Management „Wir machen uns freiwillig vor den Finanzpartnern nackt“

Auch kleine Betriebe setzen auf Transparenz - das schafft Vertrauen bei Kunden und Investoren. impulse vergibt zusammen mit Partnern aus Politik und Wirtschaft den Preis für die beste Finanzkommunikation 2011. Die drei Nominierten für die erste Kategorie "Unternehmen bis zehn Millionen Euro Jahresumsatz".

Kategorie I: Unternehmen bis zehn Millionen Euro Jahresumsatz

Dornseif: Das Schweigen brechen

Was macht ein Winterdienst im Sommer? Markus Dornseif kann über die Frage nur lachen. „Für uns kann der Sommer nicht lang genug sein“. Gemeinsam mit seiner Frau Kirsten Dornseif, der Inhaberin der Firma Dornseif (Umsatz 2010: 6,7 Mio.Euro) und den 26 Mitarbeitern in der Einsatzleitzentrale in Münster plant Prokurist Markus Dornseif Touren für den Winter, besichtigt neue Grundstücke und schließt neue Verträge.

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Ab 1. November geht die Saison los. Schon jetzt lagern 4.000 Tonnen Auftausalz auf dem Betriebsgelände, Platz ist für bis zu 10.000 Tonnen. Das Salz ist als Rücklage gedacht, falls – wie im vergangenen Jahr – der Winter besonders hart und das Streusalz knapp wird. Sobald der erste Schnee fällt sind alle Mitarbeiter wieder voll im Einsatz, Urlaub und Überstunden-Abbau gibt es nur im Sommer. Rund um die Uhr ist die Einsatzleitzentrale dann besetzt, um Wetterdaten auszuwerten und für Notfalleinsätze gewappnet zu sein.

Das Geschäft ist stark saisonabhängig – auch deshalb legt das Ehepaar Dornseif großen Wert auf eine transparente Finanzkommunikation. 98 Prozent des Umsatzes stammt aus dem Kernbereich Winterdienst. Die Firma koordiniert den Einsatz von 660 Kooperationspartnern auf insgesamt 16.000 Grundstücken. Seit der Unternehmensgründung im Jahr 2001 geht es steil bergauf; für eine mögliche Krise will sich das sich Unternehmen aber möglichst früh absichern. „pro-aktive Finanzkommunikation“ nennt das Markus Dornseif. „Wir machen uns freiwillig vor den Finanzpartnern nackt“, sagt er. In guten Zeiten will er Vertrauen aufbauen, was sich dann in einer möglichen Unternehmenskrise auszahlen soll. Auch wenn es zum zehnjährigen Jubiläum des Unternehmens nicht nach Krise aussieht.

Bei Dornseif gibt es einen Finanzausschuss, der sich alle zwei Jahre trifft. Steuerberater, Banken, Versicherungsmakler, Rechtsanwalt und alle anderen Partner sind von der Unternehmensführung von der Schweigepflicht entbunden worden. Sie können sich untereinander über aktuelle Zahlen, neue Verträge oder Probleme austauschen – ohne sich vorher eine Erlaubnis dafür einholen zu müssen. Vertreter der beiden Hausbanken könnten auch ohne Voranmeldung in der Zentrale in Münster vorbeikommen und sich alles anschauen, sagt Dornseif.

PFK: Einen Schritt weiter gehen

Dort steht er. Mit nur zwei Klicks zu erreichen auf der Homepage. Der Geschäftsbericht der PFK Group. Für jedermann einsehbar: Mitarbeiter, Kunden, Konkurrenten, Geldgeber der Kölner Firma, die Gabelstapler und Arbeitsbühnen unterschiedlicher Hersteller verleiht, repariert und verkauft. Außergewöhnlich für eine GmbH, die 2010 gerade einmal knapp fünf Mio. Euro Umsatz gemacht hat und nur 30 Leute beschäftigt. Für PFK-Geschäftsführer Uwe Streck war dieses Maß an Transparenz, das sonst fast nur bei börsennotierten Firmen zu finden ist, aber keine große Sache. Den Jahresabschluss müsse er ja eh im Bundesanzeiger veröffentlichen, dann könne er auch einen Schritt weiter gehen.

