Management Tuuuuut … Der Techniker kommt frühestens morgen

Sprechen, surfen, Daten laden. Alles zum Nulltarif, verspricht so manche ­Werbung. Unternehmer, die das Kleingedruckte nicht richtig lesen, zahlen am Ende kräftig drauf. Oder warten lange auf den Störungsdienst.

Mit Rabatten und Schnuppern zum Nulltarif umgarnen die ­Telekomanbieter längst nicht mehr nur die Privatkunden. Als fürchtete die Branche, dass niemand einen Vertrag abschließt, bombardieren die Netz­betreiber die Geschäftskunden mit Discount-angeboten für ohnehin billige Doppel- und Dreifachflatrates mit Festnetz, Mobilfunk und Internet.

In Wirklichkeit ist es wie im Flieger oder ICE, wo geschäftsreisende Vollzahler neben touristischen Schnäppchenjägern sitzen. Gewerbetreibende müssen froh sein, wenn sie fürs Telefonieren und den Internetzugang in der Firma nicht höhere Gebühren berappen als für ihren Privatanschluss. Die gängigen Business-Sonderangebote, die bereits mit einschränkenden Klauseln gegen zu intensive Nutzung daherkommen, richten sich fast ausschließlich an Kleinunternehmer mit wenig Personal.

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Wächst der Betrieb, gibt’s keinen Mengen­rabatt. Im Gegenteil: Wer etwa eine klassische Nebenstellenanlage betreibt, an der 30 oder mehr Mitarbeiter gleichzeitig telefonieren können, bekommt bei keiner der großen Telefongesellschaften eine Billigflatrate. Beim sogenannten Primärmultiplex-Anschluss wird immer noch jedes Gespräch extra berechnet – und zwar saftig. Branchenübliche Minutenpreise für Geschäftskunden liegen deutlich oberhalb der Preise für sparsame Endverbraucher, obwohl für Letztere die Mehrwertsteuer inklusive ist. Beispiel: Wer einen Kunden auf dessen Handy anruft, zahlt pro Minute netto 15 Cent oder mehr; bei Mobilfunkdiscountern wie ­Simyo oder Fonic kosten Anrufe in alle Netze nur 9 Cent.

Allerdings kommt jetzt Bewegung in den Markt. Weil alle Netzbetreiber einschließlich der Deutschen Telekom das aus den 80er-Jahren ­stammende ISDN-Telefonnetz auf die billigere und flexiblere Internettechnik um­stellen, verbreiten sich sogenannte virtuelle Telefon­anlagen. Der graue Schaltkasten der Nebenstellenanlage wird durch Software im Rechenzentrum des Netzbetreibers ersetzt und die klassischen Endgeräte durch internetkompatible Telefone. Die werden wie ein Computer ans hausinterne Datennetz angestöpselt. Wer innerhalb des Hauses das Büro wechselt, nimmt das Telefon einfach mit, kein Techniker muss anrücken.

Tarife
Hier finden Sie die Tarife der Anbieter (PDF) in der Übersicht.

Virtuelle Anlagen wachsen nahezu beliebig mit, der Aufwand für die Einrichtung oder Umprogrammierung neuer Nebenstellen ist minimal. Der Chef kann von seinem PC aus jedem Mitarbeiter die nötigen Rechte einräumen oder den Apparat für bestimmte Vorwahlnummern sperren. Ein besonderer Clou: Mobiltelefone können nahtlos integriert werden. Kommt ein Anruf über das Festnetz herein, klingelt gleichzeitig das Handy. Ruft man seinen Kunden von unterwegs aus zurück, sieht der im Display die Festnetznummer.

Endlich Tarife nach Wahl

Mit der Technik ändern sich auch die Tarif­modelle. Weil der Netzbetreiber das Telefonsystem des Kunden managt, ist es kein Problem mehr, individuelle Bedürfnisse einzelner Mitarbeiter, Abteilungen, Standorte oder auch Heimarbeiter zu berücksichtigen. Die Schrittmacher bei diesen Systemen sind eher kleinere Telefongesellschaften wie Toplink, Sipgate oder die in Norddeutschland tätige Ewetel. Aber die Platzhirsche haben den Trend erkannt. Und springen auf. So forciert Vodafone ein Angebot namens Officenet, bei dem das Unternehmen für eine beliebige Anzahl von Handynutzern diverse Pauschaltarife buchen kann, etwa Flat­rates für firmeninterne Telefonate, alle deutschen Netze und sogar Auslandsgespräche. Wer auf dem Betriebsgelände mit dem Handy telefoniert, zahlt den günstigeren Festnetztarif.

Die Fülle an Geschäftskunden-Angeboten ist riesig, unsere Tabelle auf den nächsten Seiten zeigt nur einen Ausschnitt. Dennoch reicht oft eine einzige, scheinbar banale Frage, um einen Großteil der Anbieter auszuschließen: Bricht mein Geschäftsbetrieb zusammen, sobald ich offline bin und telefonisch nicht erreichbar? Bei den wenigsten Tarifen ist das ­fixe Beheben von Störungen im normalen Leistungsumfang enthalten. Die meisten Anbieter behalten sich für die Reparatur acht Stunden Zeit vor und schalten die Stoppuhr bei Büroschluss aus. Fällt also eine Stunde vor Feierabend die ISDN-Anlage oder der Internetzugang aus, enden diese acht Stunden am nächsten Werktag um 15 Uhr.

Kein absurdes Szenario. In ihren Standardverträgen garantieren die Telefonfirmen, dass im Jahresdurchschnitt 97 bis 98,5 Prozent der Zeit eine Verbindung zustande kommt. Umgekehrt heißt das: Ihre Leitungen dürfen bis zu 260 Stunden im Jahr tot sein.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 02/2011.

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