Management „Was für ein Gefühl der Befreiung!“

Joachim Engelmann, 73, Chemieanlagenbau Chemnitz (CAC). 2004 löste er den ostdeutschen Standort aus Lurgi heraus

Joachim Engelmann, 73, Chemieanlagenbau Chemnitz (CAC). 2004 löste er den ostdeutschen Standort aus Lurgi heraus

Worauf kommt es bei einem Management-Buy-out an? impulse-Chef Nikolaus Förster wollte es genauer wissen und sprach mit Unternehmern, die bereits einen MBO gemeistert haben. "Schauen Sie, dass Sie ohne Kredite auskommen!"

Es war ein spontaner Entschluss – damals vor fast zehn Jahren in Frankfurt. Joachim Engelmann war von Chemnitz an den Main gereist, der Lurgi-Chef hatte eingeladen. Der eröffnete ihm und 50 anderen Führungskräften, dass der Anlagenbauer 500 Leute entlassen müsse, 200 in Frankfurt und 300 in Chemnitz. Joachim Engelmann konnte es nicht fassen. Er wusste, dass ein großer Auftrag ihr ­Geschäft ins Minus gerissen hatte, aber er kannte auch das Potenzial, das im Chemnitzer Betrieb steckte. „Es wäre eine Schande gewesen, die Mitarbeiter dort auf die Straße zu setzen“, sagt er.

Kurzentschlossen stand der ostdeutsche Manager damals in der Versammlung auf und hob die Hand. „Ich bin dagegen!“, rief er in die Runde. Und schob nach: „Ich mache ein Management-Buy-out!“ Ein Raunen ging durch den Saal, alle drehten sich nach ihm um. „Wie“, fragte ihn der Chef ungläubig, „wie haben Sie sich das denn vorgestellt?“ So genau wusste er es damals noch nicht, aber seine Entscheidung stand fest, und der Chef war nicht abgeneigt.

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Die Verhandlungen gestalteten sich dennoch äußerst schwierig („man hat mir nichts geschenkt“), am 1. April 2004 war es so weit. Joachim Engelmann wurde in die Freiheit entlassen. Heute steht für den Chemnitzer fest: Es war die richtige Entscheidung. „Für uns war das wie ein Befreiungsschlag.“ Der Chemieanlagenbau Chemnitz (CAC) hat nicht nur überlebt, er ist zuletzt stark gewachsen, beschäftigt inzwischen, samt Töchtern, etwa 500 Mitarbeiter und setzte 2012 etwa 70 Mio. Euro um. „Früher mussten wir bei den Banken um Geld betteln“, erinnert sich Engelmann an schwierige und unerfreuliche Verhandlungen. Lange dauerte es, bis er sich eine ­erste Aval-Linie sichern konnte. „Heute kommen die Banken zu uns.“

Und so lautet auch sein wichtigster Rat, sich bei ­einem MBO zunächst um eine gute Finanzierung und um Eigenkapital zu kümmern: „Schauen Sie, dass Sie möglichst ohne Kredit, ohne Fremdfinanzierung, auskommen!“ Und: „Sie müssen auch mal zwei oder drei Monate überbrücken können. Wenn ein Windhauch kommt, dürfen Sie nicht umfallen.“ Sein zweiter Rat: „Sorgen Sie dafür, dass sie keine Fluktuation haben. Sie müssen sich auf Ihr Stammpersonal verlassen können – und als Eigentümer auch selbst Vorbild sein.“ Und der dritte Rat: „Schätzen Sie die Risiken gut ein, sodass Sie sich nicht irgendwann einmal verschlucken!“

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