Management Betrug auf Lkw-Fahrten kann für Auftraggeber teuer werden

Straßen, Autos, Verkehr

Der Verkehr auf deutschen Autobahnen.© Markus Langer - Fotolia.com

Im Transportgewerbe wird geklaut, geschmuggelt und gegen das Arbeitsrecht verstoßen. Für die Auftraggeber der Spediteure können die Gesetzesbrüche zum kostspieligen Problem werden.

Lars Böttcher ahnte nichts Böses. Der Geschäftsfeldleiter Kieselsäuren beim CWK Chemiewerk Bad Köstritz hatte im Sommer 2012 eine Spedition aus der Nachbarschaft beauftragt, 20 Tonnen Kieselsol zu einem Kunden in die Schweiz zu transportieren. Was er nicht wusste: Der Spediteur fuhr die 18 Behälter mit dem Stoff zur Herstellung von Farben gar nicht selbst. Er versteigerte die Tour stattdessen in einer Internet-Frachtbörse. Den Zuschlag bekam ein unbekannter slowenischer Transporteur. Der holte die Ware zwar wie geplant ab, mit allen Papieren. Doch die Chemikalien kamen niemals in der Schweiz an. „Freitag sollte die Ladung da sein, Montag rief mich mein Kunde an, fragte, wo sie bleibe“, sagt Böttcher. Er wollte bei der slowenischen Spedition nachfragen. Ohne Erfolg, die Firma war nicht erreichbar.

Es stellte sich heraus, dass der Subunternehmer sich nur zum Schein in der Onlinebörse angemeldet hatte, mit dem Ziel, Fracht zu stehlen. Immerhin, für die geklauten Behälter bekam das Chemiewerk CWK 35 000 Euro von der Versicherung des deutschen Spediteurs. Das nützte aber Böttchers Kunden nichts, der für seine Produktion dringend Nachschub an Kieselsol brauchte. „Zum Glück hatten wir noch genug auf Lager“, sagt Böttcher. Er schickte den Schweizern seine Reserven, die zeigten Verständnis. Und der Fabrikant war erleichtert: „Der Schaden hätte noch deutlich höher ausfallen können.“

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Unternehmen, die ihre Ware von einem Transportpartner ausliefern lassen, gehen ein Risiko ein. In der Logistik sind kriminelle Aktivitäten weiter verbreitet als in anderen Branchen, das hat der Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PWC) Ende vergangenen Jahres in einer Studie festgestellt. Vor allem Diebstahl, Schmuggel und Bestechung sind im Transportwesen häufig. Hinzu kommen Überschreitungen der gesetzlichen Lenkzeiten. Schreiten der Zoll oder die Polizei gegen solche Rechtsverstöße ein, unterbricht das den Warentransport – mit allen negativen Konsequenzen.

Die Versicherung zahlt nicht alles

Selbst wenn der Transporteur, wie im Fall der Chemiefirma CWK, versichert ist, gibt es nicht für jeden Schaden einen finanziellen Ausgleich. Der Spediteur muss nachweisen, dass er alles getan hat, um seine Leute zu kontrollieren, sonst darf der Versicherer die Zahlung verweigern. Wenn dann der Logistiker seinem Kunden nicht selbst den Schaden ersetzen kann, bleibt der letztlich auf den Kosten sitzen. Zudem zahlen die Assekuranzen immer nur für die versicherten Risiken wie Diebstahl oder auch Einnahmeausfälle bei Betriebsunterbrechung, nicht aber für den Ärger, weil Kunden auf eine Lieferung warten müssen oder das Image leidet.

Die gute Nachricht: Die Transportbranche ist inzwischen gezwungen, sich verstärkt mit dem Thema „Compliance“, also dem Einhalten von Regeln, zu befassen. Die international verschärfte Verfolgung von Korruption lässt viele Konzerne vorsichtiger werden. Sie lassen ihre Dienstleister umfangreiche Compliance-Erklärungen unterschreiben, um sich selbst ab­zusichern. Logistiker reagieren mit Anti-Korruptions-Schulungen, führen Kontrollen ein, um Schmuggel und Diebstahl einzudämmen. Verbände und staatliche Stellen vergeben Zertifikate für die Einhaltung bestimmter Verhaltensregeln.

