Management Wie Präsentationen besser angekommen

Der Beamer hat zwar längst nicht ausgedient. Aber die traditionelle Anzeigehilfe für Powerpoint-Folien bekommt Konkurrenz, vor allem von interaktiven Geräten. Was Vorträge lebendiger macht.

Wenn Herbert Birkenmaier ans Rednerpult tritt, hat er stets dieselben Feinde zu besiegen: die Langeweile und die Müdigkeit. Birkenmaier ist Steuerberater, sein Büro liegt im idyllischen Ort Lauben bei Kempten. Das Allgäu ist sein Stammrevier, und die meisten seiner Kunden sind Obst- oder Blumenbauern. Frühaufsteher, die nach der Ernte zum Ortsgruppentreffen des Zentralverbands für Gartenbau kommen, um mehr über Tücken bei Sozialbeiträgen und Rechnungsvorschriften zu erfahren. „Die Themen sind recht trocken“, gibt Birkenmaier unumwunden zu. Während seine Zuhörer bei Abendveranstaltungen im Winter noch einigermaßen ausgeschlafen und aufnahmefähig sind, sei es im Sommer fast unmöglich, alle wachzuhalten: „Wer sich seit 5 Uhr morgens um Wiesen, Felder und Tiere gekümmert hat, ist später eben nicht mehr fit.“

Vor allem nicht für eine geschliffene Hochglanzpräsentation im abgedunkelten Zimmer. Tatsächlich reiste Birkenmaier jahrelang mit Overheadprojektor durch die Lande, später präsentierte er digitale Folien, die er mit dem Computerprogramm Powerpoint erstellt hatte. „Ich habe riesige Koffer geschleppt und meine Angestellten mit der Vorbereitung gequält“, erzählt der 45-Jährige. „Die gewünschte Aufmerksamkeit bekam ich aber nie.“

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„Steuern und gedimmtes Licht, das verträgt sich einfach nicht“

Inzwischen verzichtet der Steuerberater vollständig auf den Einsatz von Technik. Sein Fazit: „Steuern und gedimmtes Licht, das verträgt sich einfach nicht.“ Er präsentiert nun frei und mithilfe konkreter Fallbeispiele aus der Runde. Seitdem bleiben die Zuhörer bei der Stange. Birkenmaier fragt zum Beispiel, wie die Bauern ihre Einnahmen aus dem Hofladen versteuern. Oder geht anhand von Musterrechnungen die wichtigsten Vorschriften durch.

Auch Profis für Präsentationstechnik betrachten den heute fast selbstverständlichen Einsatz von Beamern und Folien mit Skepsis. So warnt Pädagogik-Professor Wolfgang Nieke von der Universität Rostock vor dem gedankenlosen Einsatz der üblichen Präsentationstechnik. „Das Arbeitsgedächtnis hat nur beschränkte Kapazitäten“, sagt Nieke. Und die seien erschöpft, wenn zu viele Informationen auf unterschiedlichen Wegen auf Zuhörer und Zuschauer einprasselten. Ergebnis einer Studie an seinem Institut: Präsentationen mit Overheadprojektor erzielten bessere Lernerfolge als ausgefuchste PowerpointVorstellungen. Selbst schlichte Frontalvorträge blieben besser hängen.

Was tun, wenn die Materie theoretisch ist

Aber was tun, wenn die Materie theoretisch ist, man keinen Prototyp zum Termin mitbringen kann, der die Kunden begeistert? Martin Fröhlich und seine Kollegen vom Startup PaperC tingeln seit drei Jahren von Fachverlag zu Fachverlag. Ihre Idee: eine virtuelle Bibliothek für Bücher. Wer Texte speichern oder ausdrucken will, zahlt 10 Cent pro Seite. Bei 500 Verlagen haben die Gründer inzwischen vorgesprochen, schätzt Fröhlich – stets mit einem Satz PowerpointFolien bewaffnet, weil sie ja kein Produkt zum Anfassen haben. Doch selbst ihnen, die mit dem Computer groß geworden sind, funkt immer mal wieder die Technik dazwischen. Mal fehlt ein Adapterkabel, um den Laptop an den Beamer des Kunden anzuschließen. Mal ist eine Seite nicht zu sehen.

