Nikolaus Förster Warum die NSA-Enthüllung Medien bedroht

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„Immer wenn jemand an seinem PC auf ‚Eigene Dateien‘ klickt“, twitterte kürzlich jemand, „fällt irgendwo ein NSA-Mitarbeiter lachend vom Stuhl.“ Längst ist die Empörung in Sarkasmus umgeschlagen. Nur: Für Medien, die hierzulande ja verfassungsrechtlich geschützt sind, ist das eine katastrophale Nachricht. Auch frühere Debatten erscheinen jetzt in einem anderen Licht: Vor Jahren wurde in Deutschland zum Teil erbittert über das Zeugnisverweigerungsrecht und den Quellenschutz diskutiert. Wie sollen seriöse Medien ihrer öffentlichen Aufgabe nachkommen, wenn ihre Vertraulichkeit in Frage gestellt wird – angesichts heimlicher Überwachungen, deren Ausmaß selbst George Orwell überrascht hätte?

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Welche Bedeutung diese Entwicklung für die Rolle von Qualitätsmedien hat, ist – so mein Eindruck – vielen Journalisten (und Verlegern) noch gar nicht klar. Ich habe mich heute länger mit unseren IT-Dienstleistern zusammengesetzt. Wie sicher sind unsere Daten? Wo sind Angriffspunkte? Was lässt sich noch verbessern? Eine gute Nachricht: Seit wir im Januar neu angefangen haben, basiert unser Mailprogramm auf Open-Source-Software. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dort eine sogenannte „Backdoor“ gibt (also die Möglichkeit, unter der Umgehung der normalen Zugriffssicherung Zugang zu Daten zu erlangen), ist dort fast ausgeschlossen, weil zig tausend Entwickler in Dutzenden Ländern an der Software arbeiten – und nicht Einzelne, auf die Behörden Einfluss üben könnten. Unser Server, über den unsere Daten laufen, steht in Nürnberg, nicht im Ausland. Auch das ist ein Vorteil. Aber natürlich bedeutet auch das keine 100-prozentige Sicherheit. Jetzt überlegen wir, ob wir unsere Mails nicht verschlüsseln sollten (und recherchieren für das nächste Heft, was da empfehlenswert ist, für wen sich das lohnt, wie viel das kostet etc.). Man muss es den Amerikaner – oder wem auch immer – ja nicht so leicht machen.

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