Management Warum das Gehalt für Manager nicht alles ist

Finanzwissenschaftler Prof. Marcel Tyrell von der Zeppelin Universität Friedrichshafen

Finanzwissenschaftler Prof. Marcel Tyrell von der Zeppelin Universität Friedrichshafen© ZU Friedrichshafen

Je höher das Gehalt, desto besser der Manager? Der Finanzwissenschaftler Marcel Tyrell erklärt im Kurzinterview, wie Mitarbeiterprämien an die Effizienz gekoppelt werden können - und warum es viele Führungskräfte aus dem Ausland wieder zurück nach Deutschland zieht.

Wenn man oben mehr Geld rein steckt, kommt unten mehr raus – Vereinfacht gesagt haben so Unternehmen den Nutzen von Millionen-Bezügen für ihre Vorstände und Manager interpretiert. Ob sie auch wirklich besser arbeiten, erklärte Marcel Tyrell, Professor am Buchanan Institut für Unternehmer- und Finanzwissenschaften der Zeppelin Universität in Friedrichshafen, im Kurzinterview.

Sind teure Manager auch die besseren Manager?

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Marcel Tyrell: Das hängt davon ab, in welchen Firmen die teuren Manager arbeiten. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Firmengröße, Firmenwert und Managergehältern. Ob die nun auch besser sind, darüber streitet sich die Wissenschaft. Grundsätzlich kann man schon sagen, dass produktivere Manager, wenn sie bessere Ideen haben, die Leistung des Unternehmens steigern. Die Frage bleibt aber, welche Absolutgehälter sie dafür kassieren sollten.

Es gibt das Argument, gute Manager würden ins Ausland abwandern, wo höhere Gehälter und Boni locken.

Tyrell: Dieses Argument ist nicht stark zu gewichten. Managergehälter steigen nämlich in der Hauptsache wegen verschärfter Wettbewerbsbedingungen innerhalb eines Landes. In den letzten 10 bis 15 Jahren ist nur ein geringer Anteil an Managern aus Top-Positionen deutscher Unternehmen in Top-Positionen ausländischer Unternehmen gewechselt, obwohl in anglo-amerikanischen Unternehmen weit höhere Boni gezahlt werden. Dieser Wettbewerbseffekt ist nicht so hoch, wie behauptet wird.

Also ist Geld nicht der bedeutendste Entscheidungsfaktor?

Tyrell: Wichtig ist: Wie gut kennt ein Manager das Unternehmen? Seine Leistung, die in einem Unternehmen vielleicht recht gut ist, kann in einem anderen Unternehmen im Ausland unter anderen Bedingungen und innerhalb einer anderen Kultur ganz anders sein. Aber auch der Lebensmittelpunkt spielt eine Rolle. Es gibt viele – nicht nur unter den Managern – die in dem Moment nach Deutschland zurückgekommen sind, wenn sie Kinder und Familie gegründet haben oder wenn die Kinder in die Schule gingen. Sie haben sich einfach in ihrem Heimatland kulturell dann doch noch wohler gefühlt.

Managergehälter steigen mit dem Erfolg des Unternehmens – und bei Misserfolg? Was dann?

Tyrell: Man muss in Zukunft die Gehaltsstrukturen längerfristig gestalten. Wenn Gehälter an die Effizienz gekoppelt sind, dann müssen die Boni in eine Art Treuhandkonto überführt werden. Sie werden dann erst ausgezahlt, wenn die Manager die Firma verlassen – oder besser noch viel später. Damit können zwischenzeitliche Verluste noch auf diesem Treuhandkonto ausgeglichen werden. Nicht, dass ein Manager nach drei Jahren das Unternehmen verlässt, dabei aber Risiken angehäuft sind, die sich erst fünf Jahre später in schlechteren Marktwerten ausdrücken und offenbar werden.

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