Jeff Bezos' Erfolgsgeheimnisse Diesen Brief des Amazon-Chefs sollte jeder Unternehmer lesen

"Du musst den Kunden verstehen, eine Vision haben und dein Angebot lieben.“ - Nur einer der vielen wahren, weisen Sätze aus dem Brief von Amazon-Chef Jeff Bezos.

"Du musst den Kunden verstehen, eine Vision haben und dein Angebot lieben.“ - Nur einer der vielen wahren, weisen Sätze aus dem Brief von Amazon-Chef Jeff Bezos.© picture-alliance / ZUMA Press

Wie kann sich ein Unternehmen das Feuer der Anfangstage erhalten? In seinem jährlichem Brief an die Amazon-Aktionäre erklärt Jeff Bezos, worauf es dabei ankommt – ungemein inspirierend!

Kennen Sie die pulsierende Energie, die in einem neu gegründeten Unternehmen herrscht: die sprudelnden Ideen, das Feuer, den unbedingten Willen zum Erfolg? „Day 1“ nennt Amazon-Chef Jeff Bezos diese Stimmung.

Für Amazon, so Bezos‘ Wille, soll jeder Tag ein „Day 1“ sein. Denn, so erklärt er in seinem jährlichen Brief an die Aktionäre, „Tag 2 ist Stillstand. Danach folgen Belanglosigkeit, qualvoller, schmerzhafter Verfall. Und schließlich der Tod.“ Sicher, räumt Bezos ein, dieser Verfall geschehe in Zeitlupe – ein bekanntes Unternehmen könne Jahrzehnte lang Erfolg haben. Das Ende aber sei unausweichlich.

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Wie aber kann es ein Unternehmen schaffen, die Dynamik und Euphorie der Anfangstage zu bewahren? Bezos ist sich sicher, dass die folgenden vier Gebote eine entscheidende Rolle spielen.

1. Sei besessen vom Kunden.

„Kunden sind immer herrlich, wunderbar unzufrieden“, sagt Bezos. „Sie wollen immer etwas Besseres, selbst dann, wenn sie es selbst nicht wissen.“

Obsessive Kundenorientierung hält er für das beste Mittel, damit ein Unternehmen hungrig bleibt wie am ersten Tag: „Der Wunsch, deine Kunden zu begeistern, wird dich dazu führen, dir ihretwegen etwas auszudenken.“ Als Beispiel nennt Bezos Amazons Mitgliederprogramm „Prime“: „Kein Kunde hat uns jemals gebeten, es zu starten, doch es stellte sich heraus: Sie wollen es.“

Sein Erfolgsrezept für wahre Kundenbesessenheit lautet: „geduldig ausprobieren, Misserfolge akzeptieren, Samen pflanzen, Schösslinge schützen und die Anstrengungen verdoppeln, wenn die Kunden begeistert sind.“

2. Verlier dein wahres Ziel nicht aus den Augen.

„Gute Prozesse dienen dir, damit du dem Kunden dienen kannst. Aber wenn du nicht aufpasst, kann der Prozess das Ding werden, um das sich alles dreht: Du hörst auf, aufs Ergebnis zu schauen, und achtest nur noch darauf, dass der Prozess richtig läuft.“ Mit diesen Worten beschreibt Bezos eine Falle, in die viele Unternehmen tappen, wenn sie wachsen. Sein Tipp: „Es lohnt sich immer, sich zu fragen: Beherrschen wir den Prozess oder beherrscht der Prozess uns?“

Auch in anderen Unternehmensbereichen sieht Bezos die Gefahr, in die Irre zu gehen. „Proxies“, Stellvertreter, so nennt Bezos diese Ablenkungen vom richtigen Weg. So könnten Marktforschung und Umfragen zum Ersatz für echtes Kunden-Feedback werden. Er habe nichts gegen Umfragen, stellt Bezos klar. „Aber du musst den Kunden verstehen, eine Vision haben und dein Angebot lieben.“

Aus Durchschnittswerten in Umfragen könne man kein tiefes Verständnis für den Kunden entwickeln. Dies sei aber besonders für Erfinder und Designer ein entscheidender Erfolgsfaktor. „Ein bemerkenswertes Kundenerlebnis beginnt mit Herz, Intuition, Neugier, Spiel, Mut und gutem Geschmack“, schreibt Bezos. „Das findest du nicht in einer Umfrage.“

