Management Was deutsche Firmen in China gegen Mitarbeiter-Fluktuation tun

Deutsche Unternehmen beschäftigen in China mittlerweile 200.000 Mitarbeiter. Doch den Firmen fällt es angesichts der Konkurrenz zunehmend schwerer, gutes Personal zu halten. "Mit Geld allein ist es nicht getan. Die Leute müssen sich wohlfühlen", sagt der Vertriebschef einer deutschen Firma.

„China ist heute ein Arbeitnehmer-Markt und kein Arbeitgeber-Markt mehr“, sagt Zheng Qinghao, China-Chef des deutschen Mittelständlers Rittal in Shanghai. „Die Leute hier können
sehr leicht einen anderen Job finden.“ 1200 Mitarbeiter beschäftigt der Hersteller von Schaltschrank- und Klimatisierungs-Systemen sowie Server- und Netzwerkschränken aus dem hessischen Herborn in China. „Wir müssen uns sehr anstrengen, die Leute zu behalten“, sagt Zheng. Die Fluktuation bei ihren ungelernten Kräften liege im Schnitt bei 13 Prozent. In anderen Unternehmen sind es auch leicht 25 Prozent.

Gute Leute sind in China knapp. Der Mangel entwickelt sich zum großen Problem für die Expansion deutscher und chinesischer Unternehmen auf dem Wachstumsmarkt. China ist in diesem Jahr das Partnerland auf der Hannover Messe vom 23. bis 27. April. Mit mehr als 500 chinesischen Ausstellern wird es der bisher umfassendste Auftritt eines Landes auf der größten Industriemesse der Welt. Deutschland und China wollen ihrer Wirtschaftskooperation noch
zusätzlich Anschub geben. Mehr als 5000 deutsche Unternehmen sind heute schon in China aktiv und beschäftigen gut 200.000 Mitarbeiter.

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Früher wollte in China noch jeder zu einem ausländischen Unternehmen. „Das ist heute nicht mehr so“, erzählt Zheng im Rittal-Werk in der Songjiang Industriezone von Shanghai. Deutsche
Firmen genössen zwar immer noch ein guten und allemal besseren Ruf als japanische oder amerikanische, doch hätten auch chinesische Unternehmen inzwischen an Attraktivität gewonnen. Viel stärker als in Deutschland müssten sich Manager in China um ihre Mitarbeiter
kümmern, mit ihnen kommunizieren und sie motivieren, berichtet Rittal-Vertriebschef Christoph Caselitz. „Mit Geld allein ist es nicht getan. Die Leute müssen sich wohlfühlen.“

Arbeitsplatzsicherheit, Ausbildung, Perspektiven im Unternehmen, langfristige Verträge, gute Lebens- und Arbeitsbedingungen, Flexibilität bei Mutterschaft oder gemeinsame Aktivitäten mit der Belegschaft und auch Sport sind wichtig. „Wir kümmern uns um das ganze Leben unserer Angestellten“, sagt auch Gu Jiandang, China-Präsident des deutschen Mittelständlers Phoenix Contact im ostchinesischen Nanjing. Auch in der globalen Finanzkrise 2008 und 2009 habe es bei dem für seine Stecker und Klemmen bekannten Unternehmen, das in der Automatisierung, den regenerativen Energien und der Elektromobilität tätig ist, keine Entlassung gegeben.

Stetig steigende Sozialversicherungskosten

Dass Lohnkosten zweistellig steigen, ist in China auch nicht ungewöhnlich. Heute bekommen ungelernte Kräfte in der Regel brutto zwischen 1500 bis 1800 Yuan (180 bis 216 Euro). Doch erfahrene Ingenieure kommen schon auf 8000 bis 10000 Yuan (962 bis 1200 Euro).
Hinzu kommen stetig steigende Sozialversicherungskosten oder auch Aufwendungen für Transport, Unterkunft und Verpflegung. In den großen Metropolen wie Shanghai oder Peking steigen nicht nur die Löhne schneller, sondern ist auch die Fluktuation höher.

„Es ist selbst für uns immer ein heißes Thema, gute Mitarbeiter zu bekommen und zu halten“, sagt Marc Wucherer, der Chef der Industriesparte des Elektrokonzerns Siemens in China. „Als weltweit operierendes Unternehmen fällt es uns sicher leichter als anderen, aber es ist eine Frage des Trainingsprogramms, der Verantwortung, der Zukunftsperspektiven.“ Für andere, kleinere Unternehmen in China sei es aber noch schwieriger, weiß Wucherer.

„Generell ist es nicht leicht, gute Leute einzustellen“, erzählt auch der China-Chef des Automatisierungsanbieters Festo, Qiu Hualai. „Qualifizierte Mitarbeiter sind gefragt.“ Das Familienunternehmen aus dem baden-württembergischen Esslingen fördert ein gutes Betriebsklima und hat eine vergleichsweise geringe Fluktuation. „Es ist nicht nur
eine Frage der Bezahlung, sondern es hat auch viel mit einer flachen Hierarchie, der Ausbildung der Mitarbeiter und dem Vertrauen zu tun, das wir den Mitarbeitern schenken.“

Seine Beschäftigten wissen es offenbar zu schätzen. „Ich arbeite lieber bei einer deutschen Firma“, sagt Lagerarbeiter Wang der Nachrichtenagentur dpa, auch ohne dass einer der Chefs zuhört. Er ist seit sechs Jahren schon im Festo-Werk in Jinan (Provinz Shandong).
„Das Arbeitsklima ist besser. Auch die Beziehungen zu den Vorgesetzten sind gut.“

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