Krise bei impulse-Blogger Sven Franzen Plötzlich blieb das Geld aus

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Alles lief prima - aber plötzlich hatte der Pleitegeier das Start-up von Sven Franzen im Auge. Neun Monate brauchte er, um die Finanzkrise zu meistern.

Alles lief prima - aber plötzlich hatte der Pleitegeier das Start-up von Sven Franzen im Auge. Neun Monate brauchte er, um die Finanzkrise zu meistern.© lander59 / Fotolia.com

Wenn alles super läuft, vergisst man schnell die Risiken - so ging es auch impulse-Blogger Sven Franzen. Er schlitterte mit seinem Betrieb in eine Liquiditätskrise. Daraus hat er viel gelernt - über sich und sein Unternehmen.

Wer kennt das nicht: Man macht einen Plan und das Leben spielt anders. In der Schule lernt man Mathematik, Naturwissenschaften und Sprachen, aber keiner bringt einem bei, wie man Krisen in der unternehmerischen Laufbahn meistert, wie man persönlich mit den Tiefen dieser Situation umgeht und sich psychisch stabil hält, um das Unternehmen wieder in ruhigere Gewässer zu steuern.

So war auch ich völlig unvorbereitet, als die Realität plötzlich einen anderen Weg als den von mir geplanten einschlug. Denn zunächst lief ja alles prima. Ich hatte mit 16 Jahren eine Werbeagentur gegründet und das Geschäft lief recht erfolgreich, die Presse berichtete über uns, wir hatten genug Kunden, das Geld floss und es fühlte sich an, als ob nichts schief gehen könnte. Alles war perfekt wie in einem Hochglanz-Prospekt und es schien, als gäbe es keinen Haken bei dem Start-up.

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Mein unternehmerischer Albtraum

Doch dann kam der Tag, an dem ich aufgewacht bin. Stündlich, ja quasi minütlich prasselten Hiobsbotschaften auf mich ein und ich dachte nur noch: “Das kann doch nicht wahr sein, wann zwickt mich einer, damit ich auf diesem Alptraum erwache?”. Das führte soweit, dass ich weniger gegessen habe, mir war der Appetit einfach vergangen und ich kam kaum noch zur Ruhe. Sport oder Zeit mit Freunden konnte ich nicht mehr genießen. Es war ein erlebter Alptraum, der mich persönlich stark veränderte.

Was passiert war? Einige Kunden konnten aus verschiedenen Gründen zum selben Moment nicht mehr unsere Rechnungen bezahlen. Gleichzeitig traf ich Entscheidungen, die meine Fixkosten erhöhten und so in dieser Situation zu einer immer größeren Gefahr wurden. Dazu gehörten zum Beispiel der Ausbau der Infrastruktur von Büro und Autos sowie neu eingestellte Mitarbeiter.

Meine fehlende Erfahrung zeigte sich in dieser Situation sehr stark. Noch heute erinnere ich mich gut daran, welche Fragen mir durch den Kopf gegangen sind, gefühlt Tausende, aber vor allem: “Wie hätte ich das vorher wissen und prüfen oder vermeiden können?” oder “Warum muss es gerade jetzt sein?” und “Hätte ich doch mehr zur Seite legen sollen?”.

Der Rettungsplan

Mein größter Fehler war damals, zu denken, dass Geld unendlich sei, nur weil es gerade geschäftlich gut lief. Sehr naiv. In diesen Wochen und Monaten der finanziellen Krise habe ich gelernt, worin die Unterschiede und die Risiken von Fix- und variablen Kosten liegen.

Ohne meine damalige Bankerin hätte ich es sicher nicht geschafft, aus der schwierigen Situation herauszukommen. Sie sorgte mit zwei zugedrückten Augen für die Erhöhung unserer Kreditlinie. Ich habe sie in mehreren Verhandlungen von meinem Krisenplan überzeugen können. Es war eine ungewöhnliche Situation: sie stand kurz vor der Rente, ich war gerade 18 Jahre alt geworden.

Die Lösung war die Umverteilung von Fixkosten zu variablen Kosten, zum Beispiel habe ich das Büro und mein Auto abgeschafft. Einigen Mitarbeitern habe ich eine Stelle als freie Mitarbeiter angeboten, um die Lohnkosten zu senken. Was ich nicht geahnt hatte: Die Kollegen haben sich sogar gefreut, weil sie so ihren eigenen Weg in die Selbständigkeit gefunden haben und mit uns schon einen festen Auftraggeber hatten. Zudem kam der Abbau der vorhandenen Verbindlichkeiten, indem wir jeden Cent für den Ausgleich der Kredite und Verbindlichkeiten genutzt haben. Auf Investitionen habe ich in dieser Zeit komplett verzichtet. Zudem haben wir unsere Kunden vor Vertragsabschluss genauer überprüfen lassen, zum Beispiel über Wirtschaftsauskunfteien.

“Spare in der Zeit, so hast du in der Not”

Nach zehn Monaten war die Krise überstanden. Rückblickend habe ich viel durch sie gelernt. Der Optimist in mir sagt sofort: “Siehst du, diese Krise war prima, wir haben was gelernt und sind um viele Erfahrungen reicher”. Zum Beispiel konnten wir durch die neue Strategie der Kundenauswahl die Zahlungsausfälle um 60 Prozent verringern und wir haben die Fixkosten auf ein Minimum reduziert. So sind wir jederzeit flexibel und können schnell reagieren.

Krisen gehören zum Unternehmertum dazu. Über die Jahre gab es immer mal wieder welche, wie den Logo-Streit, bei dem mir das Logo aberkannt wurde. Mal geht man gestärkt aus so einer Krise hervor, aber natürlich kann es unternehmerisch auch mal nicht so positiv ausgehen. Auf jeden Fall habe ich durch die Finanzkrise gelernt, dass ich den Worst Case in meine Kalkulationen und Entscheidungen einbeziehen muss.

Und ich habe in der Krise auch viel über mich gelernt. Nämlich, dass ich meine Freiheit liebe und Schulden sowie zu hohe Fixkosten-Verpflichtungen (vor allem vermeidbare) mich sehr belasten. Ich muss sie soweit es geht vermeiden muss. Meine Oma sagte immer: “Spare in der Zeit, so hast du in der Not”. Dieses Sprichwort habe ich mir zu eigen gemacht.

Haben Sie auch eine Krise erlebt – und was haben Sie aus ihr gelernt? Kommentieren Sie gerne.

2 Kommentare
  • Max 8. Dezember 2016 16:30

    Mit dem Streit kann man auch werben, aber das ist schwarze PR. Ich bevorzuge einfach Logo hier machen und Reklametafel zu machen.

    • Anna 12. Dezember 2016 16:00

      Max, wo ist „hier“?

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