsäußerungen sind erlaubt, Tatsachenbehauptungen müssen im Streitfall vom Blogger bewiesen werden. Bei wettbewerbsbeeinträchtigenden Behauptungen kann das Unternehmen den Blogger abmahnen. Als erstes raten die Experten von Internetvictims, den Blogbetreiber telefonisch (Kontaktdaten/Impressum/Denic-Abfrage; E-Mails könnten im Spam-Filter landen) aufzufordern, den Eintrag innerhalb von 24 Stunden zu löschen. Geschieht dies nicht, bleibt der Gang zum Anwalt mit Abmahnung und in der Regel langem Gerichtsprozess ohne Garantie auf Erfolg. Vorsorge ist allemal besser, das heißt, selbst einen florierenden Corporate Blog von Mitarbeitern führen zu lassen, in dem sich das Unternehmen mit seinen Produkten darstellen und direkt mit Verbrauchern kommunizieren kann.

Digitale Pranger

Wie funktionieren Verbraucherportale und Foren?
In Foren und Bewertungsportalen tauschen sich Internetnutzer über Erfahrungen oder Produkte aus, stellen Fragen und erhalten von anderen Nutzern Antworten. Sowohl bei den Verbraucherportalen als auch bei Foren müssen sich die Autoren zuvor registrieren. Gelesen werden können die Bewertungen ohne Registrierung.

Was kann passieren?
Wie bei Blogs gilt auch für Foren und Verbraucherportale, dass private Internet-Kommentare als vertrauenswürdige Informationsquelle gelten. Rund ein Drittel der von Hotwire und dem Marktforschungsinstitut Ipsos befragten deutschen Internetnutzer gaben an, ein Produkt nicht gekauft oder eine Dienstleistung nicht in Anspruch genommen zu haben, nachdem sie im Internet negative Kritiken privater Online-Nutzer gelesen haben. Dass diese Kritik nicht immer fundiert ist, zeigte Anfang 2007 bereits die Stiftung Warentest, die herausbrachte, dass gerade bei Hotelbewertungsportalen viele ungeprüft die Bewertungen von anderen Portalen übernehmen und die Anfälligkeit für Manipulation groß ist.

Wie kann man sich wehren?
Betreiber von Internetforen haften für Beleidigungen, die auf ihren Seiten erscheinen. Wenn ein Unternehmer solche Einträge über sein Unternehmen sieht, setzt er sich mit dem Betreiber – auch am besten telefonisch – in Verbindung. Der Forumsbetreiber ist er verpflichtet, ehrverletzende und wettbewerbschädigende Äußerungen von seiner Website zu löschen. Foren arbeiten mit Wortfiltern, die automatisch indizierte Begriffe erkennen, diese Beiträge erst gar nicht zulassen und den Verfasser davon via Mail darüber informieren. Bewertungsportale setzen außerdem auf die „Selbstreinigungsfunktion der Community“, wobei offensichtlich nicht neutrale Testberichte von der Community schlecht bewertet werden. Die Content-Manager führen Qualitätskontrollen der Testberichte durch.

Zu den größten Verbraucherforen zählen:

Ciao!de: www.ciao.de: über zehn Millionen registrierte Verbraucher, Preisvergleiche und Tests zu über zwei Millionen Produkte im Test; monatlich 38 Millionen Besucher

Dooyoo: www.dooyoo.de: 670.000 Produkte, eine Million Testberichte, 450.000 Mitglieder, monatlich 5,7 Millionen Besucher

Holidaycheck: www.holidaycheck.de: Größtes deutschsprachige Hotelbewertungsportal mit rund 630.000 Hotelbewertungen, 428.000 Urlaubbilder, 4.900 Reisevideos, über 22.000 Reisetipps und 1.200 Schiffsbewertungen und 662.000 Foreneinträge

Whofinance: www.whofinance.de: Im September 2007 gestartete Internet-Plattform zur Suche und Bewertung von Finanzberatern

Wer sucht, der findet

Wie funktionieren Suchmaschinen?
Längst ist der Name der größten Suchmaschine Google (Googol ist der mathematische Fachbegriff für eine Eins gefolgt von 100 Nullen) zum Synonym für die Suche im Internet geworden: Insgesamt durchsucht Google nach Eingabe des Suchbegriffs in einem Fenster auf der Startseite acht Milliarden Websites, die Ergebnisse stehen blitzschnell zur Verfügung. An der Suchtechnologie wird stets gefeilt: Relevant sind etwa bei Google weniger die Worthäufigkeit und Position der Suchbegriffe, sondern welche Seiten am häufigsten per Link verwiesen wurde (PageRank-Technologie) und ob die gesuchten Wörter im Linktext auftauchen.

