Management Streit um die schönsten Tage im Jahr

Beim Thema Urlaubsplanung kommt es in Unternehmen regelmäßig zu Streit, wenn mehrere Mitarbeiter gleichzeitig in die Sonne fliegen wollen, aus betrieblichen Gründen aber nur einer entbehrlich ist. Wie Vorgesetzte im Streitfall richtig entscheiden, und welche juristischen Vorgaben sie dabei beachten müssen.

Bei überlappenden Terminwünschen ist das häufigste Entscheidungskriterium die Abhängigkeit von den Schulferien. „Daneben nennen die einschlägigen Gesetzeskommentare unter anderem folgende Gesichtspunkte: das Alter des Arbeitnehmers, die Dauer der Betriebszugehörigkeit, Alter und Zahl der Kinder sowie Terminvorgaben des berufstätigen Ehepartners“, so der Hamburger Fachanwalt für Arbeitsrecht Peter Markl. Doch auch Schulkinder berechtigen einzelne Mitarbeiter nicht automatisch dazu, ihren Urlaub ausschließlich in die Schulferien zu legen. „Der Gesetzgeber fordert ein Abwägen zwischen den betrieblichen Belangen, den Wünschen des Arbeitnehmers und den Interessen der anderen Mitarbeiter“, erläutert der Experte. „Ein Single ohne Kinder darf also nicht grundsätzlich vom Urlaub in den Schulferien ausgeschlossen werden.“ Ist eine Einigung nicht möglich, kann der Unternehmer den Urlaub der Betreffenden anteilig reduzieren, sodass beispielsweise jeder statt der geplanten drei nur noch zwei Wochen erhält. Sind bestimmte Termine regelmäßig heiß umkämpft, kann die Geschäftsführung auch grundsätzlich festlegen, wer in welchem Turnus Vorrang hat, also beispielsweise Müller in diesem Jahr, Meier im nächsten, dann Schulz, dann wieder Müller und so weite“.

Abgesehen von den ersten sechs Monaten des Arbeitsverhältnisses besteht der volle Urlaubsanspruch bereits mit Beginn des neuen Kalenderjahres, also faktisch am 2. Januar. Der Unternehmer darf den Mitarbeitern ihre Urlaubszeiten nicht eigenmächtig zuteilen. „Es bedarf eines vorherigen Leistungsverlangens, das heißt der Arbeitnehmer muss zuerst seine Urlaubswünsche äußern. Sofern keine dringenden betrieblichen Belange oder Interessen der anderen Mitarbeiter dagegen sprechen, muss der gewünschte Urlaub bewilligt werden“, erklärt Rechtsanwalt Markl. Äußert der Mitarbeiter jedoch keine Wünsche, kann der Arbeitgeber den Urlaubszeitraum bestimmen. Es ist nicht erlaubt, die freien Tage so zu verteilen, dass ausschließlich etwa einzelne Brückentage arbeitsfrei sind. „Der Arbeitnehmer hat einen gesetzlichen Anspruch auf vier Wochen Erholungsurlaub pro Kalenderjahr. Davon müssen mindestens zwei Wochen zusammenhängend gewährt werden“, erklärt Peter Markl. Auch die Barauszahlung ist grundsätzlich nicht zulässig. Einzige Ausnahme: Der Mitarbeiter scheidet aus dem Unternehmen aus und kann den Urlaub deshalb nicht mehr antreten.

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Angestellte, die erst buchen und dann fragen, müssen die entstanden Kosten übrigens selbst tragen, wenn eine Freistellung nicht möglich ist. Fährt der Mitarbeiter aus Wut trotzdem los, muss das kein Unternehmen akzeptieren. „Selbstbeurlaubung kann ein Grund für eine fristlose Kündigung sein“, erklärt Anwalt Markl. „Auch bei einer Erkrankung in den Ferien darf der Arbeitnehmer den Urlaub nicht eigenmächtig verlängern.“

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