Nikolaus Förster „Hier ist ein Steuerflüchtling für Sie!“

Klirrende Kälte, minus sechs Grad, auf den Autos liegen Schneeflocken. Im Inneren des Hamburger Finanzamts in der Steinstraße ist davon nichts zu spüren, der kolossale Monumentalbau – in den 1920ern von Karstadt erbaut (damals gings denen offenbar noch gut) – schirmt die Kälte und den Autolärm ab. Ich brauche endlich die Umsatzsteueridentifikationsnummer – für die Lohnbuchhaltung, aber auch um überhaupt Rechnungen schreiben zu können; das geht nur über das Finanzamt. Ob ich denn persönlich vorbeikommen könne, hatte ich Frau Berger (im Foto rechts) morgens am Telefon gefragt. Sie hatte mir ein paar Tage zuvor einen Brief geschrieben – mit der gefetteten Betreffszeile „Gründung einer Kapitalgesellschaft“. „Klar, kommen Sie gerne vorbei, bis 14 Uhr sind wir da!“ Ab Richtung Innenstadt, um kurz vor 10 Uhr bin ich da. „Guten Morgen, ich möchte gerne zu Frau Berger!“, sage ich an der Rezeption. „Frau Berger?“ Der Mann blättert in seinem Verzeichnis, dann greift er zum Hörer: „Frau Berger, hier ist ein Steuerflüchtling für Sie!“ Steuerflüchtling? Naja, das sage man hier so. Frau Berger, zuständig für Neugründungen, freut sich, dass ein Gast da ist. Sie führt mich in ihr Zimmer im vierten Stock – und sorgt binnen weniger Minuten dafür, dass sich mein Bild von Finanzämtern zu wandeln beginnt. Dass ich viele Stellen des neun Seiten langen Formulars bislang nicht ausfüllen konnte, ist nicht schlimm. „Das können Sie nachtragen!“ Und wo ich unsicher bin, erklärt sie mir, was ich zu tun habe – das hätte ich alleine so nie hingekriegt. Vor allem nicht in dieser Schnelligkeit. Und die Umsatzsteueridentifikationsnummer? „Das dauert in der Regel zwei Wochen!“ Zwei Wochen? Das bringt meinen Zeitplan vollkommen durcheinander. „Vielleicht geht’s ja schneller“, sagt sie, als sie die Enttäuschung in meinem Gesicht sieht. „Probieren Sie es doch einmal Ende der Woche. Vielleicht haben wir dann schon Ihre Nummer!“

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2 Kommentare
  • […] von der Gründung der GmbH, vom Abschluss der Verkaufsverhandlungen mit G+J und vom ersten Besuch beim Finanzamt. Den Reiz macht aus, dass es bislang keine geglättete PR-Veranstaltung zu sein scheint, sondern […]

  • Karin Pees 18. Januar 2013 12:28

    Guten Morgen!

    Bis jetzt war ich kein großer Liebhaber von irgendwelchen Blogs. Warum soll ich lesen, was ein anderer erlebt hat oder wann er wo, welches Gemüse gekauft hat. Ihr Blog allerdings lehrt mich eines besseren. Er ist innterssant, amüsant und kurzweilig geschrieben. Deshalb weiter so, ich bin gespannt wie es weitergeht.

    Herzliche Grüße aus dem Bergischen

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