Nikolaus Förster Die Crux mit der Scheinselbstständigkeit

Ob es an mir liegt? Kann natürlich sein. Ich vermute aber, dass ich nicht der einzige bin, der am deutschen Arbeitsrecht verzweifelt. Zumindest scheint es extrem schwierig zu sein, die Flexibilität, die man als junges Unternehmen braucht, auch vertraglich zu regeln. Ich habe heute zumindest mehrere Stunden damit verbracht, mich in die Untiefen des Rechts zu begeben. Und hatte am Ende mehr Fragen als vorher (die ich dann doch an unsere Kanzlei weiterreichte.)

Worum es geht? Wir brauchen, neben den Festangestellten, auch freie Mitarbeiter – zum Programmieren, für Fotorecherchen, fürs Layout etc. Gerade als junges Unternehmen kann man es sich gar nicht leisten, alle Mitarbeiter einzustellen, die man für Projekte oder neu entstehende Ideen (und davon gibt es viele…) braucht – zumal viele (so meine Erfahrung) das auch gar nicht wollen. Sie sind auch mit anderen Auftraggebern gut im Geschäft und genießen ihre Freiheit. Was also spräche gegen eine größtmögliche Flexibilität – wenn beide Seiten dies so wollen?

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Inhaltlich eigentlich nichts. Wäre da nicht das Arbeitsrecht und das Schreckgespenst der „Scheinselbstständigkeit“. Zu einem Schreckgespenst ist sie vor allem deshalb geworden, weil die Sozialversicherungskassen chronisch leer sind – sie also gut Geld gebrauchen können. Und wenn sich ein Auftraggeber – nach einer Prüfung durch die Deutsche Rentenversicherung – ungewollt in einen Arbeitgeber verwandelt, kann da einiges Geld zusammen kommen.

Die Konsequenz: Es kann passieren, dass ich einigen Freien – obwohl sie sehr gut sind und sie große Lust auf eine Mitarbeit hätten – keinen Auftrag geben oder sie nur sporadisch einsetzen kann, weil das juristische – und damit das finanzielle – Risiko einfach zu groß wäre.

Wie absurd. Oder liegt es doch an mir?

1 Kommentar
  • Robert Wille 8. August 2013 10:44

    Das Problem ist doch eher, dass einige gut gemeinte und verständliche Ideen wie die Ihre, bei gesetzlicher Verankerung von anderen Unternehmen ausgenutzt werden. Die Idee der 400,-€ Kraft war sicherlich gut, daraus resultierte aber, dass Hundertausende Arbeitsplätze, von Menschen die damit Ihre Familie ernährten, in 400,-€ Jobs umgewandelt wurden. Dass die Unternehmen aus Kostengründen jede gesetzliche „Vorlage“ nutzen, mag verständlich sein, ist aber Volkswirtschaftlich ein Desaster worunter am Ende AUCH die Firmen leiden. Und so geht die Spirale nach unten. Auch die Einführung, dass der Staat einem Geringverdiener zusätzliche Gelder zur Verfügung stellt hat und wird weiterhin dazu geführt, dass die Unternehmen immer weniger bezahlen. Ist doch OK, da der Staat den Rest bezahlt. Wieder gut gemeint, aber der Weg führt ins Chaos. Letztes Beispiel: Zeitarbeitsfirmen.

    Wie gesagt, ich verstehe Sie voll und ganz, aber die Lösung muss eine andere sein, sonst werden wir bald überhaupt keine Angestellten in Deutschland mehr haben, so wie es in dem Buch „Globalisierungsfalle“ bereits vor über 15 Jahren aufgezeigt wurde.

    Das kann nicht der Weg sein, auch wenn es für die Unternehmen wünschenswert ERSCHEINT und die Politik Ihnen diesen Gefallen tut.

    Am Ende werden alle verlieren. AUCH die, die im Moment finanziell davon profitieren.

    Die Frage ist doch…… wie haben es die Firmen früher geschafft, zu wachsen und dennoch, wie damals üblich, ausschließlich Festangestellte zu haben.

    Das ist die EIGENTLICHE Frage und die würde ich mir auch stellen.

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