Management Spionageaffäre: Unternehmen wollen mehr in Datensicherheit investieren

Stationäre Computer: Die PC-Branche befindet sich in einem massiven Umbruch

Stationäre Computer: Die PC-Branche befindet sich in einem massiven Umbruch© strixcode/fotolia.com

Der NSA-Datenskandal schreckt deutsche Unternehmen auf. Die Firmen sehen sich zur Abwehr staatlicher wie privater Industriespione gezwungen. Doch der Kampf ist schwer zu gewinnen.

Mit jeder weiteren Enthüllung Edward Snowdens zu den Aktivitäten des US-Geheimdienstes NSA schrillen die Alarmglocken in der deutschen Wirtschaft lauter. Nahezu jedes Unternehmen muss angesichts der Datensammelwut auch der westlichen Geheimdienste noch mehr als bislang schon um seine Betriebsgeheimnisse fürchten, seien es Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung, Kundendaten oder Marketingpläne. Zwar bestreiten die Amerikaner die Weitergabe von Informationen zu Zwecken der Wirtschaftsspionage, doch glauben mag ihnen kaum jemand.

„Es geht nicht nur um das Handy von Frau Merkel“, sagt zum Beispiel der Wirtschaftskriminologe Kai Bussmann von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Das Interesse der NSA und auch der Briten an Wirtschaftsspionage liege auf der Hand. Die US-Unternehmen seien im Zeichen der Terrorbekämpfung zur Weitergabe sensibler Daten gesetzlich verpflichtet, Internet-Knoten würden systematisch angezapft, Verschlüsselungstechnologien müssten den Diensten offengelegt werden. Ob deutsche Firmen bereits Opfer von Ausspähungen geworden sind, sei allerdings sehr schwer nachzuweisen.

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Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz geht davon aus, dass bereits jedes zweite Unternehmen schon einmal Ziel von Konkurrenzausspähung oder Wirtschaftsspionage war. Oft würden die Angriffe auf die Firmen-Interna gar nicht bemerkt, warnte Verfassungsschutzchef Burkhard Freier kürzlich in einem Interview. Mit herkömmlichen Techniken seien die gezielten Angriffe von Nachrichtendiensten kaum zu bemerken oder abzuwehren.

Möglichkeit der Spionage belastet Kommunikation

„Schon die Möglichkeit des Diebstahls belastet die Kommunikation“, schildert Dieter Kapell vom Bundesverband mittelständischer Wirtschaft die unmittelbaren Folgen. Für vernetzte Unternehmen bedeute das erzwungene Einschränkungen vermeintlich sicherer Kommunikation. Das führe zu langsameren Innovationen und gefährde die internationale Wettbewerbsfähigkeit. „Gerade junge, hochinnovative mittelständische Unternehmen laufen oft Gefahr, ihr Wissen unzureichend zu schützen.“

Viele Unternehmen sinnen bereits auf Schadensbegrenzung und Abwehr: Laut einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens PwC verschlüsseln bereits 37 Prozent der befragten Großunternehmen ihren E-Mail-Verkehr und 20 Prozent ihre Kommunikation via Mobilfunk. Hier seien hohe Zuwachsraten zu erwarten, sagt PwC-Experte Steffen Salvenmoser und verweist auf weitere Schritte. „Wir müssen sicher nicht zu den berittenen Boten zurück, aber jedes Unternehmen muss sich seiner spezifischen Risiken bewusst werden.“ Video- und Telefonkonferenzen könnten bei heiklen Themen schnell der Vergangenheit angehören.

Zentrale Frage: Wo werden Daten gespeichert und von wem

Zentral wird künftig die Frage sein, wo welche Daten von wem verwaltet und gesichert werden. Die ersten Verlierer scheinen dabei schon festzustehen: Mit Geschäftsmodellen zur Datenverwaltung auf externen Servern, dem Cloud-Computing, muss derzeit wohl niemand bei kontinentaleuropäischen Unternehmen vorsprechen. Die heimische IT-Branche sieht ihre Felle davonschwimmen und fordert Schützenhilfe. Der Branchenverband Bitkom verlangt von der Politik neue Datenschutzabkommen und künstliche Grenzen im eigentlich grenzenlosen Internet. Sensible Daten, so die Vorstellung, müssten künftig im Schengenraum gehalten werden können und die Server der US-Riesen wie Google oder Microsoft meiden.

15 Prozent der Firmen erwägen laut PwC aktuell eine Umstellung auf europäische IT- und Telekommunikations-Dienstleister. Ob diese tatsächlich Datenverkehr abseits der NSA-kontrollierten Server anbieten können, scheint zumindest fraglich. Ein interessantes Geschäftsmodell wäre es in jedem Fall, glaubt Salvenmoser. Und wenn dann die US-Anbieter wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen müssten, könnte sich eventuell auch bei NSA und Co. etwas ändern.

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