Soloselbstständig in der Corona-Krise „Wir müssen gute Ideen jetzt teilen“
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Soloselstständigkeit in der Coronakrise führt zu neuen Herausforderungen - und Ideen

© Constantine Johnny/ Getty Images

impulse-Bloggerin Manuela Nikui ist Soloselbstständige. Hier erzählt sie, wie sie sich auf die Corona-Krise einstellt. Und was sie tut, um ihren Kunden unter die Arme zu greifen.

Am Morgen der Anruf eines Kunden: Sein ganzes Unternehmen macht Homeoffice. Mein Präsenztag bei ihm fällt also aus. Kurze Abstimmung mit den Kollegen, dann kann das Homeoffice anrollen. Keine Panik.

Ein anderer Kunde meiner PR-Agentur meldet sich. Wir stecken die Köpfe zusammen. Kommunikationspläne müssen umgestellt, Pläne geändert, Termine verschoben werden. Wir finden eine Lösung. Keine Panik.

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Irgendwie ist die Atmosphäre merkwürdig. Obwohl gerade viele Pläne über den Haufen geworfen werden, wirkt der Alltag entschleunigt. Ich frage mich am Abend: Habe ich alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe? Mir kommt es vor, als hätte ich weniger gearbeitet als sonst, die Pausenzeiten sind gefühlt mehr. Dann die Beruhigung: Pensum erledigt, sogar eher mehr gearbeitet als sonst. Mir selbst geht es in der aktuellen Situation gut, und ich hoffe, das bleibt so. Momentan habe ich keine Einbußen und bin dafür sehr dankbar.

Doch wie wird die Zukunft aussehen? Ich weiß es nicht. Ich kann zwei, drei Monate ohne Aufträge überbrücken, dann wird es eng. Notfalls heißt das für mich: putzen oder kellnern.

Wenn ich an die Folgen denke, wird mir ganz anders

Ich habe das Gefühl, von Corona überschwemmt zu werden. Ich weiß gar nicht, welche Nachrichten ich noch verfolgen soll. Welche Nachrichten sind wirklich welche – und was sind Fake News? Wenn ich an die Existenzen denke, die bedroht oder ruiniert sind, wird mir ganz anders. Ich hoffe nur, dass diese brutalen Einschnitte gerechtfertigt sind, die Hilfen wirklich so unbürokratisch passieren wie angekündigt und sich die Betroffenen von dieser Krise wieder erholen.

Worüber ich froh bin

  • Ich habe keine Mitarbeiter. In der aktuellen Situation bin ich froh, mir keine Sorgen über die Gehälter von anderen machen zu müssen.
  • Mein Business ist nicht von Anwesenheit abhängig. Dank moderner Technik, die funktioniert. Gott sei Dank kann ich meinen Job so machen wie vor Corona. Das ist ein sehr gutes Gefühl.
  • Ich bin es gewohnt, im Homeoffice zu arbeiten. Das mache ich schon seit Beginn meiner Selbstständigkeit immer wieder, daher ist es für mich aktuell keine Umstellung. Mit meinen Kooperationspartnern telefoniere ich regelmäßig, die Kommunikation passt.
  • Ich habe einen Grund rauszugehen. Meine Hündin Bella braucht ihren Auslauf, natürlich auch in dieser Zeit. Diese Draußen-Zeiten genieße ich sehr. Sie sind meine Energiequelle für die folgenden Stunden im Homeoffice.
  • Ich habe noch alle Kunden. Viele nutzen die Zeit jetzt, um PR und Social Media zu planen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Was ich in der Krise tue

  • Kunden, denen es gerade nicht gut geht, stunde ich einen Teil des Honorars. Ich bin ein Fan meiner Kunden und biete das von mir aus an. Ganz schenken kann ich ihnen das Honorar nicht, aber einen Teil können sie später zahlen.
  • Ich bringe meine eigene Kommunikation auf Vordermann. Gerade bin ich dabei, meine Social-Media-Accounts wieder regelmäßiger mit Content zu füttern, alte Blogbeiträge zu aktualisieren und neue zu schreiben. Das habe ich in letzter Zeit sträflich vernachlässigt.
  • Ich bin vernünftig und halte mich an die offiziellen Regeln: Keine Partys, möglichst zu Hause bleiben, Menschenansammlungen meiden. Und vor allem: Ich horte nicht. Weder Klopapier noch Lebensmittel. Horten schürt aus meiner Sicht Ängste nur noch mehr.

Was ich empfehle

Eine solche Situation haben wir alle noch nie erlebt. Ich bin überzeugt davon, dass sie unser Denken und Handeln verändert. Die Solidarität, die vielerorts zu spüren ist – ich denke an die Einkäufe für Ältere und Kranke oder die Aktion der Ayinger Brauerei, die ihren Pächtern die Pacht zumindest für den Monat April erlässt – finde ich klasse. Vielleicht taugt diese Krise, uns wachzurütteln. Vielleicht helfen die folgenden Tipps weiter:

  • Überlegen Sie, ob Sie Ihren Kunden unter die Arme greifen können, oder fassen Sie den Mut, umgekehrt nach einer Lösung zu fragen. Das zeugt von Wertschätzung, Respekt und Vertrauen und stärkt die Bindung zueinander.
  • Nutzen Sie die Zeit als Testballon. Probieren Sie verschiedene Tools aus, experimentieren Sie. Ich habe vor ein paar Tagen ein Online-Meeting durchgeführt, bei dem nicht alles auf Anhieb geklappt hat. Mein Kunde hat mir das nicht verübelt, wir hatten dennoch ein sehr konstruktives und angenehmes Gespräch.
  • Bringen Sie Ihre eigene Kommunikation auf Vordermann. Schreiben Sie Blogposts, überarbeiten Sie Ihre Website, stellen Sie Redaktionspläne für Ihre Social-Media-Kanäle auf. Jetzt ist die Zeit dazu.
  • Teilen Sie gute Ideen mit Ihren Kunden, in Ihrem Netzwerk. Auch wenn Ihnen Ihre Einfälle im ersten Moment vielleicht banal erscheinen mögen – vielleicht hat Ihr Kunde noch gar nicht daran gedacht? Beispielsweise das Zahlungsziel zu verlängern.
  • Beweisen Sie Fingerspitzengefühl in Ihrer Kommunikation. Sie müssen jetzt kein neues Produkt verkaufen. Fragen Sie Ihre Zielgruppe, was ihr helfen würde.

Diese Krise stellt uns alle auf die Probe. Sie ist ein extremer Stresstest, der uns gnadenlos aufzeigt, wie wir für solche Situationen gerüstet sind. Bei aller Belastung sollten – müssen! – wir die Zeit jetzt für Veränderung nutzen. Damit uns die nächste Welle nicht vollends das Licht ausbläst.

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