3. Sei offen für Trends.

Jeff Bezos ist sich sicher: Seinen Erfolg verdankt Amazon auch der Bereitschaft, schnell auf wichtige Trends zu reagieren und sie zu nutzen. „Wenn du Trends bekämpfst, bekämpfst du die Zukunft“, schreibt er. „Umarme sie und du hast Rückenwind.“

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Als aktuelles Beispiel nennt er künstliche Intelligenz und Machine Learning: Software, die Daten auswertet, Muster und Gesetzmäßigkeiten erkennt und dadurch „lernt“. Diese Technologie sei für Amazon der Schlüssel zu bedeutsamen Verbesserungen, von Produktempfehlungen bis hin zu Nachfrage-Vorhersagen.

4. Entscheide in Hochgeschwindigkeit.

„Schnelligkeit ist nicht nur wichtig fürs Geschäft, es macht auch mehr Spaß, in einer Umgebung zu arbeiten, in der Entscheidungen schnell fallen“, schreibt Bezos.

Seine Tipps, um schneller gute Entscheidungen zu treffen:

  1. Bezos empfiehlt, nicht denselben Prozess auf alle Entscheidungen anzuwenden. „Viele Entscheidungen lassen sich rückgängig machen“, erklärt er. In diesen Fällen sei es nicht nötig, mögliche Gefahren lange abzuschätzen: „Was soll schon passieren, wenn du falsch liegst?“
  2. Die meisten Entscheidungen könne man mit 70 Prozent der Informationen treffen, die man gern hätte, glaubt Bezos. „Wenn du auf 90 Prozent wartest, bist du wahrscheinlich langsam.“ Und wenn man schlechte Entscheidungen schnell erkenne und korrigiere, sei die Gefahr ohnehin gering: „ Wenn du gut darin bist, den Kurs zu korrigieren, ist es weniger teuer, falsch zu liegen, als du denkst. Langsam sein hingegen ist auf jeden Fall teuer.“
  3. „Disagree and commit“ – das bedeutet in etwa so viel wie „Anderer Meinung sein und sich dennoch engagieren“. Eine Haltung, die laut Jeff Bezos sehr viel Zeit sparen könne, wenn man bei Entscheidungen keinen Konsens finde. „Es ist hilfreich zu sagen: ‚Schau, ich weiß, wir sind uns darüber nicht einig, aber wirst du es mit mir riskieren?‘ “ Damit erspare man sich in vielen Fällen die lange Überzeugungsarbeit. „Du solltest das auch tun, wenn du der Boss bist“, empfiehlt Bezos. „Ich tue es dauernd.“
  4. Wenn die Dinge im Unternehmen in die falsche Richtung laufen, greift der Amazon-Chef hart durch: „Erkenne Kursabweichungen früh und eskaliere sie sofort“, lautet sein Rat. Das gelte beispielsweise, wenn Teams eigene Ziele verfolgen oder fundamental andere Sichtweisen vertreten. „Keine Diskussion wird diese tiefe Kursabweichung lösen können“, schreibt Bezos. Ohne Eskalation werde daher so lange weiterdiskutiert, bis eine der Parteien klein beigibt. „’Du hast mich mürbe gemacht‘, ist ein fürchterlicher Entscheidungsfindungsprozess“, findet Bezos, „Er ist langsam und frisst Energie.“ Er empfiehlt daher, sich für eine schnelle Eskalation zu entscheiden.

1 Kommentar
  • Martina Koch 18. April 2017 07:41

    Ein nachvollziehbares Statement, bis auf den für mich auffallenden Mangel:
    Jeff Bezos spricht von der Begeisterung am Day1, der Begeisterung, die Gründer und Mannschaft dieses Day1 mitbringen.
    Aber wo sieht er die Mitarbeiterbegeisterung später, den für mich wichtigen Zusammenhang von Mitarbeiterzufriedenheit und Kundenzufriedenheit?
    „Fans“ braucht man nicht nur unter seinen Kunden, sondern auch unter seinen Mitarbeitern, dann liegt Begeisterung nahe und die wiederum kann ansteckend sein.
    Bei allem Respekt für die Idee und Entwicklung des Unternehmens, hoffe ich, dass Jeff Bezos weiß:
    Noch stehen zwischen den Aktionären und dem zufriedenen Kunden seine Mitarbeiter und die wiederum mit direktem Einfluß auf deren Zufriedenheit.

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