Management Wirtschaftsmotor Uni

Die Waliser Hochschulen rühren kräftig mit bei der Wirtschaftsförderung. Sie suchen den Austausch mit Unternehmen, stärken diese für den Wettbewerb und bilden gefragte Spezialisten aus.

Auf zwei ihrer Wissenschaftler ist die Universität von Cardiff ganz besonders stolz: auf den Genforscher Sir Martin Evans und auf den Chemieprofessor Robert Huber. Gastprofessor Huber erhielt im Jahr 1988 den Nobelpreis für Chemie, sein Kollege Evans gewann im Jahr 2007 den Nobelpreis für Medizin. Evans gilt als Entdecker der embryonalen Stammzellen und wurde bereits 2004 für diese und andere Leistungen zum Ritter geschlagen.

In der internationalen Forschungslandschaft muss Wales sich also nicht verstecken. Die Erwartungen der Bürger an ihre Universität waren von Anfang an hoch, bei der Gründung 1883 wurde ein Feiertag ausgerufen. Mittlerweile zählt Cardiff 27.000 Studierende und 6000 Angestellte, und sie ist nicht die einzige Hochschule geblieben: Insgesamt gibt es zwölf in Wales. Lehre und Forschung sind nicht ihre alleinigen Aufgaben, sie tragen auch aktiv dazu bei, moderne Industrie anzuziehen und hochqualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen.

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Forschung soll die Wirtschaft antreiben

Das ist ganz im Sinne der Waliser Regierung, die derzeit ihr Wirtschaftsförderungskonzept überarbeitet, um die Wissenschaft stärker einzubeziehen. Das sogenannte Economic Renewable Programme sieht vor, dass neue Forschungsergebnisse die Wirtschaftsentwicklung vorantreiben sollen – eine Strategie, die viele Regionen seit Jahren verfolgen. Wo es funktioniert, steigt die Zahl der Ausgründungen, Spitzencluster entstehen und ziehen weitere Investoren an. Die Konkurrenz in Europa ist entsprechend groß – und nicht die einzige Hürde auf dem Weg zum Standort für Zukunftsbranchen: Das produzierende Gewerbe ist in Wales schon so lange und so stark vertreten, dass es vielen Firmenchefs schwer fällt umzudenken und Kontakt zu den Hochschulen zu suchen.

So sind es öfter die Universitäten, die die neue Standortpolitik in die Praxis umsetzen und den Austausch mit regionalen und internationalen Firmen suchen. Dabei nehmen sie den Spagat in Kauf, einerseits vermarktungsfähige Produkte und Dienstleistungen mitzuentwickeln und andererseits an ihrer Grundlagenforschung festzuhalten. Selbst wenn diese sich nicht gleich zu Geld machen lässt.

Staat fördert die Zusammenarbeit

Spezielle Programme und finanzielle Unterstützung bei Forschungsaufträgen sollen nun auch die Wirtschaft motivieren. In sogenannten Knowledge Transfer Partnerships erhalten Firmen staatliche Fördergelder, wenn sie bei besonderen Projekten eine Universität hinzuziehen. Für den Einsatz der Wissenschaftler müssen die Unternehmen dennoch Kosten von durchschnittlich 20.000 Pfund berappen. Für dieses Geld können sich metallverarbeitende Unternehmen beispielsweise in Sachen Lärmschutz beraten lassen. Oder ein mittelständischer Hafenbetreiber entwickelt mit Hilfe von Wissenschaftlern eine Marketingkampagne für eine Tochterfirma.

Unter die Arme gegriffen hat der Staat auch dem Biotech-Unternehmen Cultech, das Nahrungsergänzungsmittel für den britischen Drogerie- und Pharmaziekonzern Boots herstellt. „Mit einigen unserer Forschungsprojekte hätten wir ohne staatliche Hilfe nicht weitermachen können“, sagt Cultech-Geschäftsführer Nigel Plummer. Auf dem umkämpften Biotech-Markt sind Forschung und Entwicklung überlebensnotwendig. Cultech konnte im vergangenen Jahr seinen Umsatz kräftig steigern, um 3 Millionen Pfund auf 12 Millionen Pfund.

Fit für die Unternehmensgründung

Einen Beitrag zum Wirtschaftswachstum leistet auch die Universität Swansea mit ihrem Gründerprogramm. „Unsere Absolventen haben Wissen und Fähigkeiten, die sie zu idealen Firmengründern machen“, heißt es auf der Homepage der Universität. Die Studierenden können sich für ein Stipendium bewerben, das ihnen für die ersten neun Monate ein Gehalt sichert. Die Initiative heißt Knowledge Exploitation Fund, bietet praktische Tipps und sucht derzeit Mentoren, die den Anfängern zur Seite stehen.

Und wer kein Unternehmer wird, soll einen möglichst qualifizierten Job in einer Zukunftsbranche finden. Dafür unterstützt die walisische Regierung ein Trainingszentrum der Energieindustrie, das 6 Millionen Pfund kosten soll. Das Ausbildungsspektrum reicht vom Ingenieurswesen über Metallarbeiten bis zu Kenntnissen, die speziell in einem Atomkraftwerk gefragt sind. „Wir wollen Spezialisten ausbilden, die für erneuerbare Energien genau so wichtig sind, wie für die klassischen Energieträger“, sagt der Erste Minister Carwyn Jones.

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