Sylvia von Kretschmanns größter Fehler „Ich habe mir nicht verziehen, nicht noch mehr gekämpft zu haben“

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Sylvia von Kretschmann, 76, ist geschäftsführende Gesellschafterin des 5-Sterne-Hotels „Der Europäische Hof“ in Heidelberg.

Sylvia von Kretschmann, 76, ist geschäftsführende Gesellschafterin des 5-Sterne-Hotels „Der Europäische Hof“ in Heidelberg. © Marek Vogel / impulse

Sylvia von Kretschmann weiß genau, wie ihr größter Fehler aussieht: Beton mit braunen Bronzeplatten. Die Hotelbetreiberin hat sich bis heute nicht verziehen.

Meinem größten Fehler begegne ich jeden Tag. Es ist das nicht sehr ansprechende Gebäude, das wir 1975 auf dem Gelände des Europäischen Hofs gebaut haben: Beton mit braunen Bronzeplatten. Wir waren damals in einer schwierigen Situation: 1965 hatten wir als junges Paar die Leitung des traditionsreichen Hotels von der Großmutter meines Mannes übernommen. Wir mussten erweitern und diversifizieren. Die Stadt war einverstanden, hatte aber genaueste Vorstellungen davon, wie der Bau auszusehen hätte.

Wir versuchten, das Beste daraus zu machen

Gegen die Stadt und den einflussreichen Architekten waren unsere Möglichkeiten begrenzt, zumal wir sehr jung waren: Ich war 28 Jahre alt, mein Mann 31. Ich erinnere mich noch gut an die schwierigen Gespräche, die wir im Innenhof des Hotels führten. „Wenn Sie diesen Entwurf nicht akzeptieren, dürfen Sie nicht bauen“, sagte man uns. Mein Mann wusste um die strategische Bedeutung und war zu Kompromissen bereit. Ihm war wichtig, dass wir überhaupt bauen konnten. Sonst wäre dort eine neue Straße entstanden, und die notwendige Erweiterung hätte nicht realisiert werden können.

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„Du musst der Architektur zustimmen, sonst werden wir das Gebäude nicht realisieren können!“, versuchte mein Mann mich zu überzeugen. Ich willigte schweren Herzens ein, wir versuchten, das Beste daraus zu machen. Heute ergänzen dort Läden, Büros und luxuriöse Apartments das Hotel. Unternehmerisch war die Entscheidung überlebenswichtig, ästhetisch eine große Herausforderung. Der Fehler tut weh. Bis heute habe ich mir nicht verziehen, nicht noch mehr gekämpft zu haben. Was dieser Zeitgeist für Heidelberg bedeutet, kann man auch andernorts an den Bausünden der 1970er besichtigen.

 


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