Nikolaus Förster „Ich zahle gerne Steuern!“ – Wem sind Unternehmer verpflichtet?

Das Finanzamt – ja, die, die impulse das „e“ einkassierten – haben sich gemeldet. Die Beamten sind verwirrt:  Im Januar war unser Verlag noch am Hamburger Baumwall gemeldet, im Februar zogen wir nach Hammerbrook, im Handelsregister wurde der neue Firmensitz ordnungsgemäß eingetragen, auch das Gewerbeamt weiß Bescheid. Nur das Finanzamt fühlt sich nicht gut informiert, pocht auf eine „Zuständigkeitsprüfung“. Ist wohl nur eine Formsache.

Anders als bei Hoeneß. Und seiner Selbstanzeige. Wie auch immer die Details aussehen mögen, die in den nächsten Wochen und Monaten herauskommen werden, der Schaden ist immens – vor allem für den Ruf, den Unternehmer in der Öffentlichkeit genießen (was mich kolossal ärgert!) Noch vor wenigen Tagen spielte der Bayern-Präsident die Rolle des erfolgreichen Unternehmers, der sich nicht verbiegen lässt, sozial engagiert ist und sich auch politisch zu Wort meldet: der mittelständische Wurstfabrikant, Inbegriff eines gewissenhaften Mittelständlers. Jetzt wissen wir: Das war nur ein Teil der Wahrheit.

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Was ich partout nicht begreifen kann: warum ein Mann, dem es ja nicht an Geld mangelt, auf diese Weise seinen Ruf aufs Spiel setzt. So sehr man – meist auch zu Recht – die Ineffizienz staatlicher Strukturen kritisieren mag, berechtigt dies noch lange nicht dazu, Geld am Fiskus vorbei zu schleusen. Wer Erfolg hat – und dies trifft auf viele Unternehmer zu -, ist auch verpflichtet, andere daran teilhaben zu lassen: Eigentum verpflichtet.

Nicht jeder Unternehmer, so meine Erfahrung der vergangenen Jahre, liebt diesen Satz. Oder er legt ihn so aus, wie er gerade in den Kram passt. Ich erinnere mich noch gut an ein gediegenes Abendessen mit mehreren Unternehmern vor ein paar Jahren. Mir gegenüber saßen zwei mit einem großen Namen – Marken, die jeder kennt. Der eine elaborierte zwischen Haupt- und Nachspeise minutenlang darüber, welche Konstruktionen er gewählt habe, um seine Steuern zu minimieren, womit er welche Erfahrungen gemacht habe und was gut funktioniere. Und dann fragte er seinen Tischnachbarn: „Und Sie? Was machen Sie?“ Es entstand eine kurze Pause, ein paar Sekunden nur. Dann sagte der andere Unternehmer, während er fast betreten auf das Tischtuch vor ihm schaute: „Ich mache gar nichts…“ Schweigen. Er hob seinen Kopf, schaute seinem Gegenüber fast verschmitzt in die Augen und fuhr fort: „… ich zahle gerne Steuern.“ Schade, dass in dem Moment der Nachtisch kam.

1 Kommentar
  • Jörg Weisner 23. April 2013 21:23

    Vielen Dank für das schöne Beispiel. Es passt sehr gut zu einem Erlebnis, dass ich anlässlich eines Vortrages, den ich kürzlich vor Steuerberatern auf Mallorca gehalten habe, hatte:

    Die meisten Unternehmer sind zunächst ärgerlich, wenn eine Steuer-Nachzahlung ins Haus flattert. Warum? Es zeigt doch, dass sie mehr verdient haben, als ursprünglich angedacht. Also eigentlich ein Grund zur Freude.

    Ganz im Sinne des von Ihnen so positiv beschriebenen Unternehmers, einigten sich die Steuerberater dann da drauf, ihren Mandanten künftig klar zu machen, dass nicht nur Steuern zahlen etwas Schönes ist. Nein, noch höhere Steuern als in Vergangenheit zahlen zu „dürfen“ ist dann noch schöner, weil sie eben selbst auch noch mehr verdient haben …

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