Management Brasilien – „Zusagen oft nur aus Höflichkeit“

  • Serie
Kongresszentrum des deutschen Club Transatlântico im Gebäude der Auslandshandelskammer in São Paulo, Brasilien

Kongresszentrum des deutschen Club Transatlântico im Gebäude der Auslandshandelskammer in São Paulo, Brasilien© AHK São Paulo / Gustavo Lourenço

Brasilien bereitet sich auf die Weltmeisterschaft 2014 und die Olympiade 2016 vor. impulse hat die Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer gefragt, welche Branchen boomen und welche kulturellen Unterschiede deutsche Unternehmer erwarten.

Welche Branchen sind bei Ihnen im Land im Aufschwung?

Thomas Timm, Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer: Da ist der Bausektor zu nennen, der von Infrastrukturprojekten profitiert. Derzeit ist die Logistik für die Durchführung der Megaevents „Weltmeisterschaft 2014“ und „Olympiade 2016“ ein wichtiger Faktor. Außerdem sehr gefragt ist der IT-Sektor, da das Interesse an Hardware, Netzwerken und Software steigt. Auch die Energiebranche und der Automobil-Sektor sind im Aufschwung.

Anzeige

Welche Produkte oder Dienstleistungen sind besonders gefragt?

Die Nachfrage nach Ingenieursdienstleistungen ist gestiegen. Auch die Bereiche Verkehrstechnik und Verkehrssysteme werden wichtiger, da der städtische Nahverkehr an Bedeutung gewinnt. Gefragt sind zudem Umwelttechnik und nachhaltige Technologien, außerdem Produkte und Technologien für die Öl- und Gasbranche sowie für die Agrar- und Ernährungswirtschaft.

 

Was sagt man bei Ihnen im Land über die Deutschen?

Die Deutschen haben einen guten Ruf, sie gelten als zuverlässig und diszipliniert. Deutsche stehen für qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen. Sie gelten jedoch auch als etwas langweilig und unflexibel.

Welche kulturellen Unterschiede machen den Deutschen zu schaffen?

Das ist vor allem das Nichteinhalten von Zusagen und Fristen, beziehungsweise die Verzögerung von Terminen und Fristen. Brasilianer machen Zusagen oft nur, um höflich zu sein. Diese „Höflichkeits-Zusagen“ werden von vielen Deutschen fälschlicherweise für bare Münze genommen.

Welche Hürden gibt es bei der Unternehmensgründung?

Eine Hürde ist die Behördenbürokratie allgemein, insbesondere die Zoll- und Hafenbürokratie beim Im- und Export, die zu steigenden Kosten führt. Auch die arbeitsrechtliche Bürokratie stellt Ausländer vor Schwierigkeiten. Brasilien hat eine sehr arbeitnehmerfreundliche Gesetzgebung. Darüber hinaus ist das Steuersystem kompliziert und es kommt häufig zu Problemen und Verzögerungen bei der Ausstellung von Arbeitsvisen für Ausländer.

 

Thomas Timm ist Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer. Erreichbar ist die Kammer über die Homepage www.ahkbrasil.com.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...