Management Wer die Stunde trägt

Einmal im Monat stellt impulse Unternehmerspielzeug vor. Dieses Mal: Computeruhren, wie sie heute aussehen und morgen aussehen werden.

Heute

Wer eine Uhr trägt, die mehr kann, als nur die Zeit anzuzeigen, begibt sich modisch in Gefahr. Zwar sind die Taschenrechner-uhren der 80er-Jahre bei Retrofreunden durchaus wieder en vogue. Und mit einer Pulsuhr inszeniert man sich trefflich als Leistungsträger auf dem Weg zum nächsten Marathon. Stilistisch aber sind die plastikknopfübersäten Gadgets der Tod für jedes stilvolle Outfit.

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Auch die neuen Multifunktionsuhren, die jetzt auf den Markt kommen, sind ästhetisch vielleicht nicht jedermanns Sache, aber durchaus businesstauglich – als Werkzeug und Gesprächsgegenstand. Mit der Computeruhr Pebble etwa hat man den neuen Liebling des Silicon Valley am Arm: Vorbestellungen in der Rekordhöhe von mehr als 10 Mio. Dollar hat das Startup Allerta auf der Finanzierungswebsite Kickstarter.com eingefahren. Pebble greift per Bluetooth auf die Daten und Sensoren des Smartphones zu; Anrufe, Nachrichten, Mails, Termine erscheinen diskret am Handgelenk.

Die frei programmierbare Uhr kann mit Apps erweitert werden, zum Fahrradtacho oder Golfcomputer etwa. Ein ähnliches Konzept und italienisches Design bietet die I’m Watch. In ihr läuft das Handybetriebssystem Android – wie in der weniger schicken Smartwatch von Sony. Körperbewusste Kunden warten auf die Uhr Basis, die auf der Unterhaltungselektronikmesse CES für Aufsehen gesorgt hat: Ihre Sensoren messen laufend Puls, Stoffwechsel, Temperatur, Stress und Bewegung, die Daten werden in ein Onlinetagebuch übertragen.

Übermorgen

Stell dir vor, deine Vision wird wahr und keinen interessiert’s. Was haben sich Agentenfilm-Regisseure nicht alles an Gimmicks für die Armbanduhr ausgedacht: Kamera, Telefon, Peilsender. Gähn. Heute gibt’s Spionuhren im Versandhandel, doch als Technikmultitalent fasziniert das Smartphone. Irgendwie logisch also, dass Ingenieure und Materialforscher an Mobiltelefonen arbeiten, die sich ums Handgelenk wickeln lassen.

Antennen, Bildschirme, Solarzellen, Schaltkreise, Lautsprecher aus flexiblen Materialien existieren bereits – dank biegsamer Elektronik, sagt Peter Harrop von der Technologieberatungsfirma IDTechex, wird Technik wie eine „intelligente Haut“ unseren Alltag in einer völlig neuen Art durchsetzen. Philips träumte bereits von einem Aufroll-handy namens Fluid, wirklich erscheinen wird in diesem Jahr wohl Samsungs faltbares Smartphone Galaxy Skin.

Das radikalste Konzept verfolgen Forscher des taumelnden Riesen Nokia: In ihrer mit der University of Cambridge erstellten Designstudie Morph schlagen sie ein iPad-großes Bord aus Nanomaterial vor. Es beherbergt mikroskopisch kleine Schaltkreise, Solarzellen und Bildschirmelemente – sogar Sinneshärchen, die Schadstoffe erschnüffeln. Auf Befehl erschlafft das Material, wird auf Handyformat oder zum Armband gefaltet und versteift wieder, Anzeigen und Tasten treten im jeweils passenden Format aus dem Material hervor. Die Entwicklung der Materialien steht allerdings noch ganz am Anfang.

1 ArmbandAndroide Smartwatch von Sony, ab 90 Euro, www.sonymobile.com
2 Smartphones Liebling Pebble von Allerta, 150 Dollar, bisher nur auf Vorbestellung, www.getpebble.com
3 Körpermesser Basis von Basis Science, 199 Dollar, bisher nur auf Vorbestellung, www.mybasis.com
Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 06/2012.

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