Management Stress führt zu immer mehr Krankmeldungen

Arbeitnehmer in Deutschland kommen mit dem Stress im Job offenbar immer weniger klar. Noch sind Rückenbeschwerden Krankheitsgrund Nummer eins, doch einer AOK-Studie zufolge nehmen seelische Störungen dramatisch zu - vor allem bei Frauen.

Deutschlands Arbeitnehmer fehlen immer häufiger wegen psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz. Die Anzahl solcher Krankheitsfälle ist im vergangenen Jahr auf einen Höchststand angestiegen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (Freitag) unter Berufung auf eine Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Die Forscher werteten dafür die Krankheitsdaten von 9,7 Millionen erwerbstätigen AOK-Mitgliedern aus.

Demnach sind psychisch bedingte Erkrankungen für die längsten Fehlzeiten verantwortlich. „Bei einer Atemwegserkrankung fehlt ein Beschäftigter im Schnitt 6,5 Tage, bei einer psychischen Erkrankung sind es fast 23 Tage“, sagte der Mitherausgeber der Studie und stellvertretender Geschäftsführer des Instituts, Helmut Schröder.

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Nach der AOK-Studie liegen die seelischen Störungen mittlerweile an vierter Stelle bei den Ursachen für eine Erkrankung Berufstätiger. Insgesamt waren sie im vergangenen Jahr der Grund für 8,6 Prozent der ausgefallenen Arbeitstage der AOK-Mitglieder. 2008 betrug der Wert noch 8,3 Prozent.

Krankheitsgrund Nummer eins bleiben mit großem Abstand Leiden an Muskulatur und Skelett. Sie sind für ein Viertel aller Erkrankungen verantwortlich. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Rückenbeschwerden.

Schon jetzt seien aber psychische Erkrankungen die häufigste Ursache für Frühverrentungen. 2007 begründete jeder Dritte seinen vorzeitigen Ausstieg aus dem Beruf mit hartnäckigen Depressionen oder anderen seelischen Störungen. Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamts sei durch die Volkskrankheit Depression im Jahr 2006 ein Schaden von 26,7 Milliarden Euro entstanden.

Die Ursachen für die deutliche Zunahme der psychischen Probleme vermuteten Gewerkschaften und Betriebsärzte im steigenden Stress einer stark veränderten und beschleunigten Arbeitswelt. Ein anderes Erklärungsmuster für den Anstieg der Fälle sei, dass die Arbeitnehmer stärker als früher bereit sind, mit Ärzten über seelische Probleme zu sprechen, hieß es in dem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“.

Aus Angst vor dem Job-Verlust krank zur Arbeit

Trotz der schweren Wirtschaftskrise des vergangenen Jahres stieg die Zahl der Fehlzeiten der Studie zufolge leicht an. Betrug sie 2008 4,6 Prozent, waren es vergangenes Jahr 4,9 Prozent. Im Durchschnitt dauerte eine Fehlzeit 17,3 Tage. Das widerspreche Erfahrungen aus der Vergangenheit, als wirtschaftliche Krisen häufig einen sinkenden Krankenstand mit sich brachten, weil die Beschäftigten sich aus Angst vor dem Job-Verlust oft auch krank zum Arbeitsplatz schleppten.

Die meisten Fehlzeiten unter den AOK-Mitgliedern hatten Straßenreiniger und Müllmänner. Sie waren mit 28,8 Tagen im Schnitt fast einen Monat krank. Zu den geringsten Fehlzeiten kam es unter Hochschullehrern, die nur 4,3 Tage fehlten. Nach der Statistik sind zudem Frauen häufiger, aber kürzer krank. Männer leiden vermehrt unter Muskel-Skelett-Erkrankungen und Verletzungen. Frauen eher unter Atemwegserkrankungen und Depressionen.

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