Management Weil es immer noch ein wenig besser geht

DIHK und impulse zeichnen Unternehmen aus, die mit überzeugenden Neuheiten aufwarten können. Drei Gewinner des Wettbewerbs "Potenzial Innovation" im Porträt

Das muss doch auch anders gehen – besser nämlich. Dieser Impuls setzt viele Innovationen in Gang. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, auf Kurs zu bleiben und von der Idee tatsächlich bis zu einem Produkt oder zu einer Dienstleistung zu kommen, die das Leben ein wenig besser und angenehmer machen.

Gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat impulse deutsche Unternehmen aufgefordert, sich mit echten Neuheiten am Wettbewerb „Potenzial Innovation“ zu beteiligen.

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Die fünf hochkarätigen Juroren haben zehn Gewinner ausgewählt. Erbslöh Geisenheim, Power Plus Communications, Engel Dataconcept und Global Office hat impulse bereits im September-Heft vorgestellt. In dieser Ausgabe folgen die Gewinner fünf bis sieben, in der November-Ausgabe werden die drei noch ausstehenden Innovatoren präsentiert: Isocal, Synview und IMK Automotive.

Street View, ganz ohne Kamera

Strichlisten führen im Abgasdunst, ist das noch zeitgemäß? Das fragte sich Hartmut Ziegler vor fünf Jahren. 40.000 Menschen standen damals mit Zetteln an deutschen Straßen, um das Verkehrsaufkommen zu messen. Zieglers Firma DTV-Verkehrsconsult hatte die Listen auszuwerten. Das müsste doch anders gehen, dachte Ziegler: gesünder und effektiver.

Mit seinem Team entwickelte der Ingenieur ein Verkehrsmonitoringsystem, das mit elektronischen Zählgeräten arbeitet, die in Leitpfosten versteckt sind. Die Geräte messen Anzahl und Art der vorbeifahrenden Fahrzeuge, außerdem Fahrtrichtung und Geschwindigkeit. Die Installation funktioniert „per Plug and play“, sagt Prokurist Thorsten Kathmann. „Alten Leitpfosten raus, den neuen, präparierten rein, Schloss zu, fertig.“ Das eingebaute GPS-Modul im Gerät sendet automatisch seine Positionsdaten und alle Infos an die Datenzentrale – 24 Stunden jeden Tag.

Der Verkehrsfluss lässt sich so genauer und flächendeckend messen, erstmals auch nachts. Zudem sparen die Auftraggeber bei Bund oder Ländern bis zu 25 Prozent der Kosten. Statt nur alle fünf Jahre – wie bisher – kann kontinuierlich gezählt werden. Das Monitoring verknüpft aktuelle Echtzeitdaten mit historischen Daten und schreibt sie dann intelligent fort. „Eine verlässliche Datengrundlage für eine moderne und zukunftsweisende Verkehrssteuerung und Infrastrukturplanung“, lobt Marion Weissenberger-Eibl von der Wettbewerbsjury. „Das Marktpotenzial für solche Dienste ist enorm groß und wird künftig noch weiter steigen.“

Tatsache. Durch die Innovation steigerte DTV-Verkehrsconsult seinen Umsatz bereits um 30 Prozent auf rund 1,2 Mio. Euro. Vier Arbeitsplätze sind neu entstanden. Nach Pilotprojekten in fünf Bundesländern hat sich jetzt Baden-Württemberg für das DTV-Monitoring entschieden. Derzeit installiert die Aachener Firma Zählgeräte an 4500 Stellen. Jüngst hat das österreichische Bundesland Vorarlberg angeklopft. Und Forschungsinstitute. Sie versprechen sich detaillierte Informationen zum Fahrverhalten.

Datenschützer haben sich noch nicht gemeldet. Kein Wunder, sagt Ziegler: „Im Gegensatz zu Street View erheben wir ja nur statistische Daten, die vollständig anonym sind.“

Null Bock auf Leerlauf

Ein Ein-Liter-Auto, das nur alle 200.000 Kilometer Wartung und Ölwechsel braucht“, hat Quint SDI erfunden. Allerdings nicht als Auto, sondern als Anlage für die Druckindustrie. Aber bevor Firmenchef Michael Braner beschreibt, wie das Energie- und Prozess-Management-System EPMS die Energieströme und Motorenleistungen im Druckprozess verknüpft und optimiert, greift er zum anschaulichen Vergleich. Dann legt Braner los und erklärt, wie EPMS Kompressoren, Pumpen, Kühlung, Ventilatoren und Filter so miteinander verzahnt, dass die Temperierleistungen dem jeweiligen Leistungsgrad der Maschinen angepasst werden. Arbeitet eine Maschine gerade weniger, wird sie automatisch weniger gekühlt.

