Trigemas Erfolgsgeheimnisse 4 Dinge, die Sie von Wolfgang Grupp lernen können

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Trigema-Chef Wolfgang Grupp mit Mitarbeiterin:  Seinen 700 Näherinnen zahlt er zwischen 9,50 Euro und 15 Euro die Stunde.

Trigema-Chef Wolfgang Grupp mit Mitarbeiterin: Seinen 700 Näherinnen zahlt er zwischen 9,50 Euro und 15 Euro die Stunde. © Thomas Bernhardt für impulse

Was macht Trigema-Chef Wolfgang Grupp anders als andere Unternehmer? Beim impulse-Netzwerktreffen in Burladingen hat der Textilhersteller Trigemas Erfolgsrezepte verraten.

Er lässt sich bedienen, fliegt im Helikopter, greift Politiker und Manager an: Wolfgang Grupp gefällt sich in der Rolle des Exzentrikers. Eines müssen ihm aber auch Skeptiker lassen. Trigema ist der letzte große Textilhersteller, der nur in Deutschland fertigt. Von ihm können Unternehmer einiges lernen:

1. Grupp hat sich und seine Firma immer wieder neu erfunden.

Quelle, Karstadt und Neckermann waren einst Wolfgang Grupps besten Kunden. Der Textilunternehmer erkannte den radikalen Wandel in der Branche jedoch früh genug, um nicht mit den Versand- und Kaufhäusern unterzugehen. Heute verkauft er zwei Drittel seiner Ware selbst. Hauptsächlich in 46 Outlets, sogenannten Testgeschäften, wo er die Hälfte des empfohlenen Verkaufspreises verlangt. 10 Prozent der Vertriebserlöse kommen über den eigenen Online-Shop hinzu. Während die Umsätze in den lokalen Geschäften zuletzt nur minimal wuchsen, waren es im Internet laut Grupp 15 bis 20 Prozent pro Jahr.

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Ein weiterer wichtiger Schritt: Grupp konzentrierte sich in den vergangenen Jahren stark aufs Firmenkundengeschäft: Von zehn verkauften Kleidungsstücken gehen vier an Betriebe wie Bosch, das Rote Kreuz oder Mercedes Benz.

2. Grupp setzt auf Flexibilität und Eigenständigkeit.

Grupp zahlt seinen 700 Näherinnen zwischen 9,50 Euro und 15 Euro die Stunde. In Bangladesch verdient eine Arbeiterin etwa 50 Euro im Monat. Wie finanziert er das? „Immer volle Auslastung von Januar bis Dezember“, sagt Grupp. Wenn fünf grüne T-Shirts bestellt werden, produziere er 1200 Stück und stapele den Rest in seine Hochregale. Die Disposition ist für ihn so wichtig, dass er sie selbst übernimmt. Er lege sein Geld nicht in Aktien oder Immobilien an, sondern hauptsächlich in seinem Lager, sagt Grupp.

Trigema kann dadurch kurzfristig liefern, meist von heute auf morgen – ein Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten, die in Asien ordern. Vom Stricken angefangen, übernehmen Mitarbeiter und Maschinen bei Trigema alle Arbeitsschritte selbst: färben, zuschneiden, nähen – in 48 Stunden kann ein Kleidungsstück fertig sein. Diese Flexibilität und Eigenständigkeit sei fürs Geschäft mit Firmenkunden entscheidend, sagt Grupp. „Wenn einer montags anruft und 300 Poloshirts bis Ende der Woche will, diskutiert der nicht über den Preis.“

3. Grupp hat sich vom Wachstum verabschiedet.

1999 hat Grupp zum letzten Mal die Fabrik erweitert. „Wir verstehen unter Wachstum heute nicht mehr Stückzahl, sondern Innovation.“ Wichtig sei ihm, dass die gesamte Produktion verkauft werde und er den Kunden nicht nachjagen müsse.

Über Preise diskutiere er nicht, sagt Grupp. Deshalb nehme er auch nicht an Ausschreibungen von Firmen teil. „Da geht es nur darum, wer billiger ist.“ Ein Poloshirt für Herren kostet bei Trigema 49 Euro, in den eigenen Outlets die Hälfte. Und was bleibt übrig? „Unter zehn Prozent arbeiten wir ungern“, sagt Grupp.

4. Grupp macht Werbung in eigener Sache.

Früher warb Trigema auf den Trikots von Bundesligafußballspielern, heute sei das unbezahlbar, sagt Grupp. Er ist inzwischen selbst der wichtigste Markenbotschafter. Jeder Auftritt in einer Talkshow nutzt auch dem Unternehmen – und da Grupp polarisiert, wird er gerne eingeladen. Grupp ist sich durchaus bewusst, dass auch seine Spleens ihn im Gespräch halten.

Der Affe verschwand übrigens 2015 aus der Werbung. Der neue Trigema-Spot stellte Nachhaltigkeit und Fairness in den Mittelpunkt. Ganz ohne seinen tierischen Partner kann der Patriarch aber doch nicht. Der Affe soll zurückkehren auf den Bildschirm – als animierte Trickfilmfigur.


Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 06/2017

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