Management Zu Besuch im Emsland

Moderne Produktionsanlagen und 100jährige Tradition: Das Projekt "impulse on tour" startete beim Landmaschinen Hersteller Krone im Emsland. Ein Rückblick auf das erste impulse-Netzwerktreffen mit dem Themenschwerpunkt "Nachfolge".

Es war ein „emotionaler Moment“ im Leben des Bernard Krone, als ihm sein Vater Bernard die Uhr überreichte. Eine silberne Taschenuhr, 114 Jahre alt. Ein Geschenk, das der Urgroßvater 1896 zur
bestandenen Schmiedeprüfung erhalten hatte. Die Gravur darauf, „Schmied Bernhard Krone“,
erinnert an den Ursprung des Unternehmens. „Das mit der Uhr war so etwas wie die offizielle
Stabübergabe“, erzählt der 34-jährige Inhaber und Geschäftsführer des Landmaschinenherstellers.
Mehr als ein Jahr ist das jetzt her. Seitdem herrscht er als Bernard der Vierte im emsländischen Spelle.

Vor ihm in Krones Trainingszentrum „Drive & Train“ sitzen mehr als 30 Unternehmer. Sie sind der Einladung gefolgt, um an einer Premiere teilzunehmen: dem ersten impulse-Netzwerktreffen,
exklusiv für Abonnenten, eine Plattform, um sich mit anderen Unternehmern auszutauschen und neue Ideen zu entwickeln. Ein Thema steht jeweils im Mittelpunkt. Dieses Mal: die erfolgreiche Nachfolge. Damit kennt sich Krone aus. Er berichtet über seine eigenen Erfahrungen auf dem Weg zum Firmeninhaber – „erstaunlich offen“, wie einige Unternehmer später kommentieren.

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Video: „Was ist die größte Herausforderung beim Thema Nachfolge“


Krone wurde bereits als Nachfolger geboren. „An meinem Geburtstag hat die halbe Firma angestoßen und gefeiert.“ Obwohl er zwei ältere Schwestern hat, stand nie zur Debatte, wer das
Unternehmen einmal übernehmen soll. „Damals war das so: Der Nachfolger muss ein Mann sein.“ Krone wird mit der Firma groß. „Diese Hallen, die Produktion, das war ein Abenteuerspielplatz
für mich.“ Nicht selten sei er auf Kränen unter der Hallendecke herumgeturnt. Der Vater, den sie in der Firma wegen seiner Größe ehrfürchtig „den Langen“ nennen, nimmt ihn mit zu Terminen, auch zu Geschäftsreisen in die USA. Als der Sohn 18 wird, stellt ihm der Vater die entscheidende Frage: „Kannst du dir vorstellen, die Firma zu übernehmen?“ Er kann.

Heute, nach der Übergabe, hält er 87,5 Prozent der Anteile. Die ersten zehn schenkte ihm
die Großmutter gleich zur Geburt. „Wegen der Erbschaftsteuerreform erfolgte der rechtliche
Übergang eines Großteils der Anteile bereits 2005“, erzählt Krone. Den Rest hält der Vater,
der in den Beirat gewechselt ist. Wenn er stirbt, gehen auch die letzten Anteile an den Sohn.

„Und die Geschwister?“, fragt ein Unternehmer. „Ist das nicht ungerecht?“ Nein, sagt Krone. Bei ihnen gelte seit jeher das Prinzip, dass das Unternehmen in der Hand eines einzigen Stammes bleiben soll. So ließen sich Streitereien unter den Gesellschaftern vermeiden, die viele Unternehmen schon in den Ruin getrieben hätten. Krones Schwestern wurden über die Jahre abgefunden. Die eine wollte Journalistin werden, die andere ist heute Geschäftsführerin der Krone Vertriebsgesellschaft und verkauft in Nordwestdeutschland neben den Krone-Produkten auch exklusiv die Maschinen von John Deere. „Im Grunde sind wir Konkurrenten“, scherzt Krone. „Aber das schlägt nicht auf die Stimmung in der Familie.“ Dazu sei der Familienkodex zu stark: Fleiß, Ehrlichkeit, gesunder Menschenverstand. „Das ist so etwas wie eine ungeschriebene Familienverfassung.“

Und wie wurde er von der Belegschaft als neuer Chef empfangen? „Dass ich seit der Kindheit hier bekannt war, hat sicherlich geholfen“, sagt Krone. Auch dass er in einem dualen Studium neben BWL Industriemechaniker gelernt habe, sei hilfreich gewesen. Vor allem aber überzeuge der unternehmerische Erfolg. Bereits als Chef der dänischen Krone-Niederlassung habe er sich bewährt. Dass er die Firma dann fast unbeschadet durch die Krise manövrierte, habe ihm Respekt eingebracht.

Die Unternehmer haken nach, wollen alles ganz genau wissen. Einer hat gleich seine beiden Söhne mitgebracht; ein anderer berichtet der Gruppe von dem Moment, als ihm bewusst wurde, dass keines seiner Kinder für die Nachfolge infrage kommen würde. Den Teilnehmern ist klar: Ein gelungener Generationswechsel ist selten, zumal meist unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen, auch im friedlichen Spelle. Als die impulse-Leser beim Rundgang durch die Produktion auf einen Azubi treffen, dem Stahlstangen vom Gabelstapler gefallen sind, ermahnt Krone ihn: „Beim nächsten Mal besser aufpassen!“ Der pensionierte Betriebsrat Hermann Börger, der die Gruppe führt, sagt: „Da hätte der Lange aber ganz anders Rabatz gemacht, der hätte den strammstehen lassen.“

Auf zu Junghans
Exklusiv für Abonnenten bietet impulse kostenlose Netzwerktreffen mit spannenden Unternehmern an: mit Imbiss, Werksführung und Diskussionen. Das nächste Treffen findet am 26. Januar 2012 in der Uhrenfabrik Junghans im Schwarzwald statt. Thema: Neupositionierung einer Marke.
Weitere Infos und Videos finden Sie unter www.impulse.de/ontour. Die Anzahl der Teilnehmer ist begrenzt. Anmeldungen mit Angabe der Abonummer bitte an ontour@impulse. de. Infos zum Abo unter www.impulse.de/abo
Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 01/2012.

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