So ein verpatzter Auftritt kann den Auftrag kosten. Deswegen konvertiert Gründer Fröhlich inzwischen alle Folien ins PDF-Format. „Da kann dann keine Seite mehr verrutschen oder komplett anders aussehen als auf unseren Rechnern.“ Außerdem verschickt er das Dokument zur Sicherheit vorher an alle, die dabei sein werden. Und bringt die Folien ausgedruckt mit zum Termin.

Eine Studie zeigt: Selbst IT-Fachleute kämpfen mit der Technik. 86 von 100 gaben darin an, dass sie schon mal Probleme hatten, Powerpoint-Folien vom Laptop auf die Leinwand zu transportieren. Das liegt weniger an der Software als am Zusammenspiel zwischen Rechner und Beamer, dem klassischen Präsentationsgerät. Die Wandstrahler machen regelmäßig Ärger, wenn sie mit unbekannten Anschlüssen, anderen Auflösungen oder neuen Bildschirmtreibern arbeiten müssen.

Leider sind technische Alternativen rar, oft unausgereift oder teuer. So kommen statt Beamer inzwischen große Monitore infrage. Die sind nicht nur leichter anzuschließen, sie leuchten auch so hell, dass man die Räume nicht mehr abdunkeln muss. Ab einer bestimmten Größe sind die Bildschirme aber fast unbezahlbar. Faustregel: Ab etwa 60 Zoll, das entspricht gut 1,50 Metern Bildschirmdiagonale, wird das Preis-Leistungs-Verhältnis dramatisch schlechter. Displays dieser Größe kosten rund 4500 Euro, ein 103-Zoll-Display bereits 65.000 Euro. Und ein Bildschirm, der tatsächlich Leinwandgröße erreicht (123Zoll), ist für etwa 500.000 Euro zu kaufen. Mitnehmen lassen sich die Großbildschirme auch nicht.

Moderne Form des Overheadprojektors

Preiswert ist dagegen die moderne Form des Overheadprojektors. Leuchttisch und Linse wurden inzwischen durch kleine Kameras ersetzt. Die filmen und projizieren alles, was ihnen unter die Linse kommt. „Die Technik ist allerdings fast tot“, sagt Michael Zgoll, der sich mit seiner Firma Zgoll Konferenzraum GmbH auf Medientechnik spezialisiert hat. „Und veraltete Technik ist in vielen Branchen peinlich.“ Ein Vortrag mit ausgedruckten und aufgelegten Folien wirke altertümlich. Nur wo Stoffmuster, Röntgenbilder und „analoge Ware“ gezeigt würden, seien Projektoren noch üblich.

Eine Branche, in der ständig präsentiert wird, ist das Beratungsgeschäft. Die Kunden wollen schließlich verstehen, wie sie ihr Geschäftsmodell ändern sollen. Viele Unternehmer ärgern sich über Blender, die wenig Inhalt, aber viel buntes Geflimmer in ihren Vorträgen präsentieren.

Verknüpfung mit Flipchart

Lars Richter von der Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner hat diese Vorbehalte schon oft gehört – und weiß, dass gerade Unternehmer sich ungern durch einen öden Vortrag quälen lassen. Schließlich bezahlen sie ihn für eine Dienstleistung. Er verknüpft seine Folien mit der Arbeit an einem Flipchart oder einer Tafel. Bislang setzt er die Arbeitsgeräte nebeneinander ein: In der Mitte des Raumes wirft er Folien an die Wand, am Rand steht der große Notizblock. Richter läuft hin und her. „So kann ich Antworten und Beiträge von Zuhörern direkt festhalten.“ Durch die Rückmeldungen bekommt er zudem schnell mit, ob noch alle zuhören.

