Management Warnung trotz guter Aussichten

Geld, Finanzen, Münzen

Oftmals fehlt es Unternehmern an genügend Reserven© rangizzz - Fotolia.com

Bislang bleibt Deutschland von der tiefen Krise in vielen Euro-Ländern verschont. Die Arbeitslosigkeit sinkt, Staat und Bürger profitieren von niedrigen Zinsen. Die Institute warnen im Wahljahr aber vor der Hängematte – die Politik müsse für schlechte Zeiten vorsorgen.

 

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Die führenden Wirtschaftsforscher sehen Deutschland auf Erholungskurs. Für das kommende Jahr sagen die Institute in ihrem Frühjahrsgutachten einen kräftigen Aufschwung voraus. Dazu würden gut aufgestellte Firmen, niedrige Zinsen, sichere Jobs, steigende Löhne und spendierfreudige Bürger beitragen. Größtes Risiko bleibe ein Aufflammen der Euro-Staatsschuldenkrise. Die von der Koalition gefeierten Erfolge beim Schuldenabbau bewerten die Ökonomen als durchwachsen. Einen gesetzlichen Mindestlohn lehnen sie ab, wie die Institute in ihrem Gutachten hervorheben, das sie am Donnerstag in Berlin vorstellten.

Die Forschungsinstitute erwarten, dass die Konjunktur im Jahresverlauf Fahrt aufnimmt. Allerdings korrigierten sie ihre Prognose für 2013 leicht nach unten. Gingen sie im Herbst noch von einem Plus von 1,0 Prozent für 2013 aus, rechnen sie nun mit einem Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 0,8 Prozent. Das ist immer noch doppelt so viel wie die Bundesregierung. 2014 könnte die Wirtschaft dann um 1,9 Prozent oder mehr wachsen. 2012 hatte das BIP nach einem Einbruch im vierten Quartal nur um 0,7 Prozent zugelegt.

Die Lage am Arbeitsmarkt dürfte sich weiter entspannen. Im Jahresdurchschnitt kalkulieren die Institute im laufenden Jahr mit
2,9 Millionen Arbeitslosen, im kommenden Jahr mit 2,7 Millionen. Die Arbeitslosenquote dürfte von 6,7 Prozent auf 6,4 Prozent sinken, heißt es im 81-seitigen Gutachten mit dem Titel „Deutsche Konjunktur erholt sich“.

Der von SPD, Grünen und Linkspartei im Wahlkampf eingeforderte gesetzliche flächendeckende Mindestlohn würde Arbeitsplätze vernichten. „So dürfte die gegenwärtig geforderte Einführung eines Mindestlohns in Höhe von 8,50 Euro erhebliche negative Beschäftigungseffekte haben.“

Erfreulich für die Arbeitnehmer ist, dass sich die Lohntüten weiter füllen. Dank der unter dem Strich gesenkten Beiträge zur Sozialversicherung und des höheren Grundfreibetrags bei der Einkommensteuer steigen die Nettolöhne 2013 voraussichtlich um 3,3 Prozent und 2014 um 3,2 Prozent. Das stärkt die Binnennachfrage, weil die Verbraucher mehr Geld ausgeben, wie die Institute erklärten.

Die Lage in den Euro-Krisenstaaten schreckt die Märkte derzeit kaum noch – ein Nachlassen des Reformeifers in den Südländern könnte aber zu neuen Turbulenzen führen. Die Institute rügten die „teilweise chaotischen Prozesse“ bei der richtigen Beteiligung der Gläubiger am Zypern-Rettungspaket. Die Euro-Gruppe müsse rasch glaubwürdige Regeln für Banken- und Staatspleiten entwerfen.

Bei der Preisentwicklung rechnen die Institute in diesem Jahr mit einer Inflationsrate von 1,7 Prozent. Die Teuerung dürfte 2014 aber wieder auf 2,0 Prozent ansteigen. Wegen der historisch niedrigen Bauzinsen drohe zwar keine Immobilienblase. „Das Risiko ist aber sehr hoch, dass es zu Fehlentwicklungen kommt“, sagte Joachim Scheide vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW).

Bei den Staatsfinanzen winkt 2013 ein nahezu ausgeglichener Bundeshaushalt. 2014 sei ein Überschuss von 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung möglich. Die Koalition von Union und FDP profitiere von niedrigen Kreditzinsen und Steuermehreinnahmen aus der kalten Progression, bei der der Staat an Lohnzuwächsen mitverdient.
Durch die Alterung der Gesellschaft und die Verschuldung vieler Bundesländer kämen ab 2020 jedoch wohl große Probleme auf die staatlichen Sozialkassen zu. Der Bundeshaushalt müsse dann als Puffer fit gemacht sein: „Man sollte ihn nicht auf Kante nähen“, meinte Kai Carstensen vom Münchner Ifo-Institut.

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