Management „Wir müssen als Unternehmer dagegen halten“

Unternehmer dürfen sich bei der Debatte um den neuen Stuttgarter Bahnhof nicht heraushalten, sagt Jessica Kulitz. Die 25-Jährige Politikerin und Familienunternehmerin sieht den Rechtsstaat in Gefahr. Ihre Forderung: Firmenchefs sollten sich der "Zersetzung bewährter Rahmenbedingungen" entgegenstellen.

„Was Du ererbst von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen“

Dieses Zitat von Goethe ist so aktuelle wie nie, denn es besagt, dass ich als Erbe nicht nur Empfänger von Vermögen und Macht bin, sondern ich muss mich bemühen und auch befähigen, diese Aufgabe verantwortungsvoll zu übernehmen.

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Für mich als potentielle Nachfolgerin bedeutet das an erster Stelle, eine bestmögliche Ausbildung als zu erwerben, um über das erforderliche Rüstzeug zur Erfüllung anspruchsvoller Führungsaufgaben zu verfügen. Führungsverantwortung in Familienunternehmen beinhaltet zum einen die Sach- und Fachkunde, gleichermaßen aber auch soziale Kompetenz. Es gilt, nicht nur Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und andere mit dem Unternehmen in Beziehung stehende Personen, die sogenannten Stakeholder also, mit einzubeziehen, sondern die Integration der Familiengesellschafter sowohl auf horizontaler als auch auf vertikaler Ebene (d.h. unter Geschwister und aber auch generationsübergreifend) zu gewährleisten und zu sichern.

An zweiter Stelle – und darauf kommt es mir persönlich besonders an – steht eine Betrachtung, die bislang in der Welt der Familienunternehmen, sowohl in der Wissenschaft als auch in der betrieblichen Praxis, noch viel zu kurz kommt: Wir erben nicht nur persönlich und innerfamiliär Macht und Vermögen, sondern es erbt jede Generation auch die politischen Rahmenbedingungen. Soziale Marktwirtschaft und die repräsentative Demokratie sind Kernbestandteile unserer gesellschaftlichen Grundordnung und unverzichtbare Voraussetzung für nachhaltiges wirtschaftliches Handeln.

Das mag Ihnen im Kontext des Beziehungsgeflechtes von Familiengesellschaftern zunächst weit hergeholt erscheinen, aber dies sind Bedingungen, die auch und gerade für Familienunternehmen den erforderlichen Freiraum sichern. Was 60 Jahre als selbstverständlich gegolten hat, nämlich dass Verlässlichkeit demokratischer Entscheidungsprozesse die Grundlage jeder langfristigen Planung ist, wird in den letzten Monaten zunehmend infrage gestellt.

Am Beispiel Stuttgart 21 zeigt sich, welch verheerenden Folgen es hat oder haben kann, wenn man demokratisch legitimierte Beschlüsse als nicht verbindlich und jederzeit revidierbar behandelt. Dieser schleichende Veränderungsprozess wird von den Familienunternehmen und der schweigenden Mehrheit in seiner Tragweite und Bedeutung offenbar noch gar nicht erkannt.

Mit der Berufung auf mehr Demokratie und Zulassung von Volksabstimmungen über bereits in einem demokratischen Verfahren entschiedene und gerichtlich überprüfte Projekte wird der Rechtsstaat aus den Angeln gehoben und keiner scheint es zu merken. Ist es nicht pikant? Ausgerechnet diejenigen reklamieren Berücksichtigung ihres Standpunktes mit der Forderung nach „mehr Demokratie“, die ihrerseits die zuvor legal und korrekt zustande gekommenen politischen Entscheidungen nicht akzeptieren. Machte dies Schule, wäre die Folge, dass man künftig allein mit der Mobilisierung einer kritischen Masse die Verbindlichkeit und damit langfristige Planbarkeit außer Kraft setzt.

Damit das nicht geschieht – und die Zeichen stehen im Augenblick aber dafür – müssen wir als Unternehmer dagegen halten.

Daher mein Appell:Wir müssen die Glaubwürdigkeit und Reputation der Familienunternehmer in der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung aktivieren und gezielt einsetzen, um der drohenden Zersetzung bewährter Rahmenbedingungen entgegen zu wirken.

Zur Person
Jessica Kulitz stammt aus einer Unternehmerfamilie, ihren Eltern gehört Esta-Apparatebau, ein Spezilist für Absaugtechnik. Die 25-Jährige hat gerade ein masterstudium an der Zeppelin University begonnen. Sie sitzt für die CDU im Stadtrat Ulm.
Die Rede hielt sie Ende Oktober auf einem Impulse Unternehmerabend in Hamburg.

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