Management „Welche Eigenschaften gehören zum Mindset eines interkulturell erfolgreichen Managers?“

"Welche Eigenschaften gehören zum Mindset eines interkulturell erfolgreichen Managers?", fragt Martin Schnaack. Er ist Geschäftsführer und Inhaber der Kommunikationsagentur Avantgarde, die weltweit 14 Standorte hat.

Manager müssen sich ihre Vorurteile bewusst machen

Prof. Dr. Alois Moosmüller lehrt am Institut für Interkulturelle Kommunikation, Ludwig-
Maximilians-Universität München, und lebte lange in Japan

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Für mich ist die Fähigkeit zum Perspektivwechsel die wichtigste interkulturelle Kompetenz. Den Blick in andere Lebenswelten kann ich mir bewusst aneignen. Ich kann Dinge vergleichen, um meine Kultur besser zu verstehen. Ich muss meinen Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen hinterfragen und meine Gefühle analysieren. Viele Menschen reagieren auf
ungewöhnliche Situationen zunächst mit Irritation. Unser erster Impuls lässt uns in alte Muster verfallen. Dazu gehören Stereotype und Vorurteile. Diese Automatismen nehmen wir kaum wahr.
In multinationalen Unternehmen wird interkulturelle Kompetenz oft selbstverständlich erwartet. Internationale Manager sollen global fit sein. Das ist problematisch!

Denn das erzeugt Druck, und die Manager werden versuchen, sich als „global minded“ zu
präsentieren, auch wenn sie das gar nicht sind. Die meisten Menschen sind eben ethnozentrisch eingestellt, schätzen also ihre eigene Kultur höher ein als andere Kulturen. Die Gefahr ist, dass Manager ihre tatsächlichen Einstellungen ignorieren und Offenheit
vorspielen. Deshalb verstehe ich interkulturelle Kompetenz vor allem als Fähigkeit, sich der eigenen ethnozentrischen Einstellungen bewusst zu werden und sie zu reduzieren. Dafür
muss ein Klima der Akzeptanz interkultureller Probleme herrschen. Nur dann können Manager lernen, ihre ethnozentrischen Einstellungen abzubauen.

Interkulturelle Kompetenz kann man lernen

Prof. Dr. Jutta Berninghausen lehrt interkulturelles Management an der Hochschule
Bremen und forschte neun Jahre in Indonesien

Auslandserfahrung allein reicht nicht, um interkulturell erfolgreich zu sein. Eine intensive interkulturelle Vorbereitung ist meiner Ansicht nach zwingend notwendig. Und die sollte fachlich fundiert sein. Denn wenn ich nur mit „alten Hasen“ spreche, dann übernehme ich lediglich die immer gleichen Vorurteile und gebe neuen Erfahrungen keine Chance. Interkulturelle Kompetenz entsteht auf drei Ebenen. Erstens auf emotionaler Ebene: Ich muss mir darüber
bewusst werden, dass meine eigene Wahrnehmung subjektiv und stark kulturell geprägt ist. Zweitens auf kognitiver Ebene, der Wissensebene.

Manager sollten über Unterschiede zwischen den beiden Kulturen Bescheid wissen, über Land und Leute, aber wenn möglich auch die Sprache sprechen. Es ist wichtig, unterschiedliche Wertehaltungen zu kennen. Als Drittes dann die Handlungsebene. Mein Wissen über Kulturunterschiede muss ich auch umsetzen können. Metakommunikation nennen wir die Fähigkeit, über Kulturstandards sprechen zu können. Alle drei Ebenen haben großen Einfluss aufeinander. Bei manchen Menschen sind einige der Eigenschaften stärker ausgeprägt.
Das heißt aber nicht, dass man sich interkulturelle Kompetenz nicht aneignen kann.

Anpassungsfähigkeit ist auch wichtig, aber nur in Maßen. Äußert ein Geschäftspartner zum Beispiel Überzeugungen, die ich absolut nicht nachvollziehen kann, dann sollte
ich diese nicht aus Höflichkeit einfach abnicken. Sonst entstehen womöglich Fehlinterpretationen und schwerwiegende Missverständnisse. Wenn ich aber
in manchen Kulturkreisen zu deutlich sage, dass ich eine Idee falsch finde, dann wird das als Affront gesehen. Große Teile unserer Kommunikation funktionieren heute virtuell. Das kann
kulturelle Unterschiede zusätzlich verschärfen. Denn Schriftliches, etwa
in E-Mails, wirkt auf den Empfänger oft viel härter als Mündliches. Umso wichtiger ist es, kulturelle Unterschiede vorher zu kennen.

Interkulturelle Kompetenz ist abhängig von der Umgebung

Prof. Dr. Jürgen Bolten lehrt im Fachgebiet Interkulturelle Wirtschaftskommunikation
an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Grundsätzlich lässt sich zwischen sehr spezifischen Kenntnissen der Arbeitsumgebung und allgemeinen Fähigkeiten unterscheiden. Beides ist gleichermaßen wichtig für einen kompetenten Manager oder Unternehmer. Zu den allgemeinen Fähigkeiten zählen die Fähigkeit zur Kommunikation, Rollendistanz und Einfühlungsvermögen. Ich muss fähig zur Kommunikation
sein, nicht nur sprachlich, auch selbst die Initiative ergreifen können. Rollendistanz beschreibt
die Fähigkeit, sich selbst auf den Kopf schauen zu können. Was läuft in dem Gespräch gerade falsch? Wie kann ich das ändern?

In der Pädagogik werden vier Teilkompetenzen unterschieden: Sozialkompetenz, Fachkompetenz, Selbstkompetenz und Methodenkompetenz. Alle vier sind entscheidend für einen interkulturell fähigen Manager. Sie müssen nur auf eine konkrete Umgebung
übertragen werden. Interkulturelle Kompetenz ist nichts anderes als das Übertragen der vorhandenen Kompetenzen in eine neue Umwelt. Es gibt keine eigene interkulturelle Kompetenz! Ich muss zum Beispiel genauso fachlich kompetent sein wie in
Deutschland, um eine Maschine im Ausland zu verkaufen. Gleichzeitig muss ich sie aber den Menschen vor Ort auch erklären können und ein Gefühl für kulturelle
Besonderheiten haben. Eigne ich mir durch Seminare oder Bücher Sitten und Bräuche meines
Gastlandes an, dann schürt das nur Vorurteile.

Die Realität sieht immer anders aus als in Managementlehrbüchern. Manchmal kann das auch schiefgehen, und ich scheitere. Dann nämlich, wenn mir ein Geschäftspartner gegenübersteht, der in unterschiedlichen Lebenswelten aufgewachsen ist. In unserer globalisierten Welt sind solche Lebensläufe keine Seltenheit. Ich bin darum auf der sicheren Seite, wenn ich mich nicht ausschließlich länderbezogen verhalte, sondern mich auf jede Geschäftsbeziehungspeziell einstelle.

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