Management-Buchtipps Diese Bücher sollten Sie 2017 lesen

Welche Bücher sollten Sie 2017 lesen? Drei Tipps von unserem Buchexperten Claus G. Schmalholz.

Welche Bücher sollten Sie 2017 lesen? Drei Tipps von unserem Buchexperten Claus G. Schmalholz.© Suze - Photocase.de

Zehntausende Bücher erscheinen jährlich neu. impulse-Redakteur Claus Schmalholz wählt aus den Wirtschaftstiteln die Werke aus, die Unternehmer voranbringen können. Das sind seine Empfehlungen für 2017.

„Schnelles Denken, langsames Denken“: Unser Hirn ist oft zu faul für wirklich gute Entscheidungen

Dies ist eine Warnung: Wer dieses Buch liest und seinen Autor und dessen Aussagen ernst nimmt, muss sein Leben ändern. Oder wenigstens die Art, es zu führen. Das gilt ganz besonders für Unternehmer, die tagtäglich wichtige Entscheidungen treffen müssen.

Zum Aufwärmen ein Beispiel: Ein Schläger und ein Ball kosten 1,10 Dollar. Der Schläger kostet 1 Dollar mehr als der Ball. Wie viel kostet der Ball? Die scheinbar logische Antwort, 10 Cent, ist falsch.* Daniel Kahneman, Psychologieprofessor an der US-Universität Princeton, verspricht – in schönstem Wissenschaftler-Understatement –, anhand solcher Experimente einen Überblick über die Funktionsmechanismen des menschlichen Denkens zu geben; insbesondere zu den Stärken und Schwächen des intuitiven Denkens, dem ominösen Bauchgefühl also.

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Dann kommt es Schlag auf Schlag. Seite um Seite, Kapitel um Kapitel, demontiert der Autor allzu menschliche Verhaltens- und Entscheidungsmuster als oftmals eklatante Fehlleistungen des Gehirns, die evolutionsgeschichtlich plausibel sind, in einer hochspezialisierten und immer komplexer werdenden Arbeitswelt aber schlicht nicht gut genug funktionieren. Weil echtes Nachdenken anstrengend ist (siehe: das Schläger-Ball-Beispiel), lässt das Gehirn scheinbar naheliegende Gedanken rascher passieren.

Kahnemans Buch zerschmettert das Selbstbild jedes Entscheiders

Deshalb beurteilen Führungskräfte ihre Mitarbeiter niemals objektiv, und darum glauben wir alle, dass ein erfolgreiches Unternehmen ein Indiz für einen außergewöhnlich guten Chef ist. Quatsch, sagt Kahneman, das ist lediglich der sogenannte Halo-Effekt, der uns einen kausalen Zusammenhang zwischen verschiedenen Faktoren vorgaukelt, den es in Wahrheit nicht gibt.

Kahnemans Buch zerschmettert das Selbstbild jedes Entscheiders, der glaubt zu wissen, was er tut. Das gelingt ihm, obwohl er eigentlich nur Beschreibungen psychologischer Experimente aneinanderreiht. Unter Experten trug ihm das 2002 als erstem Nichtökonomen den Wirtschaftsnobelpreis ein. Mal sehen, wie nun die Praktiker seine Erkenntnisse wertschätzen und umsetzen werden.

*Lösung: Der Ball kostet 5 Cent

Daniel Kahneman, Schnelles Denken, langsames Denken, Siedler, 624 Seiten, 26,99 Euro


„Agiler führen“: Die Mitarbeiter machen lassen und dadurch beweglicher werden

Ein neues Schlagwort geht um in der Managementliteratur: Agiles Management. Oft verknüpft mit einem drängenden Unterton: Wer es anwendet, ist modern und zukunftsgerichtet. Wer es aber ignoriert, hat wohl den Schuss nicht gehört.

Autorin Svenja Hofert lässt in diesem Buch auf angenehme Weise etwas Luft ab aus dem aufgeblasenen Modebegriff und versucht zu klären, ob er mehr ist als das. Dazu braucht sie aber schon im Vorwort mehrere Seiten Anlauf, um ihre Definition zu liefern, denn der Begriff ist nicht eindeutig definiert. Ihr Erklärungsansatz ist dennoch klar: Agiles Management ist zunächst eine Frage der Unternehmenskultur, die dem Prinzip der Selbstorganisation der kleinsten Unternehmenseinheit folgt, dem Team. Es ist gleichzeitig die Abkehr vom traditionellen Führungskonzept des Kommandierens und Kontrollierens durch die Unternehmensspitze.

In der Folge muss sich also jeder Unternehmer zunächst fragen: Kann ich das? Beziehungsweise: Können meine Leute das, sich selbst organisieren? Wer das bejaht, bekommt von Hofert einen ganzen Baukasten voller kurz erläuterter Instrumente und Methoden, mit denen ein Unternehmen agiler, also beweglicher werden kann.

