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Vorwerk Erfolgsfaktor Digitalisierung: 3 Lektionen von Thermomix

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Küchenmaschine mit WLAN: Die Digitalisierung hat das Geschäftsmodell von Vorwerks Thermomix verändert.

Küchenmaschine mit WLAN: Die Digitalisierung hat das Geschäftsmodell von Vorwerks Thermomix verändert.© Thermomix

Die Kann-alles-Küchenmaschine Thermomix schnippelt und brät nicht nur: Sie weiß auch, ob im Haushalt jemand verschnupft ist oder schwanger. Denn Hersteller Vorwerk hat bei der Digitalisierung 3 Dinge richtig gemacht.

Big Data, Quanten-Computer, künstliche Intelligenz – die Zukunft klingt oft noch ziemlich sperrig und theoretisch. Dabei ist sie längst nicht mehr fern. Im Silicon Valley sagen sie, in fünf bis zehn Jahren bist du ein datengetriebenes Unternehmen, auf dem Weg zum Datenunternehmen oder überflüssig, erzählte Stephen Probst, Chief Technology Officer des US-Softwareunternehmens Teradata auf dem Zukunftskongress in Wolfsburg. Vom Wuppertaler Familienunternehmen Vorwerk lässt sich lernen, wie Digitalisierung konkret aussehen kann und wie sie ein Geschäftsmodell verändert.

Nimm deine Kunden mit

Vorwerk hat seine in den sechziger Jahren entwickelte Küchenmaschine Thermomix in den vergangenen Jahren vernetzt. Die Kunden melden sich heute in der eigenen Online-Community an, suchen sich ein Rezept aus und übertragen es per WLAN direkt auf die Küchenmaschine – die leitet den Koch dann Schritt für Schritt an.

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Das findet allerdings nicht jeder gut. „Wir haben uns gefragt, wie können wir auch die Hausfrau in Neapel mitnehmen, die ihr Rezept für Tomatensoße von ihrer Großmutter geerbt hat“, sagte Dirk Reznik, Geschäftsführer von Thermomix, in Wolfsburg. Die Lösung ist banal: Für solche Köche gibt es weiter gedruckte Rezeptbücher, Magazine – und die Möglichkeit, das Internet auszuschalten und die Knöpfe selbst zu drücken.

Auch echte Menschen spielen beim Direktvertrieb und bei der Kundenbindung weiter eine Rolle. Wer trotz „Guided Cooking“ die Bolognese nicht hinbekommt, kann bei einer Thermomix-Vertreterin anrufen und es sich erklären lassen.

Verkaufe Lösungen

Vorwerk baut nicht nur eine Küchenmaschine, sondern bietet auch Dienstleistungen wie Rezepte und eine Plattform, auf der sich die Kunden vernetzen können. Der nächste Schritt: Die Maschine und das Unternehmen denken noch weiter mit.

Schon heute könnte Vorwerk erkennen, wenn in einer Region eine Grippewelle losrollt. Dann steigt die Zahl der Nutzer, die heiße Suppe kochen, sprunghaft an. Das Unternehmen nutze diese Daten derzeit noch nicht, hätte aber die Möglichkeit, sie auszuwerten, sagt Reznik. Big Mixer is watching you.

Auch wenn jemand im Haushalt schwanger ist, könne der Thermomix ein verändertes Kochverhalten beobachten – und dann zum Beispiel passende Rezeptvorschläge anbieten.

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Schon heute gibt es spezielle Diät- und Ernährungsprogramme von Thermomix. „Lösungen statt Produkte“, nennt das Reznik. Der Kunde kauft künftig die Dienstleistung „10 Kilo abnehmen“ – und keine Küchenmaschine.

„Die Datenhoheit liegt dem Kunden“, sagt Reznik. Vorwerk könne sich nicht vorstellen, beispielsweise mit einer Versicherung zusammenzuarbeiten und Daten herauszugeben.

Sieh das ganze System

Vorwerk ist vor Jahren beim Kochbox-Lieferdienst „Hello Fresh“ eingestiegen, einige Tausend Boxen mit bestellten Lebensmitteln werden schon heute durch die Republik geschickt, so Reznik.
Die Zukunftsvision: Der Thermomix weiß: „Mein Besitzer Dirk mag gerne Thunfisch“ – und schlägt nicht nur passende Rezepte vor, sondern liefert die Zutaten gleich noch frei Haus. Vorwerk sucht weltweit strategische Partner, um diese Idee umzusetzen, zum Beispiel große Supermarktketten.

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