Management Wie man jetzt noch Karten für die Fußball-EM bekommt

Ein Dutzend Mitarbeiter einladen und ab nach Kiew? Oder für Geschäftsfreunde eine VIP-Loge fürs Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft buchen? Noch ist es nicht zu spät dafür.

Das Büro von Markiyan Lubkivskiy bietet einen grandiosen Ausblick. Stolz zeigt der Turnierdirektor der Fußballeuropameisterschaft auf seine Stadt, von hier oben, einem hellen Raum im 21. Stock des höchsten Gebäudes der Ukraine, sieht Kiew bestens sortiert aus. Unten leuchtet das nagelneue Stadion in der Sonne, und die Goldkuppeln der berühmten Kirchen strahlen. Kiews Prachtstraße, die Khreshchatyk, zieht sich hinunter zum Ufer des mächtigen Dnjepr. Hier sollen ab dem 8. Juni, wenn die EM in der Ukraine und in Polen beginnt, prächtige Fußballfeste gefeiert werden. „Wir versuchen, eine noch bessere Organisation hinzubekommen als bei der Europameisterschaft vor vier Jahren“, sagt Lubkivskiy und verkündet mit viel Überzeugungskraft in der Stimme: „Der Service für die Besucher wird sogar hochwertiger.“

Doch allzu viele Besucher scheint es nicht zu geben. „Das Spiel Deutschland gegen Holland und die Finalreise sind naturgemäß am meisten gefragt“, sagt Tanja Langsdorf. „Aber es gibt viele Partien, die nicht so gut gelaufen sind.“ Langsdorf ist Projektmanagerin der Abteilung Live Sports und Events bei Dertour. Nur über diesen Reiseveranstalter und über OT Events und Sport waren bis zum 1. März die offiziellen Reisepakete inklusive Eintrittskarten zu erwerben.

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Der schleppende Anlauf ist ärgerlich für die Reiseanbieter und den europäischen Fußballverband Uefa, für Kunden eröffnen sich jedoch Chancen. Es sollte nämlich kein Problem sein, kurz vor oder sogar noch während des Turniers Touren nach Polen oder in die Ukraine zu buchen. „Viele Leute werden sich erst im April oder im Mai entscheiden“, sagt Langsdorf.

Und werden kaum Schwierigkeiten haben, an Tickets zu kommen. „Die sind bei diesem Turnier weniger das Problem“, sagt Ingo Frieske. Sein Unternehmen Vietentours organisiert Reisen zu großen Sportveranstaltungen, ohne die Tickets direkt von den veranstaltenden Verbänden zu erwerben. „Wir haben da langjährige Partner aus dem Ausland, das sind zuverlässige Ticketquellen“, sagt der Geschäftsführer des Unternehmens aus Meerbusch.

Auch über Internetplattformen wie Worldticketshop.com oder Seatwave.de werden Tickets aller Kategorien und für alle Spiele gehandelt, nur eben nicht immer zum offiziellen Preis. Die Uefa bezeichnet diese Verkäufer zwar als „illegal“, in der Praxis funktioniert der Handel aber meist einwandfrei.

Das größere Problem, sagt Frieske von Vietentours, sei „die touristische Dienstleistung vor Ort“. Genauer gesagt: die Unterkünfte, besonders in der Ukraine. An Spielorten wie Donezk oder Lemberg werden fast alle hochwertigen Hotels von der Uefa geblockt, um Funktionäre, Sponsoren und Journalisten unterzubringen. Für das Publikum bleibt da nur wenig Raum.

Einige der Angebote sehen daher vor, die Besucher am Spieltag anreisen zu lassen und noch in der Nacht wieder auszufliegen. In anderen Offerten sind Übernachtungen weit außerhalb der Spielorte vorgesehen. Interessenten müssen also vor der Buchung auf die Details achten.

