Management Was Maschinenbauer verdienen

Der Maschinen- und Anlagenbau gilt mit etwa 930.000 Beschäftigten als das Herz des deutschen Mittelstands. Der Branche geht es unter dem Strich gut. Doch die Unternehmen klagen seit Jahren über einen Mangel an Fachleuten. Das treibt die Saläre, wie etwa die für Ingenieure. Der zweite Teil der impulse.de-Gehälterserie.

Ingenieure sind heiß begehrt. Seit Jahren klagt deshalb der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) gebetsmühlenartig über einen Mangel an Technikern. Umso entrüsteter waren die Lobbyisten als vor einigen Monaten das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die These aufstellte, dass der befürchtete Ingenieursmangel eine Erfindung sei. „Die Hochschulabgänger decken den Bedarf“, konstatierte DIW-Wissenschaftler Karl Brenke. Vielmehr könne es sogar zu einer Absolventenschwemme kommen, da die Zahl der Studienanfänger zuletzt auf Rekordniveau gestiegen sei. Und, so ergänzte Brenke, gerade im Maschinenbau gebe es keinen Grund zur Sorge, weil die Branche größtenteils keine hochspezialisierten Ingenieure beschäftige.

Gehälter für alle Ingenieursgruppen ziehen stark an

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Der VDI, der in seiner Argumentation von der Bundesagentur der Arbeit unterstützt wird, findet Brenkes Botschaft dagegen sogar „gefährlich“, weil er ein wichtiges Problem verharmlose. Laut dem VDI habe die Zahl der offenen Ingenieurstellen im Februar erstmals die Marke von 100.000 übersprungen. Die Zahl der arbeitslosen Ingenieure sank dagegen auf unter 19.000. Am häufigsten wurden Maschinenbau-, Fahrzeugbau- und Elektroingenieure gesucht.

Wenn die VDI-These stimmt, dass Ingenieure am Arbeitsmarkt seit einigen Jahren knapp sind, dann müssten die Gehälter seit einiger Zeit gestiegen sein. Und tatsächlich – laut der Vergütungsberatung Personalmarkt verdienten Berufseinsteiger zwischen den Jahren 2006 und 2011 rund 11 Prozent mehr. Ingenieure mit bis zu zehn Jahren Berufserfahrung kamen auf ein Plus von acht Prozent, Angestellte mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung erzielten ein Plus von mehr als elf Prozent.

Personalmarkt-Geschäftsführer Tim Böger meint: „Bis zum Ausbruch der Finanzkrise war der Gehaltszuwachs von Ingenieuren mit denen anderer Akademikergruppen vergleichbar“. Während der Krise im Jahr 2009 sei auffällig gewesen, dass die Erfahrenen keine Einbußen hinnehmen mussten, während sich die Einsteiger für weniger Geld einstellen ließen. Seit Ende der Krise, so Böger, zögen die Gehälter für alle Ingenieursgruppen stärker an als für alle anderen Akademiker.

Mehr Geld im Süden, weniger Geld im Norden

Was müssen Unternehmen des Maschinenbau- und Anlagenbaus nun aber Ingenieuren (sie stellen 17 Prozent der Gesamtbelegschaft dar) und weiteren Berufsgruppen bezahlen? Personalmarkt hat für impulse.de die Gehälter analysiert. Derzeit verdienen Fachkräfte (ohne Personalverantwortung) im Maschinenbau durchschnittlich 46.325 Euro, in Firmen bis 100 Mitarbeiter erhält man rund 44.117 Euro, in Firmen bis 1000 Mitarbeiter 55.411 Euro, in Firmen mit über 1000 Mitarbeitern 58.001 Euro.

Analysiert man die Gehälter nach Regionen zeigt sich, dass Fachkräfte ohne Personalverantwortung im Süden Deutschlands am meisten verdienen (48.121 Euro), am wenigsten (35.565 Euro) erhalten Angestellte aus dieser Gruppe in der Region Mitte-Ost (Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen). Stellvertretend für die Gruppe der Fachkräfte ohne Personalverantwortung steht Martin Dettmer (Name geändert). Der 33-jährige Diplom-Ingenieur arbeitet in der Produktion einer hessischen Firma. Er erhält 61.463 Euro Jahresgehalt.

Maschinenbauer gelten nicht als „Gehaltsoptimierer“

In Abgrenzung dazu verdienen Führungskräfte (mit Personalverantwortung) durchschnittlich 96.200 Euro in Deutschland. In Firmen bis 100 Angestellte erhält man durchschnittlich 90.745 Euro, in Firmen bis 1000 Mitarbeiter 105.157 Euro, in Firmen über 1000 Mitarbeiter 111.751 Euro. Firmen in Süddeutschland zahlen auch bei diesem Vergleich wieder am besten (102.481 Euro), am schlechtesten dagegen zahlen Unternehmen in der Region Nord (89.557 Euro).
Stellvertretend für diese Gruppe steht Stefan Kluge (Name geändert). Der 46-Jährige ist Technischer Leiter in einem Maschinenbau-Unternehmen in Nordrhein-Westfalen. Der Diplom-Ingenieur, der ein Team von 25 Kollegen führt, nimmt 107.000 Euro Jahresgehalt mit nach Hause, und darf einen Firmenwagen nutzen.

Personalmarkt hat zudem die Saläre von fünf verschiedenen Berufsbezeichnungen im Maschinenbau einer Prüfung unterzogen. So verdiente bei Firmen von einer Größe von 100 bis 1000 Mitarbeiter ein Produktionsleiter mit Personalverantwortung knapp 81.000 Euro, ein Technischer Leiter mit Personalverantwortung rund 94.800 Euro, ein Ingenieur in der Produktion rund 60.000 Euro, ein Meister in der Serienfertigung 42.700 Euro und ein Mechatroniker 33.200 Euro.

Ingenieure gelten gemeinhin nicht als „Gehaltsoptimierer“, wie es Personalmarkt-Chef Böger ausdrückt. Was bedeuten würde, dass man etwa durch Wechsel des Arbeitgebers die Vergütung in relativ kurzen Zeiträumen möglichst zügig in die Höhe treibt. Darin seien Banker, Juristen und Betriebswirte im Allgemeinen deutlich geschickter.

Allerdings ist die Branche der Maschinenbauer sehr stark organisiert. Mitarbeiter in Branchen, die von großen Unternehmen und einem entsprechend hohen Einfluss der Gewerkschaften geprägt sind, profitieren in der Regel stärker als Berufsgruppen, die traditionell einen geringen Organisationsgrad aufweisen. Voraussetzung ist natürlich, dass sie ihren Arbeitsplatz behalten. Der Mechanismus ist bekannt: Unternehmen geraten in eine Krise und trennen sich von Mitarbeitern. Dann zieht die Konjunktur wieder an und für die verbliebenen Mitarbeiter macht sich ein hoher Organisationsgrad sehr positiv bemerkbar.

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