Sein Traum: eine Wand, an der Vortragsfolien erscheinen, auf der er gleichzeitig mit einem Stift arbeiten kann – und die das Arbeitsergebnis am Ende abspeichert, sodass er es als Dokument verschicken kann. „Interaktive Whiteboards“ heißen diese Wundertafeln, die schon im Handel sind und sogar in Schulen im Gebrauch. Mit Finger, Stift oder Zeigestab lassen sich Ausschnitte vergrößern, bestimmte Stellen markieren, Notizen und Arbeitsergebnisse ergänzen. Die Technik ist ausgereift. Eine Hightech- Tafel mit zwei Metern Diagonalmaß kostet etwa 1500 Euro. „Das ist noch zu teuer“, sagt Richter. Zumal ein leistungsfähiger Laptop plus Spezialbeamer noch obendrauf kommen. Für alle, die meist bei sich im Unternehmen präsentieren, kann sich die Anschaffung lohnen. Berater Richter ist aber viel unterwegs. „Ich kann jedem direkt zeigen, was ich meine“, sagt Richter. Und alle können ihre eigenen Notizen machen. Und das Beste: „Beim Umblättern schläft garantiert keiner ein.“

Der Beamer hat zwar längst nicht ausgedient. Aber die traditionelle Anzeigehilfe für Powerpoint-Folien bekommt Konkurrenz, vor allem von interaktiven Geräten:

Multitouch-Bildschirm

Laut Präsentationsforschern ist die Zukunft der Vortragstechnik horizontal: An Multi-Touch- Bildschirmen, die wie ein Tisch vor den Zuhörern liegen, können alle gemeinsam und parallel arbeiten. Das Tippen und Zeichnen funktioniert dabei ähnlich wie auf einem iPad, nur sind die Präsentationsbildschirme um ein vielfaches größer. Microsoft, die Fraunhofer-Institute, Telekommunikationsriesen und diverse Hersteller arbeiten mit Hochdruck an dieser Technik. Die ersten Tische (Bild: Evoluce Multi-Touch Table, Preis auf Anfrage) sind im Handel.

Großbildschirm

Teuer, aber gestochen scharf, manche Megamonitore mit Touchscreen-Funktion (etwa der im Bild: Samsung Syncmaster 820TSn-2,82 Zoll, 49 990 euro). Alternativen: NeC Multisync P701, 70 Zoll, ohne Touchfunktion, 14570 Euro; LG m6503C, 65 Zoll, ohne Touchfunktion, 5190 Euro.

Dokumentenkamera

Der Nachfolger des Overheadprojektors verzichtet auf Folienrolle und Leuchttisch. Stattdessen filmt eine Kamera (im Bild: Elmo L-1EX, 600 Euro). Weitere Modelle: Epson ELP-DCo6, 427 Euro; Avervision F50, 628 Euro. Gut für Spezialvorträge etwa mit Stoffmusterproben oder Röntgenbildern.

Interaktives Whiteboard

Weißwandtafeln, auf die man projizieren und schreiben kann (im Bild: Promethean Activ Board 500 Pro, mit Gestell und Beamer 5599 Euro) werden in Schulen immer beliebter. Andere Modelle: Hitachi Starboard FX-Trio-77S, 1549 Euro; Acer IWB 77-S01, 1071 Euro.

Minibeamer

Ungeschlagen im mobilen Einsatz sind kleine Projektoren (im Bild: LG HX300g, 528 Euro). Ein eigenes Gerät erspart Ärger mit Anschlüssen und Auflösung. Weitere: 3M MPro120, 299 Euro; Samsung SP-P410M, 399 Euro; Acer K11, 295 Euro; Nobo X22P, 1000 Euro.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 11/2011.

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