Nikolaus Förster „Durchsichtige Türen müssen in Augenhöhe gekennzeichnet sein“

Meine Kollegin Anna Bicker hat einen neuen Paragrafen entdeckt: Im Anhang Nr. 1.5 (3) der Arbeitsstättenverordnung heißt es:

„Durchsichtige oder lichtdurchlässige Wände, insbesondere Ganzglaswände im Bereich von Arbeitsplätzen oder Verkehrswegen, müssen deutlich gekennzeichnet sein ….“

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Das könnte Ärger geben. Der alte Backsteinbau, in den wir nächste Woche einziehen, ist zwar mehr als 100 Jahre alt. Im Inneren aber gibt es fast nur Glas. Sämtliche Büros führen zu einem etwa 80 Meter langen Gang, abgetrennt durch Glastüren und Glaswände.  In der Arbeitsstätten-Regel ASR A1.7 heißt es unter Punkt 5 (7) zudem:

 „Türen, die zu mehr als drei Vierteln ihrer Fläche aus einem durchsichtigen Werkstoff bestehen, müssen in Augenhöhe so gekennzeichnet sein, dass sie deutlich wahrgenommen werden können.“

Nur: Was, bitte sehr, heißt Augenhöhe – bei einem Team, das von ca. 1,60 bis 2,00 Meter fast alles zu bieten hat? Wir werden uns wohl entscheiden müssen (ich selbst bin 1,78 Meter groß, also purer Durchschnitt). Mal sehen, was die Berufsgenossenschaft sagt. Oder ist die gar nicht zuständig? Unser Aufnahmeantrag immerhin liegt denen schon ein paar Wochen vor. Bislang ohne Antwort. In ihren Broschüren rät die Genossenschaft:

„Eine einfache und in vielen Fällen wirksame Maßnahme zur Kenntlichmachung ist das Bekleben der Glasflächen mit Klebefolien, die es in vielen Variationen gibt. Diese Markierungen sollten in einer Höhe angebracht werden, die von den Türbenutzern gut zu erkennen sind.“

Da ist es wieder, unser Problem…

„Dabei ist zu beachten, dass das Bekleben von ESG…“

… die meinen damit Einscheiben-Sicherheits-Glas, wie ich eben herausgefunden habe….

„… im Schadensfall zu einer stärkeren Schollenbildung der Bruchstücke führen kann. Dies trägt zur Erhöhung des Verletzungsrisikos bei. Aus diesem Grund sollte eine Kenntlichmachung von ESG immer aus mehreren kleinflächigen Aufklebern bestehen. Im Idealfall wurde das Glas bereits schon während des Herstellungsprozesses (mechanisch oder chemisch) kenntlich gemacht. Vom Bekleben einer Tür in einer Höhe > 2m muss abgesehen werden.“

Außerdem:

„Nach ASR A1.3 „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“ (Tabelle 2) muss die Größe der Kennzeichen in Abhängigkeit der Erkennungsweite ausgeführt werden. Die Kennzeichnung muss zum Hintergrund einen deutlichen Kontrast bilden. Allgemein gilt, je kleinteiliger der Hintergrund ist, desto großflächiger sollte die Kennzeichnung sein, je dunkler die räumliche Umgebung, desto heller ist die Beleuchtung im Türbereich zu gestalten.“

Fazit: Deutschland denkt offenbar an alles. Deutschland ist Weltmeister im Risikoausschalten.  Und: Deutschland braucht mehr Unternehmer.

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