Was kann passieren?
Von den Trefferseiten aus können Suchende auf Internetseiten geleitet werden die falsche, beleidigende oder geschäftsschädigende Behauptungen über ein Unternehmen oder eine Person enthalten.

Wie kann man sich wehren?
Suchmaschinen haften nicht für die Suchergebnisse, da sie die Informationen nur finden und darauf verlinken. Wer über eine Suchmaschine falsche oder wettbewerbsschädigende Informationen findet, muss sich direkt an den Betreiber der betreffenden Website wenden und ihn auffordern (am besten immer telefonisch), diese Angaben zu löschen. Tut er es nicht, folgt der Gang zum Anwalt mit Abmahnung. Wegen der Glaubwürdigkeit für eine eventuelle spätere Gerichtsverhandlung sollte der Anwalt die Beweise (Screenshot) sichern. Bei Personensuchmaschinen wie Yasni.de können Unternehmen falsche Informationen verhindern, indem sie ein eigenes Web-Profil anlegen.

Zu den größten Spezialsuchmaschinen zählen:

www.yasni.de: Personensuchmaschine

www.suchlexikon.de: Verzeichnis deutscher Suchmaschinen, Kataloge und Verzeichnisse

www.paperball.de: Newssuche

www.metaspinner.de: Meta-Suchmaschine sucht bei 400 Millionen indexierten Webseiten

Onlinelexikon für und von jedermann

Wie funktioniert Wikipedia?
Auf Wikipedia bauen freie Autoren eine öffentlich zugängliche Enzyklopädie auf. Mit derzeit rund 670.000 Artikeln ist die 2001 gegründete deutschsprachige Version nach der englischen die zweitgrößte. Der Name Wikipedia setzt sich zusammen aus wikiwiki, dem hawaiischen Wort für „schnell“, und „encyclopedia“ englisch für „Enzyklopädie“. Ohne technische Vorkenntnisse kann jeder – auch ohne Anmeldung – via Internet-Browser Artikel einstellen oder ändern. Die Benutzer kontrollieren und korrigieren sich gegenseitig. Die jeweiligen Autoren werden unter „Versionen/Autor“ aufgelistet.

Was kann passieren?
Die Plattform ist frei zugänglich, Unternehmen können fehlerhaft Einträge selbst ändern. Wer jedoch dazu neigt sie zu schönen oder die Einträge über Mitbewerber zu manipulieren, wird von den anderen Benutzern schnell entlarvt. Bei Verdacht auf Urheberrechts- und andere Rechtsverletzungen prüfen aktive Nutzer neue Artikel darauf, ob sie von anderen Quellen kopiert wurden. Wenn sich der Verdacht bestätigt, werden diese von den Administratoren nach einer Einspruchsfrist gelöscht. Hundertprozentige Sicherheit bietet dieses Verfahren jedoch nicht. Ein bisher weitgehend unbekanntes Risiko für Unternehmen birgt der neue WikiScanner: Mit diesem frei verfügbaren Internet-Werkzeug lässt sich zurückverfolgen, wann und wie Einträge nicht angemeldeter Benutzer in Wikipedia geändert und von welchem Server aus diese Änderungen vorgenommen wurden. Wenn Mitarbeiter am Arbeitsplatz in Wikipedia aktiv sind, gilt das Unternehmen als Autor des Beitrags. Was Mitarbeiter in Wikipedia – auch privat – veröffentlichen, kann den guten Ruf eines Unternehmens beschädigen und schlimmstenfalls sogar rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, etwa bei Manipulationen an Einträgen über Wettbewerber.

