Nikolaus Förster Qualitätsjournalismus – mal anders

Letztens am Hauptbahnhof Hamburg. In fünf Minuten geht mein Zug nach Berlin. Da kommt ein Kollege auf mich zu. „Hallo Nikolaus!“ Ein Minute später kommt noch einer. Und dann – noch einer. Plötzlich sind wir vier Ex-Gruner+Jahr-Angestellte, die da auf dem Bahnsteig stehen. Einer aus der Chefredaktion, ein Reporter, ein Bildredakteur – und ich. Schnell News austauschen, der Zug kommt. Einer hat schon einen Job, keine feste Stelle, aber immerhin. Der zweite ist ebenfalls untergekommen – bei einem Verlag, der für ihn vor einem halben Jahr sicherlich noch nicht in Frage gekommen wäre. Aber vielleicht wird es ja ganz gut. Und der Dritte – der sucht noch. Seltsam, wie weit ich mich davon entfernt habe – Jobsuche, Stellen, Karriere – es ist, als sei ich in eine andere Welt eingetaucht. Und so ist es ja wohl auch.

Näher sind mir da die Ex-Kollegen, die jetzt – wie ich – etwas Eigenes aufbauen. So wie die vier freien Journalisten, die jetzt – unabhängig von Verlagen – die Initiative „Follow the Money“ (http://www.followthemoney.de/) gestartet haben: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt“, schreiben die vier – darunter zwei ehemalige impulse-Redakteure (auf dem Foto unten links Christian Salewski, http://www.christiansalewski.de , und in der Mitte Felix Rohrbeck, http://felixrohrbeck.de/Website/Felix_Rohrbeck.html) – auf ihrer Website, „globale Kapital- und Warenströme und ihre lokalen Auswirkungen verständlich zu machen. Dabei folgen wir einem grundlegenden Prinzip: Wir stellen einfache Fragen, nehmen bei der Recherche die Spur des Geldes auf und finden Antworten, die auch Graubereiche wirtschaftlichen Handelns ausleuchten.“ Ihr erstes Projekt, den Weg von Elektroschrott mit GPS-Sendern weltweit zu verfolgen, finanzieren sie mit Crowdfunding. Hunderte tragen mit kleinen Spenden dazu bei, dass die Recherchen möglich werden.

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Wer also Lust hat, ein spannendes Projekt – und damit auch Qualitätsjournalismus – zu unterstützen, kann dies mit ein paar Klicks tun, auf der Website https://krautreporter.de/elektroschrott. Von den knapp 5000 Euro, die für die Recherche veranschlagt werden, sind inzwischen 3.519 € zusammengekommen. Ich habe eben auch einen Betrag überwiesen – und freue mich schon auf die Postkarten, die ich dann demnächst aus aller Welt zugeschickt bekomme, wenn die freien Reportern sich auf die Spur der Schrottfernseher machen.

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