Nikolaus Förster „Das ist dann Ihr reservierter Platz“ – Was Kunden (besser nicht) hören sollten

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Morgens, um zehn vor sieben Uhr, in Hamburg-Altona. Der ICE nach Berlin und Leipzig fällt aus. Der Ersatzzug heißt IC, ist aber eigentlich  ein Interregio (glaubt die Deutsche Bahn, die Deutschen würden so schnell vergessen?). Reservierungen? „Suchen Sie sich einfach einen freien Platz in der gebuchten Wagenklasse“, wird per Lautsprecher durchgesagt. „Das ist dann Ihr reservierter Platz bis zum Ende der Fahrt!“ Zauberei, ein geniales System. Später wird noch ein Wir-möchten-uns-dafür-herzlich-entschuldigen nachgeschoben. Auf dem Bahnsteig will ein Mann mit seinem Imbisswagen zusteigen. „Den Kaffee kriegen wir dann in Hannover“, sagt er zum Schaffner, der auf den Bahnsteig tritt. „Hannover? Wir fahren nach Berlin!“ Sechs Bahn-Angestellte – eine Rudelbildung, ein Betriebsausflug? – steigen ein, drängeln sich in das Dienstabteil. „Habt Ihr das gehört?! Kaffee soll es in Hannover geben!“ Großes Gelächter. Dann kommt ihr Chef. „Bitte verteilt Euch! In der Mitte des Zugs ist noch ein weiteres Dienstabteil frei. Dann verteilt sich die Aggression!“ Zwei raffen sich auf, machen sich auf zu den neuen Plätzen, vorbei an den Fahrgästen, die das Ganze nicht so lustig finden. „Super, wir fangen dann alles für Euch auf!“, sagen die beiden noch, als sie sich von den Kollegen loseisen. Der Chef instruiert eine jüngere Kollegin: „Sag dann einfach: Suchen Sie sich erst einmal einen Platz.“

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