Management Was darf es sein, Siggi Spiegelburg?

Borten, Schleifen, Glitzersteine - ohne üppige Verzierungen hält die Modemacherin es nicht aus und lockt damit Liebhaber aus ganz Deutschland in ihre Boutique.

Es gibt einen Ort am Münsteraner Hafen, da kann man von einer Wunderwelt in die nächste stolpern. Es geht gleich hinter der ersten Biegung des Hafenwegs los, da steht der Coppenrath Verlag, ein umgebauter Kornspeicher, die Heimat von Kinderbuchhelden wie Prinzessin Lillifee und Felix dem Hasen. Außen schlicht, innen eine quietschbunte Märchenwelt auf sechs Etagen. Nur wenige Schritte entfernt steht das Atelier von Siggi Spiegelburg, ein kleiner Laden mit blanken Wänden, Kulisse für die schrillen Frauenkleider, die dort in akkuraten Reihen hängen. Mittendrin steht Spiegelburg, die Macherin dieser Mode, sie umarmt noch schnell eine Kundin zum Abschied, dann weist sie den Weg zum Café Med ein paar Meter weiter, Wunderwelt Nummer drei.

Das italienische Restaurant ist voll, es ist Mittagszeit, und mit Siggi Spiegelburg an der Seite ist es nicht eben leicht, sich den Weg zu einem freien Tisch zu bahnen. Kaum hat die schöne, zierliche Frau den Laden betreten, heben sich winkend gleich mehrere Hände, werden Grüße und Umarmungen ausgetauscht. „Siggi! Wie geht es dir?“, ruft eine Frau. Und: „Der Wolfgang war auch gerade hier.“

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Darf in keinem Kinderzimmer fehlen

Wolfgang Hölker und seine Frau Siggi Spiegelburg sind eine feste Größe im westfälischen Münster. Er, der schrullige Verleger und Chef des Coppenrath Verlags, dessen Bilderbuchfiguren und vor allem das Drumherum in kaum einem Kinderzimmer fehlen. Und sie, die schillernde Modemacherin, Spross der C&A-Dynastie. Seit 25 Jahren sind die beiden verheiratet.

Drinnen im Café Med ist es so, als wäre viel von der eigenwilligen Schöpferkraft der beiden rübergeweht: Barocke Möbel mit rotem Samt stehen vor den weiß verputzten Wänden der alten Lagerhalle, von den Decken hängen üppige Lüster, vor der weiten Fensterfront spielt die Sonne mit den kleinen Wellen im Hafenbecken. Roberto Turchetto, Chef des Café Med, ist auch da und raunt Siggi durch die Menge zu, was er heute als Vorspeise bereithält: einen Salat von Radicchio, Parmesan und geräuchertem Schinken. „Ja“, ruft sie, „gern! Aber bitte nicht so viel, Roberto!“

Genäht und Mode entworfen hat Spiegelburg schon, als sie 16 Jahre alt war. „Ich kann einfach nicht anders, ich musste schon immer alles irgendwie verschönern“, erzählt sie über der Vorspeise, die nicht ganz so bescheiden ausgefallen ist wie geordert. „An alles, was mir zwischen die Finger kommt, muss ich einfach eine Borte, einen Glitzerstein oder Spitze dranmachen.“ Spiegelburg hatte Potenzial und sehr schnell einige Angebote, mit ihren Entwürfen größer und erfolgreicher zu werden. Aber sie hatte eben auch ihren Mann. Gerade 18 Jahre alt war sie und noch Schülerin, als die beiden sich kennenlernten. Hölker baute damals seine erste Immobilie zu einem Kunstatelier aus – direkt am Schulweg von Spiegelburg. „Was für ein gut aussehender Mann, habe ich immer gedacht“, sagt Spiegelburg, „und er hatte so einen süßen Rauhaardackel, ein cleveres Hündchen, das immer ohne Leine hinter ihm herlief.“

Noch ehe die Schulzeit rum war, waren die beiden ein Paar – und Spiegelburg wusste genau, wonach ihr der Sinn stand. „Ich fand es großartig, bei meinem Mann in der Firma mitzuhelfen. Damals war das noch eine kleine Bude, wie er sagen würde. Ich habe dort verschiedene Buchprojekte betreut, wir sind viel gereist, dann kamen schon schnell die ersten Erfolge, wir haben unser Leben genossen, das war herrlich.“ Schließlich machte sie noch einen eigenen kleinen Modeladen auf.

Roberto kommt mit der Hauptspeise: Es gibt Schweinebraten mit einer kräftigen Rosmarinsoße und kleinen, gebackenen Kartoffeln. Es schmeckt köstlich. „Ich hätte aus meiner Firma noch mehr machen können“, sagt Spiegelburg. „Aber ich habe mich dann für eine Familie entschieden.“

Nun ist es aber nicht so, dass Spiegelburg als Mutter bloß stillstand. Im Gegenteil. Auch zu Hause als zweifache Mami hat sie viel genäht, gestickt und verschönert – eigentlich für die Kinder. „Mein Mann kam dann immer und sagte: ‚Was ist denn das Schönes? Kann ich das mitnehmen?‘“ So landete viel Selbstgemachtes auf den Spielwarenmessen in Tokio und New York. „Wir mussten zu Hause immer aufpassen, dass der uns nicht alle unsere Sachen wegnimmt!“ Seit Jahren vertreibt Hölker eine riesige Warenwelt um seine Bilderbuchfiguren und um den Namen seiner Frau. Hersteller von Fahrrädern, Bettwäsche und Schulranzen reißen sich um die Lizenzen. Wo Spiegelburg draufsteht, ist Kassenklingeln drin.

Die eigenen Kinder des geschäftstüchtigen Paares sind längst erwachsen und gehen ihren Weg. „Wenn sie in der Stadt sind“, sagt Spiegelburg, „treffen wir uns alle hier bei Roberto zum Essen. Das ist unser Treffpunkt, unsere Auszeit von der Arbeit.“

Für Kreative
Café Med Der Chef Roberto Turchetto hat sein Restaurant im Hafen Münster mit einer Mischung aus Barock und Lagerhallenflair ausgestattet. Die Küche ist mediterran, genau wie der abendliche Blick von der beliebten Sonnenterrasse: über das breite Hafenbecken, fast bis hinein in den alten Kern der Stadt.
Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 07/2011.

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