Das macht er seit 2009, als er erstmals seinen Geschäftsbericht ins Internet gestellt hat. Doch er geht sogar noch weiter. Er offenbart jedem Internetnutzer außerdem Umsatz, Investitionen und Cash Flow für die Jahre 2007 bis 2010. Was er sich davon verspricht? Eine vertrauensbildende Maßnahem sei das gegenüber Banken, Geschäftspartnern und auch Mitarbeitern.

Außerdem veröffentlicht Streck seine Bilanz möglichst immer schon im März – und nicht erst, wie anderswo üblich, im August. „Und dann bitte ich auch direkt um eine Analyse von der Bank. Schließlich brauche ich konkrete Fragen von denen, damit ich weiß, was die Bank will.“ Streck findet übrigens, dass es für ein Unternehmen seiner Größe keine große Kunst ist, Finanzkommunikation besser zu machen als andere – denn viele machten eben gar nichts in der Richtung. „Aber gegenüber einem börsennotierten Unternehmen – da würden wir doch völlig abfallen.“

Vermessungsbüro Ehrhorn: Ein Faible für bessere Kreditkonditionen

Exzellenter Service und Qualität – diese Prinzipien leiten Uwe Erhorn, Inhaber eines Vermessungsbüros (Umsatz 2010: 0,8 Mio.Euro) im niedersächsischen Achim. 14 Mitarbeiter nehmen Maß bei Gebäuden und Grundstücken, zum Beispiel für Bauvorhaben oder öffentliche Projekte. Die Maßstäbe seiner angebotenen Dienste legt er auch beim Thema Finanzkommunikation an.

Besonders wichtige Adressaten sind ihm seine Beschäftigten: „Nur gut informierte Mitarbeiter sind gute Mitarbeiter – auch was die finanziellen Verhältnisse angeht“, sagt er. Im firmeneigenen Intranet und am Schwarzen Brett kann die gesamte Ehrhorn-Mannschaft die Geschäftsentwicklung nachvollziehen. Und er lässt sich immer wieder kreative Konzepte einfallen: Etwa im Jahr 2004 als eine Bauflaute dafür sorgte, dass Ehrhorns Unternehmen in ernsthafte Liquiditätsschwierigkeiten kam.

Aus dieser Erfahrung hat er gelernt und kurz danach das Prinzip „Prima Klima“ eingeführt, das Controlling und Qualitätsmanagement neu aufstellte. Alle Mitarbeiter sind seitdem am Erfolg beteiligt. Erhorn hat ein Faible für griffige Namen und will seine Strategie möglichst durchschaubar an alle Mitarbeiter kommunizieren. Und so kam nach „Prima Klima“ die „Treppe“. Das steht für: Trends, Rahmenbedingungen, Entwicklungen, Prognosen und Personen. Und dafür, dass es für Ehrhorn Vermessung Schritt für Schritt eine Stufe höher gehen soll.

Seit 2009 informiert er die Hausbanken in Quartalsberichten und sucht auch immer wieder den persönlichen Kontakt. In den Gesprächen wurden mehrere Schwachstellen aufgedeckt und beseitigt. Erhorn steckt jetzt mehr Engagement in die Öffentlichkeitsarbeit und bereitet die Unternehmensnachfolge intensiv vor. Mit 55 Jahren denkt er zwar jetzt noch nicht ans Aufhören. Für seinen Nachfolger will er aber alles optimal vorbereiten und Hindernisse am liebsten jetzt schon aus dem Weg räumen. Deshalb ist er aus Eigeninitiative an die Banken herangetreten und informiert sie regelmäßig über den Stand der Nachwuchs-Suche. Die Resultate der Offenheit können sich sehen lassen: Gute Rating-Noten und verbesserte Konditionen bei den Hausbanken.

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