Nikolaus Förster Blick in die Zukunft – ein Sakrileg?

…. und als ich dann die letzten Wörter des Textes vorlas, als mit einem Mal klar war, was wir uns im engsten Führungskreis unter der Zukunft vorstellten, unter „impulse 2020“, da herrschte auf einmal Stille. Sekundenlang. Ich schwieg, schaute in die Runde. Alle schwiegen. Einige schauten mich an, andere senkten den Blick. Keiner wagte, etwas zu sagen. Vielleicht 15 Sekunden lang (das ist ganz schön lang) oder länger. Ich saß auf dem schwarzen Ledersofa in unserer Pantry, drei Seiten dicht bedrucktes Papier in der Hand, 25 Augenpaare, Stille…

Wenn ich Stunden später an diesen Augenblick zurückdenke (der sich dann auflöste, als wir nach einer Pause über den Text zu diskutieren begannen), kommt es mir fast so vor, als hätte ich ein Sakrileg begangen. Als gehöre es sich nicht, die Zukunft auszubuchstabieren – und zwar nicht im unverbindlichen Futur, sondern im Präsens, als sei das Geschilderte tatsächlich gegenwärtig. Wer dies tut, macht sich angreifbar, verletzlich. Und dennoch bin ich, nachdem ich mich in den vergangenen Monaten so intensiv mit dem Thema beschäftigt habe, davon überzeugt: Wer dies nicht wagt, riskiert, in der Gegenwart stecken zu bleiben, in der „Weiter-so-Falle“ (siehe http://www.impulse.de/management/die-weiter-so-falle), im täglichen Einerlei.

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Also: Knapp sieben Jahre nach vorne schauen – sich vorstellen, was möglich ist, was man sich wünscht, wie sich ein Erfolg anfühlt. Und mit einem Mal klar sehen. Natürlich kann einem das vorkommen wie eine Ewigkeit – oder wie wenige Wochen, wenn einem davor bange ist, was alles ansteht.

FotoHammerbrookEinfahrt

Sieben Jahre – eine Ewigkeit? Erst gestern erinnerte ich mich, was vor exakt sieben Jahren passierte. Just an diesem Tag landete ich samt Familie am Flughafen in Boston, im Schneesturm, bei minus 20 Grad. Ich hatte mich entschieden, als Ressortleiter der „Financial Times Deutschland“ für ein halbes Jahr auszusteigen: endlich mit einem Stipendium mal wieder in die Wissenschaft eintauchen, für ein halbes Jahr als Fellow nach Harvard.

Für mich war dieser Einschnitt damals der Aufbruch in eine neue Welt. Noch heute schwärme ich von dem, was ich damals erlebte, den Erfahrungen, die ich machte, den Menschen, den Büchern – all das, was sich mir neu öffnete. Und was ich mir zuvor kaum hätte vorstellen können. Ganz neue Perspektiven taten sich auf, neue Ideen. Und dann flog ich zurück nach Hamburg. Bereits am nächsten Tag ging ich mit meinem Chef in die Kantine. Er hatte einen kleinen Zettel mit einer endlosen To-do-Liste für mich vorbereitet – und schon begann der Alltag, einen Tag nach der Rückkehr. Kein „Visioning“. Kein Blick nach vorne. Alltag. Die Kraft des Alltäglichen hatte mich – binnen weniger Stunden – wieder gefangen.

Das war 2007.

2014 soll anders werden, wir arbeiten dran.

2020 erst recht.

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