Gehaltstransparenz Wer bekommt wie viel? „Wir stimmen ab“

Würden Sie nicht auch gern wissen, was andere Unternehmer oder Angestellte verdienen? Gehalt ist ein Tabuthema - da wäre ein Röntgenblick wie hier ins Sparschwein schon praktisch. Diese drei Unternehmen setzen auf Gehaltstransparenz.

Würden Sie nicht auch gern wissen, was andere Unternehmer oder Angestellte verdienen? Gehalt ist ein Tabuthema - da wäre ein Röntgenblick wie hier ins Sparschwein schon praktisch. Diese drei Unternehmen setzen auf Gehaltstransparenz.© lilu_foto / iStock / Getty Images

Was die Kollegen verdienen, ist für Mitarbeiter in vielen Firmen geheim. Einige Firmen gehen einen anderen Weg: Sie praktizieren Gehaltstransparenz. Drei Beispiele - und was das Modell für Chefs bedeutet.

Über Geld spricht man nicht – dieser Grundsatz gilt noch immer unter vielen Chefs und Kollegen. Doch das ändert sich: Der Bundestag hat im März ein Gesetz beschlossen, das für mehr Lohngleichheit sorgen soll. Der Bundesrat hat dem Gesetz am Freitag zugestimmt. In Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten können Arbeitnehmer künftig Informationen darüber einholen, wie ihre Kollegen für eine gleichartige Tätigkeit bezahlt werden. Einige Unternehmen praktizieren allerdings schon jetzt viel Transparenz. Für die Mitarbeiter führt das im besten Fall zu mehr Gerechtigkeit beim Lohn – doch es bringt auch mehr Verantwortung mit sich.

Einhorn: Gehaltserhöhung per Abstimmung

Was die Mitarbeiter des Berliner Start–ups Einhorn machen, klingt in den Ohren vieler Menschen vermutlich sehr ungewöhnlich. Das Start–up Einhorn verkauft vegane Kondome, einigen ist das Unternehmen vielleicht aus der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ bekannt. Und die rund ein Dutzend Angestellten der Firma stimmen über ihr Gehalt ab. „Alle sechs Monate geht es ums Gehalt, dann schreibe ich den Kontostand der Firma hin – und dann geht es darum: Wofür brauchen wir Kohle?“, sagt Gründer Waldemar Zeiler. Gibt es einen Spielraum für Gehaltserhöhungen, diskutieren die Mitarbeiter aus, wer wie viel bekommt – und dann wird abgestimmt. „Das Thema geht nicht locker durch“, sagt Zeiler. Es gebe schon immer harte Diskussionen.

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Trotzdem gibt es für den Gründer keine Alternative dazu: „Wir sind ein junges Unternehmen. Wenn die gesamte Innovation nur von den Chefs kommt, funktioniert das nicht. Wir müssen ein Modell finden, das viel Unternehmertum an die Basis herunter gibt.“ Das gehe aber nur, wenn die Beschäftigten auch die Zahlen kennen. Sonst könnten sie keine sinnvollen Entscheidungen treffen.

Upstalsboom: Mitarbeiter schlagen ihr Gehalt selbst vor

Bei der Hotelkette Upstalsboom stimmen sie zwar nicht demokratisch über ihr Gehalt ab. Es gibt allerdings erste Abteilungen, in denen die Mitarbeiter ihr Gehalt selbst vorschlagen – die letzte Entscheidung hat hier aber der Chef. „Das Spannende war, dass die Mitarbeiter sehr wertschätzend mit der Selbstbestimmung des Gehalts umgegangen sind“, erzählt Geschäftsführer Bodo Janssen. Niemand habe völlig unangemessene Forderungen gestellt – vielmehr hätten sich die Mitarbeiter informiert, was im Markt üblich ist und entsprechend moderate Gehaltssteigerungen gefordert und erhalten.

Janssen war begeistert – denn parallel zur Erhöhung des Gehalts erklärten sich die Mitarbeiter auch bereit, dass sie auf einen Teil des Stundenlohns verzichten, wenn es dem Unternehmen einmal nicht so gut gehen sollte. „Stell Dir mal vor, Du hast solche Mitarbeiter!“

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Auch beim Onlineportal Xing gibt es Überlegungen, die Gehälter transparenter als bisher zu machen. Junge Arbeitnehmer forderten Transparenz verstärkt ein, beobachtet Thomas Vollmoeller, CEO bei Xing: „Wir sehen einen Trend zu mehr Gehaltstransparenz.“ Für jüngere Beschäftigte sei Transparenz ein wichtiger Wert an sich – und Firmen, die sie leben, sind für sie interessant. Intransparente und ungerechte Vergütungssysteme würden immer weniger akzeptiert.

Chefs geben ein Machtmittel aus der Hand

Die meisten Firmen täten sich mit Gehaltstransparenz jedoch nach wie vor schwer. „Am Ende ist Gehaltsintransparenz ein Stück weit Machterhalt“, sagt Vollmoeller. Nicht transparent beim Gehalt zu sein, bedeutet, ein Machtmittel mehr in der Hand zu haben. Führungskräfte können Geld verteilen und sagen den Mitarbeitern nicht, wo sie im Vergleich zu den anderen stehen.

„In dem Moment, wo Du beim Gehalt transparent wirst, bist Du gezwungen, auch gerecht zu sein, dich viel stärker mit Fairness und Leistung auseinander zu setzen“, sagt Vollmoeller. Mitarbeiter wollten nicht alle die gleiche, aber eine gerechte Bezahlung. „Das macht es für Führungskräfte anspruchsvoller und schwieriger.“

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