Nikolaus Förster Wie beteiligt man Mitarbeiter am Gewinn?

Ein bisschen ist es wie damals, vor einem Jahr, in der Schlussphase der MBO-Verhandlungen: spätabends am Schreibtisch sitzen, sich über Vertragsparagraphen beugen, mit meinem Anwalt am Telefon über Formulierungen diskutieren – und das alles knapp vor einer Deadline: Bis zum 15. Januar, ein Jahr nachdem das impulse-Team in die neue Impulse Medien GmbH wechselte, soll das Modell für die Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter stehen. Dazu hatte ich mich während der MBO-Verhandlungen verpflichtet. Eigentlich, so dachte ich, wäre das kein Problem und ließe sich schnell umsetzen. Weit gefehlt: Das Jahr war so turbulent, dass Monat für Monat verging, ohne dass ich Zeit fand, mich darum zu kümmern.

Jetzt endlich ist es soweit: Ich habe einen Mehrseiter für das Team geschrieben, in dem das Modell erläutert wird,  und den Mitarbeitern vor Weihnachten weitere Details erklärt – mit der Bitte, sich zu überlegen, wer mitmachen möchte (ist freiwillig) und wie viel Kapital sie einlegen möchten. Das ist nämlich das Besondere an unserem Modell: Wer an der Gewinnbeteiligung teilhaben möchte, muss einmalig Kapital einlegen, das dann Jahr für Jahr (weit überdurchschnittlich) verzinst und  ausgeschüttet wird. Je erfolgreicher wir sind, desto mehr wird ausgeschüttet. Honoriert wird also nicht die Leistung des Einzelnen (wie bei üblichen Tantiemezahlungen), sondern die des gesamten Teams – weil ich davon überzeugt bin, dass jeder Einzelne einen Beitrag zum Erfolg leisten kann, egal an welcher Stelle.

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Was sich relativ simpel anhört, ist in der vertraglichen Umsetzung nicht ganz so einfach; immerhin gründen wir dazu eine Mitarbeiter-GbR und eine stille Gesellschaft. (Das gibt uns die Möglichkeit, den Mitarbeitern Gewinne auszuschütten – auch wenn wir als GmbH-Gesellschafter keine Gewinne entnehmen.) Vor allem aber geht es hierbei nicht nur um juristische Fragen, sondern auch um Aspekte, die das Grundverständnis eines Unternehmens berühren: Was zum Beispiel ist mit den Festangestellten, die erst nach dem MBO zu Impulse gestoßen sind – immerhin haben wir inzwischen 30 Mitarbeiter, nicht 20, wie noch vor einem Jahr. Wäre es nicht fair, alle an den Gewinnen teilhaben zu lassen – und nicht nur die, die schon am 15. Januar 2013 dabei waren? (Ich würde sagen: ja.  Aber was ist mit Mitarbeitern in der Ausbildung oder solchen, die gerade erst angefangen haben…) Und wie viel Kapital dürfen die einzelnen Mitarbeiter einlegen? Können die, die ohnehin mehr Geld (und vielleicht auch höhere Gehälter) haben, auch mehr einlegen – und erhalten entsprechend einen höheren Anteil an der Gewinnbeteiligung? Oder wäre es nicht fairer, wenn jeder den gleichen maximalen Betrag einzahlen kann – und damit auch diejenigen mit geringeren Gehältern entsprechend profitieren? (Ich würde sagen: ja). Und: Was ist mit denjenigen, die gerne möglichst viel einzahlen wollen, weil sie an den Erfolg des Unternehmens glauben, es sich aber nicht leisten können – weil das Geld einfach nicht da ist? Und: Müsste man diejenigen, die an den Gewinnen teilhaben, nicht auch an möglichen Verlusten beteiligen? (Ich würde sagen: ja – aber: Wie konsequent macht man das?) Und – unabhängig von unzähligen Modellen: Ist Geld überhaupt ein wirksamer Anreiz für Mitarbeiter – oder geht es nicht eigentlich um ganz andere Dinge: um Freiheit, autonome Entscheidungen, ein gutes Klima und eine klare Perspektive? Schwierige Fragen. Morgen gibt es die nächste Runde mit dem Team, bis nächste Woche muss das Modell dann auch vertraglich festgezurrt sein.

2 Kommentare
  • […] – hatte ich gefragt – beteiligt man Mitarbeiter am Gewinn? (siehe http://impulsemagazin.wordpress.com/2014/01/08/wie-beteiligt-man-mitarbeiter-am-gewinn/) Es sind Dutzende, zum Teil schwierige Fragen, die sich stellen, wenn man solch eine […]

  • Andreas R. J. Schnee-Gronauer 8. Januar 2014 11:20

    Ich beschäftige mich relativ viel mit Gewinnverteilungsmechanismen und deren Wirkungen in Kanzleien (was natürlich nur sehr eingeschränkt vergleichbar ist).

    Allgemein ist – wie Sie auch andeuten – die Sache am stabilsten, wenn alle gleich am Erfolg (positiv und negativ) beteiligt werden. Das funktioniert aber nur, wenn sich die Akteure gegenseitig vertrauen; normalerweise gibt es daher eine Art Evolutionsprozess von Eat-What-You-Kill zu Lockstep, bei der unterschiedliche Senioritätsklassen gebildet werden.

    Bei Mitarbeiterbeteiligungen ist der Grad leider schmal zwischen „wir senken die Fixkosten und bürden Leuten, die lieber angestellt sein wollen unternehmerische Risiken auf “ und echten Beteiligungsmodellen ziemlich schmal.

    Was ich lange unterschätzt habe, ist, wie sehr Menschen ihr Verhalten an Anreizsystemen (monetär und nicht monetär) ausrichten und bei einem nicht gut justierten Anreiz sogar der von ihnen erkannten dahinterstehenden und von Ihnen gebilligten Lenkungsabsicht zuwider handeln.

    Ein glückliches Händchen wünscht
    Andreas R. J. Schnee-Gronauer

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