Management Silicon City

Am 13. und 14. Oktober fand zum vierten Mal der Entrepreneurship Summit in Berlin statt. Podiumsdiskussionen, Workshops und Vorträge ermöglichten den 1500 Besuchern einen Einblick in die deutsche Gründerszene. Das Fazit der Messe - erfolgreich Gründen war nie so einfach wie heute. impulse.de blickt noch einmal auf die Höhepunkte des Wochenendes.

Berlin gilt seit einigen Jahren als Zentrum der deutschen Gründerszene und wurde von vielen Medien bereits als das neue Silicon Valley auserkoren. Ob die Stadt die Stadt dem Ruf als Silicon City gerecht zu werden vermag, wird die Zukunft zeigen. Das Kreativ- und Gründerpotential, das sich in ihr ballt, ist jedoch augenscheinlich. Vor diesem Hintergrund scheint es nicht zu verwundern, dass immer mehr Gründermessen in diesem Umfeld stattfinden, so auch der Entrepreneurship Summit der Stiftung Entrepreneurship.

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Bekannte Namen, neue Ansatzpunkte

An zwei sonnigen Herbsttagen lud die Stiftung mit ihrem Vorsitzenden Günther Faltin Wissenschaftler, Wirtschaftsexperten, Startups, Gründungswillige und Neugierige in den Henry-Ford-Bau der FU Berlin ein. Unter ihnen bekannte Namen wie zum Beispiel der Neurologe Gerald Hüther, der Direktor der Zeppelin Universität Stephan Jansen, der Verleger Florian Langenscheidt, der Unternehmer Hans Wall oder der Philosoph Frithjof Bergmann. Durch Workshops, Impulsvorträge und Podiumsdiskussionen sollten die Anwesenden animiert werden, ihre eigene Idee zu verwirklichen und selbst zum Entrepreneur zu werden.

Ein Blick in den Programmplan zeigt, dass man durchaus gewillt war auch neue Ansatzpunkte zu finden und Entrepreneurship in verschiedensten Lebensbereichen zu verorten. Neben den bereits bekannten klassisch-wirtschaftlich motivierten Unternehmensgründungen war man besonders auf der Suche nach politischen, sozialen und künstlerischem Entrepreneuren. Diese zeichnet der Wille aus, abseits von Profitstreben mit innovativen Ideen gesellschaftliche Prozesse voranzutreiben.

Von No-Budget-Marketing bis zum „erfolgreichen Scheitern“

Wie groß das Interesse der Besucher war, zeigte die prallgefüllte, lichtdurchflutete Aufenthaltshalle des Henry-Ford-Baus während der Pausen. Zwischen einer Pyramide aus Holzkisten der Teekampagne von Günther Faltin waren nicht nur Informationsstände sondern auch Pinnwände zum kreativen Austausch und zur Kontaktaufnahme aufgebaut, die bereits am ersten Tag mit bunten Post-it-Zetteln beklebt und beschrieben waren. In den Seminarräumen und Hörsälen konnten die Besucher mehr über Themen wie No-Budgetmarkting, Integration durch Entrepreneurship, Führungskunst oder auch erfolgreich Scheitern erfahren.

Aktuelle Themen wie Crowdfunding spielten ebenso eine Rolle, wie die Frage nach Sinn und Notwendigkeit eines Businessplans. Die meiste Aufmerksamkeit erregten jedoch die Workshops und Podiumsdiskussionen, in denen erfolgreiche Gründer und Unternehmer von Erfahrungen aus der Praxis erzählten. Unter ihnen die Gründer von MyMuesli, des Stadtmöblierers Wall AG oder des Sozialunternehmens Dialog im Dunkeln.

Zwischen Guerilla Gardening und Lactoseintoleranz

Besonderen Anklang fand der Vortrag des Neurologen Gerald Hüther zur bestmögliche Nutzung geistig Potentiale als Ausgangspunkt einer erfolgreichen Unternehmensgründung. Im Innenhof des Hörsaalgebäudes konnten Interessierte mehr über das Bauen von Saatbomben erfahren. Kleine Kugeln aus Samen, Ton und Erde die man im Frühling auf unschönen Grünflächen verteilen kann, um sich wenige Wochen später an bunten Blumen zu erfreuen. Im Foyer wurden der „Schülerpreis für Unternehmergeist“ verliehen und Galeriegespräche zwischen Experten und Besuchern initiiert. Die Gewinner des neugegründeten Gründergaragewettbewerbs. wurden ebenso geehrt wie der Gewinner des „Kopf schlägt Kapital Preises“, der es mit seinem Startup, der „Laktase – Kampagne“, Menschen mit Lactoseintoleranz ermöglicht kostengünstig Medikamente zu kaufen.

Social und Political Entrepreneurship

Gleich in mehreren Vorträgen und Workshops wurde in diesem Jahr das Thema des sozialen, nachhaltigen und politischen Unternehmertums in den Vordergrund gerückt. Der demographische Wandel in strukturschwachen und ländlichen Regionen stellt zweifelsohne eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte dar. Dass dieser Prozess nicht das Ende von Innovationen bedeuten muss, bewies der Bürgermeister der Gemeinde Schladen Andreas Memmert in einem beeindruckenden Vortrag. Er zeigte welche Möglichkeiten es für kommunale- und bürgerbeteiligte Gründungen gibt und wie Gemeinden so den Anforderungen an die Zukunft gerecht werden können. Zum Beispiel durch das aktive und gezielte Einwerben von Fördergeldern, die Umwandlung von Schwimmbädern in kommunalverwalteten Firmen oder die Initiierung eines Bürgerbus zur Versorgung der älteren Bevölkerung.

Das rege Interesse beweist, dass der Summit durch die Verknüpfung von sozialen, künstlerischen und innovativen Ideen mit klassischen Gründungsthemen eine Bereicherung und feste Institution in der deutschen Gründungslandschaft geworden ist.

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