Zwar behaupten die Ukrainer, sie hätten genügend Betten, doch viele dieser Unterkünfte sind Freizeitheime, die sich noch im Zustand der Sowjetzeit befinden. Mit Stockbetten und Gemeinschaftsduschen. „Bei vielen Hotels stimmt einfach das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht“, sagt Dertour-Managerin Langsdorf.

Was die Betreiber nicht daran hindert, die Zimmerpreise für die EM-Wochen hochzutreiben. So ungeniert, dass Boris Kolesnikow, Vize-ministerpräsident der Ukraine, polterte: „Wenn die Hotels die Preise weiter anheben, rate ich den Touristen, sich ins Flugzeug zu setzen, die Spiele anzuschauen und anstatt hier zu übernachten, gleich wieder nach Hause zu fliegen.“

In Polen ist die Situation deutlich entspannter, Städte wie Danzig oder Warschau sind touristisch bestens erschlossen. Doch von den großen Fußballnationen spielen in der Vorrunde nur Italien und Spanien in Polen. Deutschland, die Niederlande, Frankreich, England und Portugal hingegen treten in der Ukraine an. Und dann wird es eben teurer.

Wo gibt’s die Tickets?

Wer Geschäftspartner einlädt, kalkuliert das ein. Und ist bei Sportfive gut aufgehoben. Der Anbieter vertreibt in Absprache mit der Uefa die Hospitality-Angebote, die Luxusversion des Stadionbesuchs. Für einen Preis ab 2900 Euro für drei Gruppenspiele bekommt man ein exklusives Menü, Rahmenprogramm, Service durch Hostessen, Getränke und ein Erinnerungspräsent. Plätze in einer Loge gibt es ab 8800 Euro für drei Vorrundenpartien.

Auch wenn Sportfive-Geschäftsführer Philipp Hasenbein von einer „sehr hohen Nachfrage nach VIP-Tickets“ spricht, sind noch fast alle Pakete zu haben. Besonders gefragt seien diese Angebote „bei Unternehmen, die im polnischen und ukrainischen Markt agieren“, sagt Hasenbein. Und bei Kunden aus den Gastgeberländern. Für die Buchung dieser Edelreisen sei aber Eile geboten, meint Hasenbein: Schließlich müsse das Programm dann auch schnell auf die Beine gestellt werden. Es ist schon eine Crux mit der touristischen Dienstleistung vor Ort…

Auf dem Weg nach Polen und in die Ukraine

Tipps und Hinweise: Wo gibt’s die Tickets? Brauche ich Visa? Und darf ich geschenkte Eintrittskarten überhaupt annehmen?

Ticketinfos im Netz
Über diese Anbieter gibt es Tickets für die Fußball-EM – und gern auch die Reise dazu:
• www.sportfive-world.de/uefaeuro2012
• otevs.com/em2012
• www.dertour-fussball.de/186-Euro_2012.htm
• www.vietentours.com/fussball-em-hotels-reisen
• www.seatwave.de
• www.worldticketshop.de
Reisepass reicht Wer als EU-Bürger nach Polen oder in die Ukraine reisen möchte, braucht kein Visum. Ein Personalausweis oder Reisepass reicht für Polen, für die Ukraine wird ein Reisepass benötigt, der mindestens bis Ende Juli gültig ist.
Compliance Lassen Unternehmer Geschäftspartnern Fußballtickets zukommen, steht schnell der Verdacht der Korruption im Raum. Ab welchem Wert die Grenze zur Bestechung überschritten ist, ist gesetzlich ungeregelt. Vor einer Auftragsvergabe können aber selbst kleine Präsente als Bestechungsversuch gewertet werden. In vielen Firmen gibt es strenge interne Vorgaben für die Annahme von Präsenten – bitte vorher klären, was erlaubt ist.
Achtung, Masern! Das Gesundheitsministerium der Ukraine empfiehlt Besuchern, sich vor Antritt der Reise impfen zu lassen, vor allem gegen Tuberkulose, Masern, Röteln.
Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 04/2012.

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