Nikolaus Förster So gelangt man an einen Grabstein!

Kaum ist Ostern vorbei, bin ich im Besitz eines Grabsteins. Es passierte im feinen Hamburger Anglo-German-Club, abends, etwa um 20 Uhr. Ich war eingeladen zum offiziellen Closing Dinner: mit den Gruner+Jahr-Anwälten, dem -Personalchef und Beratern, mit denen ich über Monate hinweg über den impulse-Kaufvertrag verhandelt, gefeilscht und gestritten hatte. Und mit meinem Anwalt, Hauke Thilow. Hans Bethge vom M&A-Haus Angermann, das von Gruner+Jahr „sehr kurzfristig“ den Auftrag erhalten hatte, impulse und Börse Online zu verkaufen, stand auf, begrüßte die Runde, erinnerte an ein paar Merkwürdigkeiten – etwa dass der virtuelle Datenraum anfangs halb leer war und man mir anfangs nicht zugetraut habe, den Deal zu finanzieren – und griff schon bald unter den Tisch, um etwas hervorzuholen, was in einem Tatort sicherlich als Tatwaffe taugen würde: einen kiloschweren „Tombstone“.

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Börse-Online-Käufer Frank-B. Werner, der auch geladen war und einen eigenen Tombstone erhielt, nahm es gelassen: „Ich habe schon mehrere davon!“ Für mich war es eine Premiere: eine Urkunde, eingeschraubt in zwei schwere Plexiglasscheiben, kriegt man ja nicht jeden Tag. Bei den Bundesjugendspielen – keine Ahnung, warum meine Gedanken in dem Moment um Jahrzehnte zurückwanderten – hatte ich hin und wieder eine Siegerurkunde abgestaubt (die bekamen fast alle, anders als die Ehrenurkunden). Die Promotionsurkunde fesselte Jahre später meinen Blick, weil sie vom ersten bis zum letzten Buchstaben auf Latein verfasst war. Aber einen „Tombstone“? Hatte ich noch nie gesehen. Ich wusste nicht einmal, dass es in Finanzkreisen üblich ist, nach einem Deal solche Erinnerungsstücke zu verteilen. Vielleicht wird das Stück Papier ja aus Angst panzerglasgleich eingehüllt – der Angst, irgendjemand könnte auf die Idee kommen, den Vertrag noch eimal aufzudröseln. Egal. Am Ende des Abends verstaute ich sogar zwei Exemplare in meiner Tasche: Auch Hauke Thilow hatte es sich nicht nehmen lassen, einen eigenen Tombstone herstellen zu lassen. Er hatte in das Plexiglas sogar eine weitere Schicht mit dem impulse-Februar-Cover eingelassen. Die Überschrift lautete damals: „Haben wollen!“

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Friederike Pabst, Hans Bethge, Tilmann Kruse, Hauke Thilow und Frank-B. Werner

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