Die Druckqualität steigt, der Chemikalieneinsatz sinkt, und Schmutzwasser, das als Sondermüll entsorgt werden müsste, fällt gar nicht mehr an. Die Jury lobt die „Optimierung der Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter – zum Beispiel durch den drastisch reduzierten Einsatz von chemischen Reinigungsmitteln“, sagt DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann.

Zugleich wird Wärme, die im Druckprozess entsteht, zum Heizen der Räume rückgewonnen. Der Einbau eines solchen Systems kostet je nach Größe der Druckerei zwischen 100.000 und 450.000 Euro. Noch dieses Jahr entsteht die erste klima- und energieneutrale Druckerei. „Wir ermöglichen unseren Kunden, nachhaltig zu arbeiten und gleichzeitig noch Geld zu sparen“, sagt Geschäftsführer Braner. „Das nützt dem Firmenkonto genauso wie der Umweltbilanz.“ Die Zahlen geben ihm recht. Eine mittlere Druckerei spart mit EPMS bis zu 70 Prozent ihres Energiebedarfs. Pro Jahr macht das rund 45.000 Euro und 230 Tonnen CO2 aus.

20 Anlagen sind bereits verkauft. Der Umsatz der Firma aus dem hessischen Kailbach ist um ein Viertel auf rund 2 Mio. Euro gestiegen. Acht neue Arbeitsplätze werden geschaffen. Bis 2014 soll die heute 25-köpfige Belegschaft verdoppelt werden. Zu tun hat die genug: „Die Innovation hat uns Türen geöffnet“, sagt Braner. Wärmerückgewinnung ist eben nicht nur in der Druckindustrie ein Thema. Seit Anfang des Jahres hat Quint SDI bereits zwölf Kunden gewonnen, darunter ein Reifenhersteller, ein Metallverarbeiter und ein Zahnbürstenproduzent.

Wenn Roboter am Rad drehen

Matthias Goeke bringt Angela Merkel zum Staunen. Beim Besuch der Hannover Messe 2008 war die Bundeskanzlerin so fasziniert, dass sie sich anschließend sogar Details vom firmeneigenen Softwareprogrammierer erklären ließ. Was sie so fasziniert hatte: ein riesiger Roboterarm, der im Automobilbau die Radmontage übernimmt – gesteuert von einer 3-D-Kamera, vollautomatisch und bei laufenden Förderbändern.

Der Einbau der Räder gilt Autobauern als Königsdisziplin, bei der sie auf die manuellen Fertigkeiten ihrer Werker vertrauen. Die Erfindung der IBG Technology Hansestadt Lübeck fordert ihnen ein völlig neues Herangehen ab – schon deshalb, weil das Rad in der Mitte der Felge und nicht wie bisher üblich am Außenrand gegriffen wird.

Das führe schon mal zu Stirnrunzeln, sagt Geschäftsführer Goeke: „Viele potenzielle Kunden sehen zwar die automatische Montage, trauen aber ihren Augen nicht.“ Dabei bietet seine Anlage viele Vorteile. Die Qualität des Schraubprozesses steigt deutlich, dadurch reduzieren sich die Nacharbeiten auf ein Minimum. Der Raumbedarf für die Arbeiten lässt sich um bis zu zwei Drittel herunter-schrauben. Durch den Wegfall von zwei bis zwölf Mitarbeitern sinken die Fertigungskosten, und die Produktivität steigt. Goeke verweist außerdem auf „die hohe Verfügbarkeit der Anlage von 99,9 Prozent“. Anders ausgedrückt: Roboter werden nicht krank.

Die impulse-Jury lobt IBG als „Beispiel für herausragende Ingenieurleistung“. Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller: „Innovationen wie diese sichern unseren Vorsprung gegenüber den internationalen Wettbewerbern, die durchaus aufgeholt haben.“ Seitdem die Anlage 2009 in den Serienbetrieb gegangen ist, arbeiten bereits Großkunden von BMW über Daimler bis VW und Audi mit der Technik. Weitere Anlagen bei Toyota in Japan und bei Kia in Korea sind geplant. Bis 2015 rechnet Goeke mit einem Umsatz allein mit dieser Technik von 25 bis 30 Mio. Euro.

Der Firmenchef sieht „ein riesengroßes Spielfeld“ vor sich. Auf der diesjährigen Hannover Messe war Kanzlerin Merkel wieder bei IBG. Und bestaunte die Montage von Autotüren im laufenden Betrieb.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 10/2010.

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