Nikolaus Förster „Wir hören einander zu!“ Welche Regeln brauchen Unternehmen?

Ein Jahr ist es her: Einschulung. Elternabend. Die Wahl der Elternvertreter. Wer sich denn, bitte schön, zur Wahl stelle, fragte die Klassenlehrerin. Es war wie immer: Die meisten starrten, zusammengekauert auf den kleinen Stühlchen, betreten auf ihre Tischplatten – als reiche schon ein einziger erwiderter Blick für eine Wahl. Zwei Mütter meldeten sich schließlich, dann fehlte noch ein Mann – und ich ließ mich dazu hinreißen, das Amt zu übernehmen. Das war vor zwölf Monaten, ist also eine Ewigkeit her. Wir organisierten ein Sommerfest, einen Stammtisch, eilten artig zur Klassenelternvertreterversammlung – bis mir schließlich die ohnehin spärliche Zeit abhanden kam.  Plötzlich, nach den Herbstferien, ging es um die Zukunft von impulse, um den MBO, Tag und Nacht. Ich tauchte ab. Als Gruner + Jahr mir im Frühjahr meine Mail-Adresse abdrehte, erreichten mich noch nicht einmal mehr die Mails der anderen Eltern. Höchste Zeit, mich offiziell zurückzuziehen.Anfang der Woche war es soweit.

Wieder zwängten sich die Eltern an die Tische, die zwei Elternvertreterinnen waren bereit weiterzumachen. Fehlte also, mal wieder, der Mann. Die Blicke richteten sich auf mich. Ja, es habe Spaß gemacht, versicherte ich, nur hätte ich jetzt – leider, leider – keine Zeit mehr. Da sich kein anderer Mann zur Wahl stellte, insistierte die Lehrerin mit strengem Blick, als sei sie kurz davor, mich ins Klassenbuch einzutragen. „Warum“, wandte sie sich direkt an mich und blickte mich eindringlich an, „warum wollen Sie nicht mehr?“ Ja, warum eigentlich nicht? Da reichte, was mich selbst überraschte, ein einziger Satz, um die Sache abzuwenden. „Es tut mir leid“, sagte ich, „aber ich habe ein Unternehmen gegründet.“ Kurze Pause. „Ach so“, sagte die Lehrerin, „ich verstehe.“

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Klassenregeln

Wenig später erbarmte sich ein anderer Mann, das Amt zu übernehmen. Mein Blick war längt an die Wand gewandert, wo die neuen Klassenregeln hingen. „Wir hören einander zu und reden nicht dazwischen, wenn andere reden“, stand dort geschrieben. Nicht schlecht. Am nächsten Morgen unterschrieb ich die Regeln im Heft meiner Tochter (Foto oben). Und denke seitdem darüber nach, wie die Unternehmenslandschaft wohl aussähe, wenn sich die hiesigen Chefs und Angestellten an solche Regeln halten würden.

1 Kommentar
  • Christian Schmidt 27. August 2013 17:14

    Großartig! Und herzlichen Dank für diesen wunderbaren, inspirierenden und ehrlichen Blog!

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