Wie agile Unternehmen arbeiten

Eine Erläuterung von über zwei Dutzend Werkzeugen wie Stand-up-Meetings, gut lesbar, aber insgesamt doch etwas akademisch verbrämt und sehr freihändig dem Schlagwort Agiles Management zugeteilt. Etwas deutlicher hätte sie zum besseren Verständnis auch herausstellen können, dass der Begriff aus der Softwareindustrie stammt. Dort haben einige Unternehmen irgendwann begriffen, dass es besser ist, große Programme schrittweise zu entwickeln, mit kleinen Teams, die sich regelmäßig eng mit dem Kunden abstimmen, statt einmal ein von der Unternehmensleitung genehmigtes Paket im Ganzen zu programmieren – um dann hinterher zu merken, dass viele Funktionen fehlen und viele andere überhaupt nicht gebraucht werden.

Der Open-Source-Softwareentwickler Eric S. Raymond hat dafür einen schönen Vergleich geprägt, der einen sofort verstehen lässt, was mit agilem Management gemeint ist. Er vergleicht die herkömmliche Methode, ein Großprojekt zu stemmen, mit dem Bau einer Kathedrale: Die Unternehmensspitze plant das Gebäude und lässt den Bau dann von den untergeordneten Mitarbeitern akribisch umsetzen, schön eins nach dem anderen. Ein agiles Unternehmen dagegen entspricht mehr einem Basar, das eine solche Kathedrale ganz anders bauen würde: gestaltet von kleinen, selbstständigen Einheiten, die auf diese Weise ein funktionierendes Gebilde erschaffen können.

Svenja Hofert, Agiler führen, Springer Gabler, 279 Seiten, 29,99 Euro


„Die Akte Trump“: Das Psychogramm eines Präsidenten, der als dubioser Dealmaker gilt

Ein Buch über Donald Trump? Warum sollten das ausgerechnet Unternehmer lesen? Nun, ganz einfach: Weil der Mann, der nun Präsident der USA ist, selbst Unternehmer ist, vor allem aber, weil er bereits vor der Amtsübergabe mit Angriffen auf deutsche Konzerne wie BMW gezeigt hat, dass er auch der deutschen Wirtschaft Schwierigkeiten bereiten könnte. Denn für Trump zählt allein der gute Deal und das heißt, dass seine Geschäftspartner ein schlechtes Geschäft machen müssen, damit er ein gutes bekommt. Eine Haltung, die nun offenbar auch sein Handeln als Staatschef leitet. Setzt Trump auch nur einen Teil seiner Drohungen in die Tat um, werden hiesige Unternehmen und ihre Zulieferer und Dienstleister, die in den USA arbeiten oder dort Kunden haben, negative Auswirkungen von Trumps künftigen Amtshandlungen spüren. Grund genug, sich mit diesem Präsidenten näher zu beschäftigen, zum Beispiel mit diesem Buch des Pulitzer-Preisträgers David Johnston, der Trump über Jahrzehnte begleitet hat und rechtzeitig zur Wahl eine wenig schmeichelhafte Lebens- und Sittengeschichte des Egomanen abliefert.

Zwar wirkt Johnstons Themenauswahl etwas beliebig und sein Ton klingt an vielen Stellen etwas zu selbstverliebt. Dennoch ist lesenswert und aufschlussreich, wie er sich zunächst in mehreren Kapiteln mit Trumps Familie und dessen Aufwachsen im New Yorker Stadtteil Queens beschäftigt. Seine Botschaft: Alles Halunken in Geschäftsdingen, die skrupellos ihren Vorteil auf Kosten ihres Gegenübers finden. Eine Haltung, die sich auch Donald Trump zu eigen macht und die ihn schließlich auf die andere, bessere Seite von New York bringt, nach Manhattan, wo er heute im Trump Tower residiert.

Johnston listet eine ganze Reihe von Trump-Deals auf, die allesamt zeigen: Der Mann ist ein Narzisst, der es geschafft hat, ein Bild von sich als märchenhaft reichem Immobilienmogul zu zeichnen – und jeden zu verklagen droht, der daran zu kratzen wagt. Selten sind deshalb Geschichten über Deals, die Trump zweifelsfrei als schlechten Geschäftsmann dastehen lassen.

„Er hat keine Moral“

Beispiel Trump University. Dort sollten die Studenten lernen, wie sie im Immobiliengeschäft reich werden können. Tatsächlich aber eine Luftnummer, als sich etwa herausstellte, dass Dozenten teils hauptberuflich als Manager einer Fast-Food-Kette arbeiteten. Trump soll mehr als 6000 Studenten mit falschen Versprechen um rund 40 Millionen Dollar geprellt haben. Kurz vor der Wahl zum Präsidenten legte er einen Rechtsstreit um die dubiose Geschäftspraktiken seiner „Trump University“ mit einem Millionenvergleich bei. Er erklärte sich zur Zahlung von 25 Millionen US-Dollar im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung bereit.

Johnstons Fazit über Trump fällt schlussendlich sehr negativ aus und die Aussicht, dass dieser Mann nun Präsident der USA ist, lässt ihn Schlimmes befürchten. „Er hat keine Moral. Er hat sein Leben dem Geld, der Macht gewidmet. Amerika wird Trump überleben, aber nicht ohne Schaden“, sagte Johnston in einem Interview mit dem Tagesspiegel.

David Cay Johnston, Die Akte Trump, Ecowin, 352 Seiten, 24 Euro

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