Die Chancen, dass Unternehmen einen Transportpartner finden, der sich systematisch an Recht und Gesetz orientiert, stehen heute besser denn je, sagt Thorsten Blecker, Professor am Institut für Logistik und Unternehmens­führung der TU Hamburg-Harburg. Blecker rät Unternehmern, gezielt bei Logistikern nachzufragen, was sie in Sachen Kriminalitäts- und Korruptionsvermeidung unternehmen.

Wichtig ist auch, in Frachtverträgen festzulegen, wie Transportdienstleister mit Subunternehmern verfahren sollen. Oft werden Aufträge gleich über mehrere Stufen weitergereicht. Etwa wenn ein deutscher Spediteuer einen Transport von Nordrhein-Westfalen nach Lettland übernimmt, die Tour aber einer polnischen Firma überlässt, die wiederum einen Fahrer engagiert, der auf eigene Rechnung arbeitet. Für den Auftraggeber ist hier kaum noch nachvollziehbar, ob sich alle an die Vorschriften halten.

Um Fehltritte auszuschließen, setzt Zoll-Systeme bei Stuttgart auf das Vier-Augen-Prinzip. Der Chef von 200 Mitarbeitern lässt sich alle Verträge mit Subunternehmern zeigen, er prüft, ob die vereinbarten Preise marktkonform sind, die Rechnungssumme zur Ladungsmenge passt und die Leistung wirklich erbracht wurde. „Kunden fragen immer häufiger, ob und wie wir so etwas kontrollieren“, sagt Lege. Er hat zudem ein Risiko­managementsystem installiert, um sicherzu­gehen, dass Fahrer ihre Lenkzeiten nicht überschreiten und Hänger nicht zu lange allein lassen – wegen der Diebstahlgefahr.

Vorsicht bei Dumpingpreisen

Das alles kostet Geld. Doch der Preisdruck in der Logistikbranche ist hoch. Einige Spediteure oder ihre Subunternehmer verzichten daher nicht nur auf Prävention. Sie versuchen, Fahrer länger am Steuer sitzen zu lassen als erlaubt, um günstiger anbieten zu können. Eine Spedition aus Süddeutschland beispielsweise galt in der Branche seit Jahren als notorischer Billigheimer, der auf wundersame Weise stets zu niedrigeren Preisen fahren konnte als die Konkurrenz.

Im Februar 2011 rückte dann die Staatsanwaltschaft zur Razzia bei der Firma an. Fahrer sollen systematisch gesetzliche Ruhezeiten ignoriert haben. Experten raten daher bei extrem günstigen Frachtraten zu großer Vorsicht. Die Dumpingpreise könnten sich im Nachhinein noch als sehr teuer erweisen.

 

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Checkliste – Was bei der Logistiker-Beauftragung zählt

 

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1 Kommentar
  • V 480 Truck 29. Juli 2013 17:47

    Vor lauter schwarzen Schafen , sieht man kein weisses mehr.
    Ausbeutung ist schon Normalität im kriminellen Transportgewerbe

    Kommentar: Wie schon öfters von mir behauptet, arbeitet die Transportbranche am Rande der Legalität. Sie ist meiner Ansicht nach, eine kriminelle Vereinigung. Die Fahrer werden , ausgebeutet, schikaniert und zum Betrug mit der Fahrerkarte gezwungen. Obwohl in der Öffentlichkeit längst bekannt , billigt der Gesetzgeber das Treiben.Die Löhne werden um die Hälfte des Tariflohnes unterschritten, Überstunden nicht bezahlt und dann wundert sich die Transport – Mafia, dass sich kein Nachwuchs mehr findet. Wer heute für diese Wucherlöhne arbeitet , findet sich später in der Rente , bei der Sozialhilfe.Der Gesetzgeber, sollte dem Treiben ein Ende setzen und den Betrügern , die Transportgenehmigung entziehen, dann trennt sich automatisch , die Spreu vom Weizen.

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