Schwachpunkte erkennen Warum Sie heute einen Nachruf auf Ihre Firma schreiben sollten

Bevor man vom richtigen Kurs abkommt und alles in den Sand setzt: Einen Nachruf auf das eigene Unternehmen zu schreiben, kann helfen, Prioritäten richtig zu setzen.

Bevor man vom richtigen Kurs abkommt und alles in den Sand setzt: Einen Nachruf auf das eigene Unternehmen zu schreiben, kann helfen, Prioritäten richtig zu setzen.© dinozzaver / photocase.de

In Ihrem Unternehmen läuft es gerade richtig gut, finden Sie? Trotzdem sollten Sie jetzt einen Nachruf auf Ihre Firma schreiben. Das klingt vielleicht paradox – beschert aber wertvolle Erkenntnisse.

Was wäre eigentlich, wenn heute alles vorbei wäre? Wenn Sie Ihre Firma schließen müssten – Ende, aus, vorbei! Was bliebe dann noch? Was würde in der Lokalzeitung über die Schließung Ihres Unternehmens stehen? Wie würden die Leute darüber reden?

So ein Gedankenspiel mag zynisch anmuten, doch es hat auch etwas Positives: Es zwingt Sie, das Unternehmen mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten und den Blick aufs Wesentliche zu lenken. Denn mit dem Ende konfrontiert, ändert sich unser Empfinden für Prioritäten. Darum grübeln viele Menschen auch erst am Ende ihres Lebens, wenn es längst zu spät ist: Habe ich das Leben geführt, das ich wollte? Nicht wenige bereuen dann, Chancen verpasst und sich Wünsche nicht erfüllt zu haben.

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Beim Nachrufschreiben Schwachpunkte erkennen

Warum also macht man sich solche Gedanken nicht einfach früher und systematisch, indem man einen Nachruf schreibt? Man könnte zum Beispiel in die Rolle eines Zeitungsredakteurs schlüpfen und aufschreiben, wie alles begann, wie die Firma den Durchbruch schaffte und sich einen Namen machte. Und dann vielleicht, wie sie ins Schlittern geriet, von der Konkurrenz abgehängt wurde und schließlich die Pleite nicht mehr abgewendet werden konnte.

So eine Firmenpleite mal komplett durchzuspielen und einen Nachruf niederzuschreiben, hat gleich mehrere Vorteile. Es kann helfen,

  • … mögliche Gefahren für das Unternehmen zu identifizieren.
  • … überflüssige oder gar schädliche Projekte aufzuspüren.
  • … Ressourcen und Energie in die richtige Richtung zu lenken.
  • … sich auf seine Stärken zu besinnen.

Man sollte sich dabei nicht zu viel vornehmen und den Nachruf auf 1500 Zeichen begrenzen. Und wenn man nicht weiß, wie man an die Sache rangehen soll oder eine Schreibblockade hat? Diese Fragen helfen beim Schreiben:

1. Welches Bild behalten andere vom Unternehmen in Erinnerung?

Was es bringt: Die Frage zwingt einen, sich mit dem Image der Firma und seiner Wirkung auf andere auseinanderzusetzen. Ist es einem überhaupt wichtig? Oder könnte man an seinem Außenauftritt noch feilen, zum Beispiel mehr Werbung machen oder sich für wohltätige Zwecke engagieren?

2. Was war die größte Stärke des Unternehmens? Was konnte es besser als alle anderen?

Was es bringt: Im Klein-Klein des Arbeitsalltags verliert man schnell den Blick fürs große Ganze. Doch einmal schwarz auf weiß festzuhalten, was man besonders gut kann, motiviert und hilft, Ressourcen in die richtige Richtung zu lenken.

3. Worauf war das Unternehmen besonders stolz?

Was es bringt: Wer stolz auf seine Arbeit ist, macht sie gut und weiß, wofür er sie macht. Auch hier gilt: Dies einmal niederzuschreiben, hilft vor allem in harten Zeiten, wenn man sich fragt: „Wofür mache ich das eigentlich alles?“.

4. An welchen Stellen haperte es im Unternehmen und wo hätte man frühzeitig nachjustieren sollen?

Was es bringt: Schwachstellen gibt es in den meisten Unternehmen. Wichtig ist, sie zu kennen, um gegensteuern zu können. Doch manchmal sieht man im Arbeitstrott den Wald vor lauter Bäumen nicht. Einen Nachruf zu schreiben, kann also vor Betriebsblindheit schützen.

5. Was denken und fühlen Mitarbeiter nach der Pleite? Bedauern Sie es, einen Arbeitsplatz mit einem fairen Chef und einem guten Betriebsklima zu verlieren? Oder ziehen sie einfach weiter zum nächsten Arbeitgeber?

Was es bringt: Man muss sich mit der Frage auseinandersetzen, ob man ein guter Chef ist. Denn der Erfolg eines Unternehmens hängt auch von seinen Mitarbeitern ab. Sind sie motiviert und fühlen sie sich geschätzt, sind sie auch bereit, ihr Bestes zu geben.

6. Welche Gefahren waren vorhersehbar und warum hat man auf sie nicht entsprechend reagiert?

Was es bringt: Der Nachruf sollte auch die Todesursache der Firma enthalten. Hat das Unternehmen neue Entwicklungen und Trends am Markt verschlafen? Wurde es von der Konkurrenz abgehängt? Gab es Missmanagement? Hat man auf ein falsches Pferd gesetzt? Solche Worst-Case-Szenarien aufzuschreiben, schärft den Blick für mögliche Gefahren, gegen die man sich dann rechtzeitig wappnen kann.

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