Wie kann man sich wehren?
Eine wachsame Community, Transparenz und die Pflicht, öffentliche Quellen zu nennen sollen vor Missbrauch schützen. Wer einen veraltetet oder fehlerhaften Artikel über seine Firma findet, kann ihn direkt selbst unter „Seite bearbeiten“ korrigieren oder einen Hinweis darauf mit seinem Änderungsvorschlag auf der jeweiligen Diskussionsseite des Artikels hinterlassen oder sich an das aus Freiwilligen bestehende E-Mail-Supportteam (info-de@wikimedia.org) wenden. Was die privaten Einträge am Arbeitsplatz betrifft, raten Experten, im Unternehmen klare Regeln für den Umgang mit Wikipedia festzulegen.

Kunden führen Regie

Wie funktionieren Videoportale?
Videoportale sind typische Web 2.0-Anwendungen, bei denen die Benutzer nicht nur Konsumenten sind, sondern auch selbst Inhalte beisteuern. Dazu melden sie sich bei einem der Videoportale an und laden einen selbst gemachten Videoclip hoch. Die Videos werden im Flash-Video-Format gespeichert und online als Stream im Webbrowser abgespielt. Registrierte Nutzer können Videos empfehlen, Favoriten speichern, Playlists erstellen und Videos kommentieren. Zum Anschauen ist keine Registrierung erforderlich.

Was kann passieren?
Allein bei YouTube werden täglich weltweit 100 Millionen Filme abgerufen, in Deutschland zählt der Marktführer mehr als drei Millionen Nutzer. Mehr als die Hälfte der befragten 850 deutschen Internetnutzer zwischen 14 und 49 Jahren besuchen Videoportale mindestens gelegentlich, so eine Studie von Accenture und SevenOne Media. Zum Problem werden Videoblogs, wenn sie zur gezielten Verbreitung von falschen Informationen benutzt werden, wenn Personen darauf erscheinen, die mit der Veröffentlichung nicht einverstanden sind oder wenn Filme von Dritten ohne deren Erlaubnis veröffentlicht werden.

Wie kann man sich wehren?
Es gilt das Recht am eignen Bild, ohne Zustimmung darf kein Foto oder Film einer Person veröffentlicht werden. Ein Verstoß gegen das Urheberrecht ist das Einstellen von Filmen anderer ohne deren Erlaubnis. Aber auch die selbst gemachten, eingestellten Filme dürfen nicht von Dritten ohne Zustimmung genutzt und weiter veröffentlicht werden. Portalbetreiber weisen in ihren AGBs darauf hin, dass jugendgefährdende oder rassistische Botschaften verboten sind und das Urheberrecht der eingestellten Filme beachtet werden muss, die Nutzer sind selbst für ihre eingestellten Inhalte verantwortlich. Strittige Videos sollten dem Portalbetreiber gemeldet werden, der sie prüft und von seiner Seite nimmt. Ein Filter verhindert, dass einmal gelöschte Filme wieder hochgeladen werden. Führende Portalbetreiber nutzen Filtertechnologien, die das Veröffentlichen von missbräuchlichen Inhalten oder Raubkopien von Filmen, Sportaufzeichnungen, Werbespots und Musikvideoclips verhinden. Werden die strittigen Videos nicht entfernt, folgt der Gang zum Anwalt, der aus Glaubwürdigkeitsgründen auch die Beweissicherung (Screenshot, Speicherung des Films) übernehmen sollte.

Zu den beliebtesten Videoportale zählen:
YouTube: www.youtube.de: gehört seit 2006 zu Google; über drei Millionen Nutzer in Deutschland
MyVideo: www.myvideo.de: Pro Sieben Sat 1 ist mit 30 Prozent Anteilseigner; 3,3 Millionen registrierte Nutzer
Clipfish: www.clipfish.de: von RTL gegründetes Portal, 500.000 registrierte Nutzer
Dailymotion: www.dailymotion.com/de: weltweit über sechs Millionen registrierte Nutzer
Sevenload: www.sevenload.de: mehr als 220.000 registrierte Nutzer

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