Unternehmerinnen 2017: Désirée Eser Freifrau zu Knyphausen „Frauen verstehen davon doch nichts“

Das Weingut von Désirée Eser Freifrau zu Knyphausen hat zahlreiche Auszeichnungen gewonnen.

Das Weingut von Désirée Eser Freifrau zu Knyphausen hat zahlreiche Auszeichnungen gewonnen.© Heibel

Désirée Eser Freifrau zu Knyphausen ist eine Top-Winzerin - und musste sich dennoch schon manche Unverschämtheit anhören. Eine Unternehmerin erzählt.

Unternehmerinnen im Jahr 2017: Kommen da noch dumme Kommentare? Werden Frauen von gewissen Zirkeln ausgeschlossen? Hat man bei der Bank schlechtere Chancen? Wie reagieren Kunden auf die Chefin? Unsere Serie zeigt die Erfahrungen von Frauen an der Unternehmensspitze. Folge 2: Désirée Eser Freifrau zu Knyphausen, Geschäftsführerin des Weinguts August Eser.

Lesen Sie hier Folge 1: Therese Köhler vom Startup heycater!: „Es ist revolutionär, wie Gründerinnen das wuppen“

Anzeige

Vor zehn Jahren, mit Ende 20, übernahm ich als einziges Kind meiner Eltern unser Familien-Weingut und wurde so zur ersten Frau an der Spitze des Unternehmens. Neun Generationen lang ging das Weingut stets vom Vater auf den Sohn über. Nun, in der zehnten Generation, also die Trendwende.

Als mein Vater den Betrieb an mich übertrug, hatte ich bereits Weinbau von der Pike auf gelernt. Ich habe eine Weinbaulehre absolviert und anschließend an der Hochschule Geisenheim und in Kalifornien Weinbau studiert. Währenddessen arbeitete ich immer in unserem Betrieb mit. Ich habe heute also fast 20 Jahre Berufserfahrung. Und es gibt täglich neue und spannende Herausforderungen – vor allem in meiner Rolle als Frau.

„Mancher hat meine Kompetenz angezweifelt“

Die Weinbaubranche gehört zur Landwirtschaft – ein naturgemäß stark von Männern geprägtes Berufsfeld. Da musste ich mir in den letzten Jahren als Frau meinen Platz auch manchmal selbstbewusst erkämpfen. Mancher hat meine Kompetenz als Winzerin und Inhaberin angezweifelt, doch davon darf man sich nicht beirren lassen. Ein Zulieferer hat mal zu mir gesagt: „Ich will Ihren Vater sprechen, Frauen verstehen davon doch nichts.“ Den habe ich schlichtweg von unserer Zuliefererliste gestrichen. Da sind leider noch einige Männer vom alten Schlag unterwegs.

Bei Kunden muss man da natürlich behutsamer sein. Hin und wieder merke ich, dass Kunden zunächst mir eine Frage stellen – und kurz darauf fragen sie meinen Mann noch einmal dasselbe. Als ob sie sich rückversichern wollten.

„Frauen haben einen Bonus“

Ich nehme das mit Humor, denn es geht anderen Winzerinnen hin und wieder genauso. Zum Glück sind selbstbewusste Frauen heute Gang und Gebe in der Weinwirtschaft. Die vermarkten sich und ihre Weine auf moderne und sehr überzeugende Weise. Das gibt jeder Frau von uns irre Aufwind. Vielleicht haben wir Frauen sogar einen kleinen Bonus, denn bei den meisten Kunden weckt unsere Arbeit viel Interesse. Ein Winzer ist ja sozusagen Alltag, wir fallen auf.

Seit etlichen Jahren vernetze ich mich mit anderen Topfrauen aus der deutschen Weinbranche in einem Verband namens Vinissima. Hier dürfen nur Frauen mitmachen, es kommen sehr anerkannte Sommeliers, Händlerinnen und Winzerinnen zusammen. Vinissima organisiert Topveranstaltungen jeglicher Art, da sind die Männer oft richtig neidisch.

+++ Der impulse-Newsletter – für Unternehmer, die durchstarten wollen. Jetzt abonnieren! +++

„Ich saß noch mit Wehen am Schreibtisch“

In einem zentralen Punkt sind Frauen heutzutage aber leider immer noch arg benachteiligt. Nach der Babypause haben es Frauen oft sehr schwer wieder in eine gute Position zu kommen. Das ist bescheuert und da muss eine Lösung her.

Das Problem des Wiedereinstiegs habe ich persönlich als Unternehmerin natürlich nicht. Dafür bekomme ich aber auch keine Hilfe: keinen bezahlten Mutterschutz vor der Geburt, keinen bezahlten Mutterschutz danach und auch kein Elterngeld. Als ich unseren kleinen Sohn bekommen habe, habe ich noch mit Wehen am Schreibtisch gesessen und nach dem Krankenhaus direkt wieder losgelegt. Da war nichts mit Krabbelgruppe. Wir sind ein Familienbetrieb, ich habe vier feste Mitarbeiter, zwei Halbtagskräfte und natürlich die Saisonarbeiter. Ich kann nicht fehlen. Hätte ich Elterngeld bekommen, hätte ich personell aufstocken können.

„Ständig quakt jemand dazwischen“

Unser Sohn ist jetzt 15 Monate alt. Meine Mutter hilft uns sehr, aber er springt und wirbelt den ganzen Tag hier umher. Früher habe ich mal zwei Stunden am Stück konzentriert am Schreibtisch gearbeitet und die immer endlos scheinende Bürokratie erledigt. Als Unternehmerin muss man strukturiert und organisiert sein, jedoch quakt jetzt alle 20 Minuten jemand dazwischen und man kann nicht mehr so sicher seinen Alltag planen. Ich sehe dem Kita-Platz entgegen, der aber leider noch nicht zugesagt wurde.

Es zerrt an den Nerven, wenn man solche Entscheidungen und Zusagen nicht selbst in der Hand hat. Das geht wohl jedem Unternehmer so – egal ob Mann oder Frau.

1 Kommentar
Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...