Unternehmerinnen 2017: Therese Köhler „Es ist revolutionär, wie Gründerinnen das wuppen“

Im Sommer 2015 hat Therese Köhler zusammen mit Sophie Radtke das Catering-Start-up heycater! gegründet. Inzwischen hat ihr Unternehmen 30 Mitarbeiter.

Im Sommer 2015 hat Therese Köhler zusammen mit Sophie Radtke das Catering-Start-up heycater! gegründet. Inzwischen hat ihr Unternehmen 30 Mitarbeiter.© HeyGroup GmbH

Wie ist es, im Jahr 2017 Unternehmerin zu sein? „Aufregend, leicht, bereichernd“, sagt Therese Köhler. Ein paar schlechte Erfahrungen machte die Chefin von heycater! trotzdem.

Unternehmerinnen im Jahr 2017: Kommen da noch dumme Kommentare? Werden Frauen von gewissen Zirkeln ausgeschlossen? Hat man bei der Bank schlechtere Chancen? Wie reagieren Kunden auf die Chefin? Unsere neue Serie zeigt die Erfahrungen von Frauen an der Unternehmensspitze. Folge 1: Therese Köhler, Geschäftsführerin von „heycater!“

Wie es ist, 2017 Unternehmerin zu sein? Sehr aufregend, leicht und bereichernd. In der Start-up-Szene in Berlin gibt es zwar noch immer viel mehr Männer als Frauen. Aber das sind liberale, innovative Leute, die warmherzig sind und gemeinschaftlich denken. Das sind Charakterzüge, die grundsätzlich eher weiblich sind. Und so ist da auch die Rhetorik: Man spricht mehr vom Wir als vom Ich. Da fühle ich mich wohl.

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Aber natürlich braucht man als Gründerin auch Investoren. Und diese Szene ist anders. Viele der deutschen Venture Capitalists – bei den Amerikanern ist das anders – sind keine Unternehmer vom Hintergrund. Das sind ehemalige Investmentbanker, Berater oder Anwälte. Die kommen aus einer männerdominierten Welt. Da habe ich unschöne Erfahrungen gemacht. Wobei ich sagen muss: Ich habe mehrere hundert Investoren getroffen – und kann mich nur an zwei schlimme Situationen erinnern.

„Donald-Trump-mäßiges Dominanzspiel“

In einem Fall war ich schon gewarnt worden: „Resi, pass auf, der ist sexistisch veranlagt.“ Und es war dann tatsächlich genau so unangenehm wie befürchtet. Es fing schon beim Handshake an, den ich übergriffig fand, unangenehm. So ein Donald-Trump-mäßiges Dominanzspiel. Dann folgten dämliche Sprüche. Der ist Partner bei einem bekannten Venture Capitalist aus London.

So ein Verhalten ist wahnsinnig rufschädigend. Denn natürlich tauschen wir Gründer uns aus, wer ein Arschloch ist und wer nicht. Du musst als Gründer am Anfang trotzdem mit allen mal sprechen, um das Stadtgespräch zu werden. Aber arbeiten möchte man mit solchen Menschen nicht.

„Viele Investoren haben bei einem Typen ein besseres Gefühl“

Auch Investoren, die von sich selbst behaupten, dass sie Gründerinnen gegenüber vorbehaltslos sind, bevorzugen manchmal Männer ohne böse Absicht. Ich glaube, viele haben bei einem Typen einfach ein besseres Gefühl, weil sie in ihrem bisherigen Leben überwiegend mit Männern zusammengearbeitet haben – und schon kickt der Confirmation Bias ein.

Was aber ganz auffällig ist: Bei der VC-Elite wie etwa e.ventures, accel oder Index ist das nicht so. Die sind extrem professionell. Viele in dieser Liga haben die Statistiken lange ausgewertet und wissen, dass die Unternehmen von Gründerteams mit weiblichen Gründern besser performen und langfristig mehr wert sind als Start-ups mit rein männlicher Führung.

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„Manche Männer haben uns verwirrt angeschaut“

An das ätzendste Erlebnis können sich sicher auch noch viele andere Frauen erinnern. Das war auf der NOAH 2016 in Berlin, einer der wichtigsten Tech-Konferenzen. Die wird auch von so einem Investmentbanker organisiert. Plötzlich wurde die Abendveranstaltung überflutet von extrem vielen schönen Frauen, nämlich Prostituieren und Escort-Damen. Meine Mitgründerinnen und ich hatten uns für die Party abends auch gestylt. Das führte dazu, dass manche Männer uns leicht verwirrt angeschaut haben: Sie waren sich nicht sicher, in welche Kohorte wir einzuordnen waren. Die Blicke waren schon unangenehm. Besonders die Herren der Start-up-Industrie fanden das übrigens auch völlig daneben. Der Veranstalter hat so viel negatives Feedback bekommen, dass es dieses Jahr abends keine Partys mehr gab.

Start-up-Konferenzen sind einfach immer noch sehr männlich dominiert. Es gibt sehr wenig weibliche Speaker, das nervt, ist schade und ein sehr wiederkehrendes Thema. Natürlich ist es schwieriger, ein Podium 50 zu 50 zu besetzen – aber das Ergebnis ist dann auch besser. Dann muss man sich eben Mühe geben und mit gutem Vorbild vorangehen.

„Irgendwann werde ich das genauso machen“

So wie die Top-Gründerinnen um mich herum. Da sind einige gerade schwanger oder bekommen ihr zweites Kind neben dem erfolgreichen Tech-Unternehmen mit mehreren Hundert Mitarbeitern. Ich finde es super-inspirierend zu sehen, mit welcher Leichtigkeit die Damen das wuppen. Mit welcher Selbstverständlichkeit. Das ist revolutionär. Ich habe sogar das Gefühl, die werden durch die Kinder noch bessere Unternehmerinnen, weil sie noch härter priorisieren, mehr delegieren und die wenigen verfügbaren Stunden in der Quintessenz wahnsinnig effizient sind. Irgendwann werde ich das genauso machen.

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