Management „Wie der ägyptische Präsident im Endeffekt heißt, ist egal“

Nach dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi steht Ägypten wieder vor einem Neuanfang: Die Verfassung soll überarbeitet und eine neue Regierung gewählt werden. Was erhoffen sich Unternehmer in dem ehemaligen Boomland? impulse.de hat darüber mit Peter Schweinsteiger gesprochen. Er ist Deutschland-Chef eines Unternehmens, das einer ägyptischen Holding gehört.

impulse: Herr Schweinsteiger, was bedeutet der Putsch in Ägypten für die Wirtschaft?

Peter Schweinsteiger: Unser Eigentümer in Ägypten hat am Telefon zu mir gesagt: „1973 haben wir einen Teil Ägyptens befreit, den Sinai. Jetzt ist auch der Rest des Landes frei.“ Insgesamt sind die Unternehmer im Land erleichtert.

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impulse: Worauf hoffen Sie?

Schweinsteiger: Viele Investoren haben abgewartet, sie hatten kein Vertrauen in die Regierung Mursis. Ein säkularer Kurs der Regierung, der die Interessen der Wirtschaft wieder mehr beachtet, ermutigt sie sicher, wieder zu investieren. Dann erholt sich die Wirtschaft schnell. Das ist natürlich auch für uns gut: Wir verkaufen Sicherheitsprodukte. Wenn beispielsweise wieder mehr gebaut wird, verkaufen wir auch mehr.

impulse: Welches Signal bringt die Investitionen wieder in Gang?

Schweinsteiger: Der wichtigste Punkt ist eine neue Verfassung, mit säkularen Strukturen und nicht mit religiösen. Die Übergangsregierung wird eher aus Technokraten bestehen. Sie muss mit Profis besetzt werden, die wissen, was Ägypten braucht. Wie der Präsident im Endeffekt heißt, ist dann egal.

impulse: Was ist stattdessen wichtig?

Schweinsteiger: Mursis Regierung hat nach der Wahl zentrale Posten in den Ministerien neu besetzt – leider mit Leuten ohne Fachkenntnisse. Dadurch sind im vergangenen Jahr viele Entscheidungen sehr langsam getroffen worden. Die Bürokratie ist schlimm geworden. Der internationale Handel ist in letzter Zeit ins Stocken gekommen, weil Devisen fehlen. Außerdem sind die Preise im Land gestiegen. Die Islamisierung hat sich auf die ganze Gesellschaft schlecht ausgewirkt.

impulse: Was wird die Muslimbruderschaft nun tun?

Schweinsteiger: Man fragt sich natürlich, ob sie die Absetzung akzeptieren. Wenn sie selbstkritisch wären, müssten sie zugeben, dass sie insgesamt gescheitert sind. Schließlich haben tagelang Hunderttausende Menschen gegen sie protestiert. Trotzdem sind sie noch eine große gesellschaftliche Gruppe, die im Gegensatz zu anderen Kräften gut organisiert ist. Sie werden wahrscheinlich immer ein Faktor bleiben.

impulse: Einige befürchten einen Bürgerkrieg.

Schweinsteiger: Unsere Partner erwarten keinen Krieg. Vielleicht sind sie sehr optimistisch. Aber die Muslimbrüder scheinen momentan nicht in der Lage, sich zu erheben. Für Mursi muss es ein ziemlicher Schock gewesen sein. Er hat die vom Militär angedrohten Konsequenzen unterschätzt.

Peter Schweinsteiger ist Deutschland-Chef des Feuerlöscher-Herstellers Bavaria Brandschutz. Das Unternehmen gehört zu einer ägyptischen Holding und ist nach eigenen Angaben Marktführer im Nahen Osten.

2 Kommentare
  • Wiebke Harms 10. Juli 2013 12:53

    Hallo Frau Sigl,
    besten Dank für den Hinweis und die Infos!
    Viele Grüße
    Wiebke Harms

  • romy sigl 6. Juli 2013 18:59

    Hallo Frau Harms,
    wir organisieren im Moment ein Startup-Coworking Camp für 6 Wochen im Herbst/Winter 2013. Favorisierte Destination der TeilnehmerInnen ist aktuell Ägypten. Falls Sie mehr darüber wissen wollen:
    http://www.tiny.cc/COWOpress

    vg romy sigl

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